Oensingen
«Die vonRoll hydro wegzuschikanieren wäre geradezu absurd»

Die Gemeinde Oensingen wehrt sich gegen den Vorwurf, man habe mit dem Einbau der Hagenbucher-Leitungen die vonRoll hydro «schikanieren» wollen. Die vonRoll vermische zwei Dossier, die nichts miteinander zu tun haben.

Alois Winiger
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Die Röhren des Anstosses im Raum Sternenweg.

Die Röhren des Anstosses im Raum Sternenweg.

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In Oensingen ist ein brisanter Zwist im Gange: Ausgelöst wurde er durch den Einbau einer Wasserleitung im Dorfzentrum (Sternenweg). Weil die Leitungsrohre von Hagenbucher stammen und nicht von der ortsansässige vonRoll hydro, beklagt sich diese, man wolle sie systematisch von ihrem Standort «wegschikanieren».

«Davon kann keine Rede sein. Ein solches Verhalten wäre geradezu absurd.» So kontert nun die Gemeinde in einem offenen Brief, unterzeichnet von Gemeindepräsident Markus Flury und Pascal M. Estermann, Stabschef Gemeinderat. vonRoll vermische hier zwei Dossiers, die nichts miteinander zu tun haben.

Zur Verfügung gestellt

Was die Sache etwas speziell macht: Am nächsten Montagabend wird die Gemeindeversammlung den Kredit für diese Wasserleitungsarbeiten zu verabschieden haben, die schon sehr weit fortgeschritten sind. Und die blauen Röhren des Anstosses, die für rote Köpfe sorgen, sind bereits metertief vergraben. Doch eines nach dem andern.

Hat jemand einen Wink gegeben?

Zum Fall: Die Gemeinde lässt einen Teil der Hauptschlagader der Wasserversorgung ersetzen und holt dazu Offerten ein, wobei vornweg der Rohrtyp Hagenbucher gewünscht wird. Dies aufgrund von Erfahrungen Typ sowie auf Empfehlung des Ingenieurs. vonRoll bekommt einen Wink - von wem weiss man nicht - und besteht darauf, ebenfalls offerieren zu können. Doch das Produkt kommt nicht zum Zug. Es sei von den Fachleuten als nicht gleichwertig eingestuft und daher abgelehnt worden, lässt die Gemeinde wissen.

Nicht zum ersten Mal hat sich die Gemeinde bei der Wahl von Wasserleitungsrohren für das Konkurrenzprodukt von Hagenbucher entschieden. So etwa beim Wasserverbund Bipperamt und Balsthal. Hinter diesem Vorgehen wittert Jürg Brand, Verwaltungsratspräsident der vonRoll infratec Gruppe, eine Retourkutsche, weil die Firma noch immer an jenem Standort im Oensinger Leuenfeld produziert, wo die Wohnüberbauung Leuenpark entsteht.

Ein Teil davon ist auf ehemaligem vonRoll-hydro-Land entstanden, ein weiterer soll folgen, wenn die Firma einen anderen Produktionsstandort für die insgesamt rund 140 Mitarbeitenden gefunden hat - selbstverständlich innerhalb der Gemeinde. So es seinerzeit abgemacht worden, hält Jürg Brand fest. Doch die Gemeinde habe nie einen alternativen Standort angeboten, der für vonRoll hydro infrage gekommen wäre.

Bei diesem Punkt lässt Brand ausser Acht, dass Gemeindepräsident Markus Flury und der Leiter Bau, Andreas Affolter, die nun der systematischen Benachteiligung der Firma vonRoll hydro bezichtigt werden, noch gar nicht im Amt waren. Insofern dürften also die Dossiers «Leuenpark» und «Wasserleitung Sternenweg» nicht zusammenhängen.

Vollendete Tatsachen

Erklärungsbedarf besteht bei der Tatsache, der sich die Gemeindeversammlung vom nächsten Montagabend gegenüber sehen wird. Für den Ersatz der beschriebenen Wasserleitung ist ein Kredit von total 700 000 Franken zu verabschieden. Darin enthalten ist zwar das etwas teurere Rohrmaterial von Hagenbucher, aber diesbezüglich gibts nichts mehr zu entscheiden.

Die Frage ist, warum die Vorlage erst jetzt zur Abstimmung kommt, wo doch ein Teil der Arbeiten bereits erledigt ist? «Diese unschöne Situation basiert auf einem internen Planungsfehler», schreibt die Gemeinde im oben erwähnten Brief. Man habe aufgrund nicht vorgesehener Ereignisse zügig handeln müssen. Geplant war nämlich, die Wasserleitung erst nächstes Jahr zu ersetzen.

Nun ist aber die Verlegung der Fernwärmeleitung im Gang und diese verläuft im Raum Sternenweg über eine andere Route als geplant. Es stellte sich heraus, dass die beiden Leitungen in einem einzigen Graben verlegt werden können, was nun idealerweise auch getan wird. So lassen sich die Grabungskosten aufteilen.