Es ist noch nicht lange her, dass der Zibelimäret in Oensingen das 50-jährige Jubiläum feierte. Vieles hat sich seit Beginn des traditionellen Anlasses verändert. So gibt es heutzutage mehr Ess-Stände als früher und sowohl Abfallkonzept als auch Verkehrsführung wurden über die Jahre hinweg ständig überarbeitet und erneuert. Eines blieb bis anhin aber immer gleich: der Standort an der Hauptstrasse. Nun soll sich im Jahr 2018 auch das verändern.

Die Kantonspolizei Solothurn hat für den traditionellen Anlass auf der Hauptstrasse keine Bewilligung mehr erteilt. «Obwohl es sich beim Zibelimäret um einen Traditionsanlass handelt, lassen die gegebenen Umstände keine Ausnahme mehr zu», erklärt Yves Staub, Chef Verkehrstechnik der Kantonspolizei Solothurn den Entscheid. «Durch das massiv gesteigerte Verkehrsaufkommen haben sich die Auswirkungen einer Totalsperrung von Kantonsstrassen verschärft», so Staub.

Zwar habe die Polizei keine Änderung der Bewilligungspraxis vorgenommen, aber während eine Sperrung vor zehn Jahren lediglich schwache Auswirkungen auf den Verkehrsfluss zeigte, würden sich heute bereits geringste Behinderungen sehr stark auf das Verkehrsgeschehen sowie die Verkehrssicherheit auswirken.

Weil die Kantonspolizei deshalb allgemein weniger Bewilligungen erteilt, ging es einigen Veranstaltungen bereits an den Kragen, wie beispielsweise der Kappeler Chilbi, welche im Jahr 2016 den Standort auf die Dorfstrasse verlegen musste. So wie der Kappeler Chilbi und dem Zibelimäret wird es in Zukunft wohl noch weiteren Anlässen ergehen.

Entlastungsstrasse rasch realisieren

«Das sind natürlich alles verständliche Gründe», sagt Gemeindepräsident Fabian Gloor. «Aber sollen diese Tradition und das ehrenamtliche Engagement den Kantonsstrassen geopfert werden?» Die Auswirkungen seien momentan nicht abschätzbar und der Gemeinde seien in dieser Sache die Hände gebunden, was Gloor sehr bedauert. «Die Vereine zeigen Jahr für Jahr so viel Einsatz und Freude. Es wäre schade, wenn sie unter dem Beschluss der Polizei leiden müssten.»

Mithilfe einer Interpellation will Kantonsrat Gloor erreichen, dass sich der Kanton über die Benützung der Kantonsstrassen Gedanken macht und in seinen Überlegungen auch die Tradition und das Engagement der Veranstalter einbezieht. «So eine Abwägung über die Benützung der Strassen sollte nicht zulasten von traditionellen Anlässen getroffen werden», lautet Gloors Meinung.

Dass die Bewilligung auch gleich in diesem Jahr ausbleibt, ist unglücklich. Vor allem, da das Organisationskomitee letztjährig ein neues Verkehrskonzept ausgearbeitet hatte, welches die Durchführung des Anlasses während der nächsten Jahre gewährleisten sollte. «Das hat leider nicht wirklich funktioniert», gibt Gloor zu. So kam es am Wochenende des Zibelimärets Ende Oktober rund um Oensingen vermehrt zu Stau. «Aber das hat es fast jeden Samstag», fügt der Gemeindepräsident an. «Durch die Nähe zur Autobahn und als Ausweichstrasse haben wir in Oensingen nun einmal ein gewaltiges Verkehrsaufkommen.»

Für ihn ist deshalb wichtig, dass eine Entlastungsstrasse rasch angegangen wird. «Die braucht es jetzt mehr denn je», so Gloor. «Es wäre am idealsten, wenn die Entlastungsstrasse so realisiert wird, dass der Zibelimäret trotzdem an der Hauptstrasse stattfinden kann. Leider ist das aber utopisch.»

Neuer OK-Präsident in diesem Jahr

Ebenfalls eine Neuheit ist der diesjährige OK-Präsident Max Keller. Der 63-jährige Geschäftsführer der Siaxma AG mit Sitz in Oensingen übernimmt das Amt von Vorgänger Hans Schnider. Dieser sei aus beruflichen Gründen nicht mehr in der Lage, das Amt gewissenhaft ausführen zu können. «Er ist aber weiterhin im OK vertreten», erzählt Keller. «Sein Wissen dürfen wir schliesslich nicht verlieren.»

Über Alternativ-Lösungen bezüglich des Standorts des Zibelimärets kann und will Keller momentan keine Auskunft geben: «Dafür steht noch zu viel in den Sternen.» Vorgängig müsse das Komitee die Möglichkeiten mit den Vereinen, dann mit den Gewerbe-Ausstellern und schliesslich mit den Marktfahrern abklären. Dabei werde die Gemeinde sowohl vom Kanton als auch von der Polizei gut unterstützt.

«Wir alle wollen den Fortbestand des Zibelimärets gewährleisten», sagt der OK-Präsident. Auch für Gemeindepräsident Fabian Gloor ist klar: «Der Zibelimäret muss um jeden Preis erhalten werden.»