Wisent
«Die vielen Geburten zeigen, dass es den Tieren gut geht»: Berichte von der «Wisent-Front»

Der Verein «Wisent-Welt-Witgenstein» aus Bad Berleburg D legt seinen Jahresbericht mit interessanten Angaben vor.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Der Wisent-Verein in Bad Berleburg D sieht sein Wisent-Projekt als «Erfolgsgeschichte» an, wie er in seinem Jahresbericht 2017 schreibt. «Im April 2018 werden die Wisente fünf Jahre in Freiheit im Rothaargebirge leben.» In der frei lebenden Herde des Artenschutz-Projektes seien im Jahr 2017 sechs Kälbchen geboren worden. «Drei Jungbullen sind im selben Zeitraum bei Rangkämpfen erlegen. Ausserdem hat der Wisent-Verein ein Skelett eines toten Wisents gefunden. Der Zeitpunkt des Verendens ist in diesem Falle nicht exakt zu datieren», ist zu lesen.

Ende 2017 bestand die frei lebende Herde im Rothaargebirge aus 21 Tieren. Wisent-Ranger Jochen Born erklärt dazu: «Die vielen Geburten jedes Jahr zeigen, dass es den Tieren gut geht.» Die meisten Tiere seien mittlerweile in Freiheit geboren. Das beeinflusse auch ihr Verhalten. Der Wisent-Ranger beobachtet, dass sie wilder und scheuer werden.

Verhalten der Menschen

Dieser Entwicklung stehe allerdings das unbedachte Verhalten vieler Schaulustiger entgegen. Der Ranger erklärt: «Gerade im Winter sind die Wanderungsbewegungen der Tiere reduziert. Sie halten sich vermehrt an einem Ort auf. In einem dieser Bereiche kam es 2017 zu einer leichten Kollision mit einem PKW, bei dem glücklicherweise weder Mensch noch Tier verletzt wurden.»

Zudem wurde beobachtet, dass Menschen keinen Abstand zu den Wisenten hielten und versuchten, sie mit mitgebrachtem Futter zu locken. «Sie beunruhigten die grundsätzlich scheuen Tiere durch ihre zahlreichen Annäherungsversuche.» Der Wisent-Verein appelliert deshalb an die Besucher, Respekt gegenüber den Wisenten zu zeigen und immer einen 50 Meter grossen Abstand zu halten.

Besucherrekord

Die «Wisent-Wildnis am Rothaarsteig», also das eingezäunte Gelände, hat 2017 bei den Besucherzahlen noch mal zugelegt. 36'500 Besucher wurden gezählt und damit ein Besucherrekord registriert.

Seit der Eröffnung der «Wildnis» im September 2012 hätten schon 185'000 Menschen die grössten Landsäugetiere Europas in dem weitgehend naturbelassenen Areal besucht. Im Gehege seien 2017 zwei Kälbchen geboren worden; insgesamt lebenelf Tiere dort.

Die rechtliche Auseinandersetzung zwischen zwei Waldeigentümern aus dem Hochsauerland und dem Wisent-Verein um die Vermeidung von Schälschäden an Bäumen hat die Kontrahenten 2017 auf den Weg zum Bundesgerichtshof nach Karlsruhe geführt. Der Wisent-Verein hat Revision gegen das Urteil des Oberlandesgerichts OLG Hamm eingelegt. Auch die Kläger haben Revision eingelegt.

Artenschutzmassnahmen

«Das Landgericht Arnsberg hatte den Wisent-Verein in der Vorinstanz ohne Einschränkungen dazu verurteilt, «geeignete Massnahmen» zu ergreifen, um die frei lebenden Wisente von den Grundstücken der beiden Kläger aus dem Hochsauerland fernzuhalten, damit keine Schäden an Bäumen entstehen. Das Oberlandesgericht Hamm hat nun diese «geeigneten Massnahmen» unter dem Vorbehalt artenschutzrechtlicher Genehmigungen gestellt. Das heisst: Es dürfen nur solche Massnahmen vom Wisent-Verein ergriffen werden, die entsprechend der gesetzlichen Anforderungen des Artenschutzes genehmigt werden können.

Aus Sicht des Wisent-Vereins gehören dazu in keinem Fall das Einzäunen oder das Entnehmen der Tiere. Wann sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall befassen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Drei weitere – weitgehend gleichlautende – Klagen gegen den Wisent-Verein ruhen derzeit beim Oberlandesgericht Hamm, denn das Urteil aus Karlsruhe soll erst abgewartet werden.

Schälschäden

Die dem Wisent-Verein gemeldeten Schälschäden bewegen sich 2017 im Vergleich zum Vorjahr auf etwa gleichem Niveau. Die Entwicklung der gemeldeten und vom unabhängigen Schadensschätzer bestätigten Baumschäden in Euro zeigt sich wie folgt: 2013 ca. 11'000 Euro; 2014 ca. 16'800 Euro; 2015 ca. 20'000 Euro; 2016 ca. 50'000 Euro; 2017 ca. 22'700 Euro. Das Geld komme aus einem Schadensfonds, in den mehrere Partner bis zu 50'000 Euro einzahlen.

Der Vereins-Vorsitzende, der Bürgermeister von Bad Berleburg, Bernd Fuhrmann erinnert auch an den Waldbesitzer, Initiator und Unterstützer des Wisent-Projektes, Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, der im März 2017 gestorben ist. «Wir wollen auch im Sinne Prinz Richards das Wisent-Projekt dauerhaft in der Region etablieren und dessen Zukunft sichern», schreibt Fuhrmann.

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