Was kann der Industrie- und Handelsverein Thal-Gäu-Bipperamt (IHV) dazu beitragen, den öffentlichen Verkehr in ebendieser Region zu stärken? «Bei uns im IHV wird der öffentliche Verkehr eher als ein Stiefkind behandelt. Wir reden mehr von Autos, Stau und Umfahrungen», gab IHV-Präsident Rolf Riechsteiner zu, als er im Anschluss an die Generalversammlung (siehe separaten Text) zum Referat von Ludwig Dünbier überleitete. Der Abteilungsleiter öffentlicher Verkehr im kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau widmete sich im Referat zum «Angebot im öffentlichen Verkehr in Thal und Gäu».

Job-Abos beliebt machen

Der IHV könne sehr wohl etwas dafür tun, damit der öffentliche Verkehr stärker genutzt werde, sagte Dünbier. Nämlich wenn der Arbeitgeber ein Job-Abo mitfinanziert. «Im Tarifverbund Nordwestschweiz wird dies bereits rege genutzt.» In der Region Thal und Gäu sei dies leider nicht so einfach, weil sich hier mehrere Verbunde überschneiden, konkret Libero und A-Welle, und die Job-Abos aber nur in einem Verbund gültig sind – bis jetzt jedenfalls.

Denn damit sei voraussichtlich schon im zweiten Quartal dieses Jahres Schluss, Libero entwickle nämlich eine Lösung, die nicht nur auf einen Verbund beschränkt ist. «Zudem sollen auch nationale Tarifangebote, zum Beispiel Generalabos, darin eingebunden werden.» Möglichkeiten, den öffentlichen Verkehr zu nutzen, gebe es reichlich, führte Dünbier aus. «Wochentags sind zur Hauptverkehrszeit Busse und Bahnen in der ganzen Region im Halbstundentakt unterwegs, die Busse im Raum Olten sogar im Viertelstundentakt.»

Keine vergleichbare Region

Spannend war Dünbiers Ausblick auf das Jahr 2030. Das sei zugegebenermassen noch weit weg, doch die Erfahrung zeige, dass die Entwicklung der Bahn in langen Zeiträumen geplant werden müsse, «erst recht, wenn Infrastrukturausbauten damit verbunden sind.» Nachdem Volk und Stände der Vorlage zur Finanzierung und zum Ausbau der Bahninfrastruktur (Fabi) zugestimmt haben, gehe es nun an die Planung der Ausbauschritte.

Eine zentrale Säule bildet das strategische Entwicklungsprogramm Step, besonders für die Region Nordwestschweiz. Denn diese gilt als die zweitwichtigste Wirtschaftsregion der Schweiz. Darin prallten die Interessen im Personenfern-, Güter- und Regionalverkehr aufeinander wie kaum anderswo. Darum haben sich die Kantone Aargau, Basellandschaft, Basel-Stadt, Bern, Jura und Solothurn zur Planungsregion Nordwestschweiz zusammengeschlossen. Der Lenkungsausschuss ist beim Kanton Basel-Stadt angesiedelt, der Koordinationsausschuss beim Kanton Solothurn.

Halbstundentakt für Egerkingen

Als wichtigsten Grundsatz im Fernverkehr für den Ausbauschritt 2030 nannte Dünbier, dass alle Fernverkehrszüge grundsätzlich halbstündlich mit grösstenteils den gleichen Zugshalten und gleichen Hauptzielen fahren. Aufhorchen liess die Ankündigung, dass die Strecke Biel–Zürich über Oensingen im Halbstundentakt bedient werden – und auch neu die Station Egerkingen davon profitieren soll. «Allerdings sind dies lediglich die Angebotsvorstellungen, die von der Planungsregion Nordwestschweiz an den Bund eingereicht worden sind», betonte Dünbier. «Was davon Wirklichkeit wird, ist offen. Wir sind nicht die einzige Region, die Wünsche hat.»

Bahnhof wird zur Drehscheibe

Konkreter sei hingegen, dass der Bahnhof Egerkingen zu einer Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs werden soll, wenn möglich bereits etwa ab dem Jahr 2018; so wie es das Agglomerationsprogramm AareLand der zweiten Generationen vorsieht. Das bedeutet, wie Ludwig Dünbier auf Nachfrage erklärte, dass der Bahnhof und die Bushaltestellen eine Einheit bilden, wo bequemes Umsteigen – auch für Behinderte – möglich ist. Das Projekt Drehscheibe war bereits Thema im Gemeinderat Egerkingen (wir berichteten). Unter anderem ging es um «Bike and Ride» bzw. um den Bau eines Unterstandes für Zweiräder.