Es nieselte an jenem etwas tristen Samstagmorgen. Die Sonne hielt sich hinter schweren Wolken versteckt, während ihre Namensvetterin mit den frechen roten Fensterläden der dunklen Wetterkulisse trotzte. Der Tag des Räumungsverkaufs war gekommen.

Bereits in den noch kühlen Morgenstunden kam der «Ausverkauf» des Landgasthofes Sonne in Gang. Die ersten Interessenten und Schaulustigen trudelten morgens um 9 Uhr ein. Darunter Matzendörfler, Nachbarsdörfler und Externe, die tatkräftig ausräumten – ganz nach dem Motto: Alles, was abmontiert werden kann, wird mitgenommen.

Ein symbolischer Anlass

Viele Sachen der «Sonne» fanden ein neues Zuhause: Der Jugendsozialarbeiter, Jonathan Bucher, kaufte gleich alle Gartenstühle zu einem «symbolischen Preis», um den geplanten Jugendraum auszustatten. Andere gaben sich mit Kaffeetassen, Heizungsknöpfen, Biergläsern, Lampen und kleinen Tischen zufrieden. «Alles Grosse ist ja bereits weg», meinte ein Besucher etwas enttäuscht und umschrieb damit passend die gähnende Leere im Speisesaal. Wo früher Vereine an den gedeckten Tischen getrunken, gegessen und gejuchzt hatten, fand sich nur noch ein einzelnes Möbelstück, das einem Geschirrschrank ähnelte.

«Wir haben vieles bereits im Voraus Grosskäufern zugesprochen», bestätigte Sandra Müller, Geschäftsführerin des Nachbargasthofs «Sternen», die gemeinsam mit ihrem Mann den Räumungsverkauf beaufsichtigte. So hatte auch das Kücheninventar mit der Cateringfirma «SanerCulinaria» aus Mümliswil einen dankbaren Abnehmer gefunden. Der Anlass sei eher symbolischer Art: «Wir wollen den Leuten die Möglichkeit geben, ein letztes Mal vorbeizuschauen», erklärte Marco Müller. Daher auch die Musikboxen, die verheissungsvoll in der Küche standen: «Am Nachmittag wird es noch ein kleines Fest für Jung und Alt geben», so Müller.

Abschied und Vorfreude

Die Tage der «Sonne» sind gezählt. In den nächsten Wochen soll der Landgasthof dem Boden gleichgemacht werden und so Platz schaffen für einen grösseren Coop-Laden mit mehr Parkplätzen. Die Besucher zeigten sich etwas traurig über den Abriss, da der Gasthof zum «Dorfbild» gehört habe und jahrelang das Stammlokal vieler Vereine gewesen sei. «Es ist ein Moment des Abschieds», die rührseligen Worte eines Besuchers. Doch er freue sich über die Erweiterung des Ladens. und sehe diese zentrale Einkaufsmöglichkeit als Bereicherung für das Dorf. «Das ganze Thal kommt bald nach Matzendorf, um in unserem Coop einzukaufen», fügte ein anderer begeistert an.