Thal
Die tausend Jahre alte Grenzmauer auf dem Probstenberg steht wieder

Am Trockenmauer-Festival auf dem Probstenberg wurde die fast fertig restaurierte Mauer gefeiert. Gut 100 Personen, davon rund 40 Mauer-Bauer sowie Familien mit Kindern, waren gekommen, um entweder selber an der Mauer mitzubauen oder sie zu besichtigen.

Marisa Cordeiro
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Trockenmauerbau
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Viele Freiwillige halfen, die alte Trockenmauer wieder herzurichten.
Musique Simili unterhielt die Besucher mit Zigeunermusik.

Trockenmauerbau

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Noch gut 50 Meter, dann haben sie ihr Ziel oben am Waldrand erreicht. Die Rede ist von den unzähligen Freiwilligen, die in den vergangenen sechs Jahren geholfen haben, die rund 500 Meter lange, historische Trockenmauer auf dem Probstenberg zu restaurieren.

Das Finale – wenn der voraussichtlich letzte Stein seinen Platz in der Mauer findet – wird zwar erst im Herbst erwartet. Trotzdem wurde die Mauer bereits am vergangenen Wochenende mit einem Festival gefeiert, das – unter dem Patronat der Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz (SUS) und unterstützt vom Naturpark Thal – durch den Hof Silberdistel organisiert wurde.

Bereits 2008 fand auf dem Probstenberg ein ähnliches Festival statt. Durch die SUS lanciert, bildete es den Auftakt zur Restauration der Trockenmauer, die danach zusammen mit dem Naturpark Thal als Projekt weitergeführt wurde. Im Rahmen der Umweltbildung nahm der Naturpark Thal das Projekt ins Angebot auf, das sich anfänglich primär an Schulen richtete und zum Ziel hatte, jungen Leuten die Wertschätzung für die Natur weiterzugeben.

Mittels Arbeitseinsätzen sollten sie das alte Handwerk des Trockenmauerbaus und die Bedeutung der Trockenmauer als Landschaftselement und Lebensraum kennenlernen. Später wurden die Arbeitseinsätze dann auch für andere Zielgruppen geöffnet.

So lockte die Trockenmauer auch am Wochenende Besucher jeden Alters auf den Probstenberg. Gut 100 Personen, davon rund 40 Mauer-Bauer sowie Familien mit Kindern, waren gekommen, um entweder selber an der Mauer mitzubauen oder sie einfach zu besichtigen. Manche hatten sogar Zelte aufgeschlagen, um in der prächtigen Landschaft zu übernachten.

Zuvor aber sassen die Besucher in geselliger Atmosphäre beisammen und genossen den schönen Abend in freier Natur mit Speis und Trank. Einen musikalischen Höhepunkt bildete das Ensemble Musique Simili, das die Besucher humorvoll mit europäischer Zigeunermusik bestens unterhielt. Derweil schlenderten andere im warmen Licht der Abendsonne der Mauer entlang und besichtigen das Bauwerk, an dem bisher schon so viele Leute mitgewirkt haben.

Kari Gerber, Mitinitiant der Restauration, und Matthias Jost blickten mit Genugtuung auf die Mauer. Als Bauleiter zeichneten die beiden für die Qualität der Mauer verantwortlich und unterstützten die Freiwilligen beim Arbeiten. Es sei eine Herausforderung, ohne Mörtel ein beständiges Bauwerk zu schaffen, das Generationen überdauern soll, sagte Gerber. «Dass jedermann mitwirken kann, ist aber auch gerade das Schöne daran.» Man dürfe nun auch sehen, dass unterschiedliche Leute mitgeholfen haben, jeweils rund eine Tonne alte und neue Steine pro Laufmeter Mauer zu verarbeiten.

Die Mauer wird aber nicht nur ein schönes Landschaftselement bleiben, sondern immer mehr auch zum Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen werden – bis innert 50 Jahren der Höhepunkt der Artenvielfalt erreicht wird.

Die nun fast fertig restaurierte Mauer bildet notabene eine historische Grenzlinie. Die ersten Mauerteile wurden nämlich vor über tausend Jahren gelegt. Ab dem Jahr 1040 trennte die Mauer die Herrschaft Falkenstein und das Fürstbistum Basel. Ab 1798 bildete sie sogar die Landesgrenze zwischen der Helvetischen Republik und dem französischen Département du Mont Terrible. Seit 1815 und bis heute steht die Mauer nun auf der Kantonsgrenze zwischen Solothurn und Bern.