Wolfwil
«Die Wasserqualität ist schlechter als früher»

In den 100 Jahren seit der Gründung des Wolfwiler Fischereivereins hat sich vieles geändert.

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Peter Nützi, seit knapp 20 Jahren Präsident des Woflwiler Fischervereins. Peter Nützi, seit knapp 20 Jahren Präsident des Woflwiler Fischervereins.

Peter Nützi, seit knapp 20 Jahren Präsident des Woflwiler Fischervereins. Peter Nützi, seit knapp 20 Jahren Präsident des Woflwiler Fischervereins.

zvg

Eine Barbe sucht die Steine am Ufer nach Essbarem ab. Zwischendurch wird ihr silbriger Bauch sichtbar, wenn sie sich umdreht. Für die Cervelatstücke an den Angelruten, die die Mitglieder des Fischereivereins Wolfwil auf halber Breite der Aare unterhalb des Kraftwerks Wynau ausgeworfen haben, interessiert sie sich nicht. Aber die Vereinsmitglieder sind sowieso hauptsächlich auf den Wels aus. «Ein Wels frisst nur alle sechs Tage», erklärt Vereinspräsident Peter Nützi. «Manchmal hat es Dutzende in unserer Nähe, aber sie beissen nicht an, weil sie keinen Hunger haben.» Wenn der Wels jedoch Hunger habe, dann fresse er alles, erklärt Daniel Frey: Cervelat, Weisswurst oder kleine tote Fische können als Köder dienen. Weil der Wels nachtaktiv ist, findet das Vereinsfischen an diesem Freitag am Abend statt. Andere Fische lassen sich am besten tagsüber fangen.

Ein harter Kern blieb dem Verein erhalten

Dieses Jahr feiert der Fischereiverein Wolfwil sein hundertjähriges Bestehen. Am Fest Ende Juni kamen zu den 66 Vereinsmitglieder zusätzlich Behörden sowie Mitglieder des befreundeten Fischereivereins Fulenbach dazu. «Wir sind der vierte Fischereiverein im Kanton, der 100 Jahre feiert», erklärt Nützi. Er selbst begleitete seinen Vater bereits als Kind zum Fischen in der Gegend und erwarb mit zwölf Jahren das Patent. Seither hat sich einiges verändert. Bis vor zehn Jahren pachteten die Fischereivereine einen Abschnitt der Aare und verkauften Patente an ihre Mitglieder. Seither kann ein Patent für den ganzen Kanton erworben werden, womit der Vereinszwang wegfällt. Vor der Änderung zählte der Wolfwiler Verein 230 Mitglieder. «Nur der harte Kern blieb», sagt Nützi. Rund 25 der 66 Mitglieder sind mehr als einmal jährlich an Vereinsanlässen und beim Fischen anzutreffen, die anderen sind hauptsächlich aus Altersgründen nicht mehr aktiv. Am längsten dabei war Mitglied Herrmann Ramseier, der mittlerweile verstorben ist. Eine Sitzbank auf der Insel beim Kraftwerk Wynau erinnert an ihn. «Er hat fast bis zum letzten Tag geangelt», weiss Anita Dubach. «Mänu war praktisch jeden Tag hier», sagt Frey. Früher kannte man entlang eines Abschnitts fast alle, weil alle im Verein waren, erzählt Dubach. «Wenn jetzt jemand etwas fängt, macht das sofort via WhatsApp und Facebook die Runde, und alle gehen dann an diesen Ort.»

Weniger Beute als die Fischer sich erhofft hätten

Eine weitere grosse Änderung ist die Fangmenge, sind sich die Fischer einig. «Man kann zehn Mal fischen gehen und fängt vielleicht einmal etwas», sagt Dubach. Auch Nützi hat beobachtet, dass es immer weniger Fische gibt. Manche Arten, wie etwa die Aale, seien komplett verschwunden. «Die Wasserqualität ist wegen den Medikamenten und Pestiziden im Wasser viel schlechter als früher», erklärt er. Dass Erfolgserlebnisse seltener geworden sind, sei auch ein Grund, warum sich weniger junge Leute fürs Fischen begeistern lassen. «Das ist frustrierend, wenn sie nichts fangen. Dann verlieren sie schnell die Geduld», findet Dubach. Einige lassen sich dennoch begeistern. Auch im Wolfwiler Verein sind noch einige Fischer zwischen 20 und 30 Jahren vertreten, die meisten Mitglieder sind jedoch über 50 Jahre alt. Der Verein bietet zusammen mit dem Fischereiverein Fulenbach alle zwei Jahre Kurse für Jungfischer an.

Die Beute steht aber weniger im Zentrum des Fischens als früher. Zur Gründungszeit vieler Fischereivereine nach dem ersten Weltkrieg sei das anders gewesen, erklärt Nützi. Mittlerweile sind die Fischer wählerischer geworden und fangen fast nur noch Edelfische. Wichtiger ist das Erlebnis in der Natur und das gemütliche Beisammensein. «Es ist faszinierend, was es alles für Tiere am Wasser gibt», findet Dubach. Auch Wiesel, Vögel oder Ratten zu beobachten sei interessant. «Aber zwischendurch wollen wir natürlich schon etwas fangen», findet Dieter Flückiger. Er geht zwei bis drei Mal jährlich zum Fischen nach Schweden. «Das Lachs fischen ist etwas ganz anderes», erzählt er und zeigt Bilder von seiner Beute auf dem Handy. «Die wehren sich und springen dabei auch mal einen Meter in die Höhe.» Andere Vereinsmitglieder sind fast ausschliesslich an ihren Lieblingsplätzen in Wolfwil oder im Kanton Solothurn anzutreffen. Rund die Hälfte der Mitglieder wohnt in Wolfwil, die andere Hälfte in anderen Gemeinden in der Region.

An diesem Abend wollten nur zwei Fische anbeissen. An einem anderen Tag haben die Fischer vielleicht wieder mehr Glück.