«Die Migration ist wie der Regen, auch der kommt einfach.» Dieser passende Vergleich stammt vom Laupersdörfer Gemeindepräsident Edgar Kupper. Die Gemeindepräsidentenkonferenz Gäu lud auf die Neu-Bechburg, um über die Herausforderungen im Asylwesen zu diskutieren. Ein herrschaftlicher Ort für ein weiterhin emotionales Thema, wie sich an diesem Abend gezeigt hat. Gut 40 Interessierte folgten der Einladung an diesem Abend.

Globale Herausforderung

Ein grösseres Bild von Migration zu geben war die Aufgabe von Pietro Mona. Er, stellvertretender Chef Globalprogramm Migration und Entwicklung von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), zeigte die Schwierigkeiten in der globalen Migration auf. 250 Millionen Menschen seien heute als Migranten zu bezeichnen, davon seien 20 Millionen Flüchtlinge in der eigentlichen Wortbedeutung. Der Grossteil migriere aus anderen Gründen. Sei es etwa aus Perspektivlosigkeit, sei es aus Klimagründen.

Diese Menschen geniessen eigentlich keinen Anspruch auf Asyl, jedoch seien sie getrieben ihr Land zu verlassen. Die allermeisten Flüchtlinge, Mona spricht von 90 Prozent, sind in den Entwicklungsländern zu finden. Er zeigte auf, dass die Hilfe vor Ort die wichtigste Basis der Arbeit des DEZA sei.

Und er verwies auf eine unschöne Entwicklung: «Der Menschenschmuggel ist zu einem Big Business geworden, in dem Milliarden umgesetzt werden.» Der Libanon nimmt mit einer Landesbevölkerung von nicht einmal 5 Millionen über eine Million Flüchtlinge auf, die Schweiz gut 40 000. Die Flughöhe war gesetzt nach dem Input von Mona.

David Kummer vom kantonalen Amt für soziale Sicherheit lieferte im Anschluss die Faktenlage für den Kanton Solothurn. Im letzten Jahr waren es 1411 vom Bund zugewiesene Asylbewerber. Kummer sprach zudem von 3000 Asylbewerbern, die der Kanton in den letzten acht Jahren aufzunehmen hatte.

Dass diese Anzahl an Asylbewerberm aber den Kanton in der Unterbringung und der Integration vor gewisse Schwierigkeiten stellt, zeigte Kummer anhand des letzten Herbstes auf. Damals musste der Kanton in wenigen Wochen die Zahl der kantonalen Unterbringungsplätze stark erhöhen.

«Es geht doch, aber...»

Beat Künzli, SVP-Kantonsrat und Laupersdörfer Gemeinderat, spielte danach geschickt auf der Migrationsklaviatur. «Wollen die sich überhaupt integrieren?», so seine Frage an das Publikum. Er sprach von den Kosten der hohen Sozialhilfequote der Asylbewerber. Ein Punkt auf den auch Kummer einging und ihn als «beschämende Quote» bezeichnete. Doch was ist zu tun, damit die Gemeinden nicht von den Sozialkosten überflutet werden? Kummers Rezept: Integration. «Muslime integrieren sich nicht so einfach wie Juden oder Hindus», hielt Künzli indirekt dagegen.

«Es geht doch, aber...», so umriss Daniel Lederer, Gemeindepräsident von Oberbuchsiten seine Erfahrungen mit Asylbewerbern. Drei negative Punkte strich Lederer besonders hervor. Er sprach von vermehrten Velodiebstählen im Dorf, von Ängsten und von Herausforderungen an die Schule. Und das Positive? «Wir müssen dank dem Zentrum keine anderen Asylbewerber aufnehmen, und die Strassen sind immer sauber, dank dem Einsatz der Flüchtlinge.»

Besonders besonnen die Voten von Edgar Kupper. Er sprach sich für einfache und konstruktive Lösungen aus. «Wir müssen uns in der Integration noch mehr bemühen», zeigte er sich überzeugt.

Die Diskussionsrunde, geführt von OT-Chefredaktor Beat Nützi, zeigte das Interesse des Publikums. Etwas Polemik war dabei, doch die meisten Wortbegehren waren der Sache verpflichtet. Auch dass Ängste vorhanden sind, wurde deutlich. Wie lange denn die Vorlaufzeit sei, wenn auf der Welt etwas passiert, was Menschen dazu veranlassen könnte, in die Schweiz zu migrieren, wollte ein Zuschauer wissen.

«Das ist unglaublich schwierig», sagt Pietro Mona. Vor allem weil die Migrationsströme sehr flexibel reagieren. Insbesondere auch, weil gerade die Schlepper ganz genau wüssten, wie sie ihr Geschäft am besten aufrechterhalten können.

Auch David Kummer sprach davon, dass es für den Kanton sehr schwierig sei, genau zu planen. «Wir leben von der Hand in den Mund.» Da sei es auch klar, dass sich einige Gemeinde überfahren fühlen, wenn innerhalb von kurzer Zeit ein neues Durchgangszentrum installiert werden soll.