Oensingen

Die Sonne im Herzen hat die Kälte verdrängt

Graue Wolken trübten am internationalen Rollstuhlmarathon und Paracycling Strassenrennens in Oensingen den Himmel – aber nicht die Gemüter der Athleten.

Aus jeder Ecke des Areals des zwölften internationalen Rollstuhlmarathons und Paracycling Strassenrennens in Oensingen war eine andere Sprache zu hören. In der Tat lockte das Wettrennen Teilnehmer aus aller Welt nach Oensingen, wie zum Beispiel den japanischen Rollstuhlfahrer Kozo Kubo, der bereits zum zweiten Mal dabei ist. Er mache sich keine Sorgen wegen des Wetters. «Heute sollte es nicht mehr regnen», zeigt sich der Japaner mit einem breiten Grinsen positiv.

Von 40 auf 10 Grad

Sichtlich weniger gut gelaunt ist hingegen David Weir, Goldgewinner an den Paralympics in London. «Bitte kein Regen», sagt der britische Rollstuhlfahrer, der sich gleich wieder in einen meditativen und konzentrierten Zustand versetzt.

Auch die zwei Rollstuhlathleten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten scheint das Wetter nicht kalt zu lassen. Oder eben doch. «Wir sind uns eigentlich 40 Grad Celsius gewohnt», lacht Teammanager Abdulla Alkamali und reibt sich die Hände genauso wie seine Athleten. Die Schweiz sei nur eine der Europa-Etappen des Emirates-Teams. Sie wollen nun sehen, wo sie auf der internationalen Skala stehen. Zudem wollen sie Erfahrungswissen mitnehmen. Nicht nur in Bezug auf den Wettkampf an sich, sondern auch bezüglich der Organisation des Marathons. Diese sei hier vorbildlich.

«Der Event ist toll, abgesehen von der Kälte, können wir uns wirklich nicht beklagen. Bei uns in Italien ist das Wetter zurzeit ja auch nicht besser», meinen die norditalienischen Tandemfahrer Roberto Assandri (Pilot) und Emanuele Bersini (sehbehindert). «Siete pronti?» Die Antwort ist ihnen durch ihr Strahlen und Nicken aus dem Gesicht zu lesen.

Entspannte Stimmung

«Alle Olympia-Gewinner sind heute am Start», freut sich OK-Präsident Josef Ingold. «Und sie kommen nicht wegen des Siegergeldes – ein paar wenige 100 Franken», fährt er fort. Allgemein sei die Atmosphäre anders geprägt als bei einem Wettkampf von Nicht-Behinderten. Die Freude, sich mit anderen zu treffen und messen zu können, stehe hier im Zentrum.

Die entspannte und friedliche Stimmung rühmte auch Helferin Gaby Iff. Vor allem die Geduld und innere Ruhe wie auch die Zufriedenheit, welche die Teilnehmer ausstrahlen, seien wirklich beeindruckend. «Und kein einziges Gejammer war letztes Jahr beim langen Anstehen für das Mittagessen zu hören.»

Sie sei bereits das zweite Mal als Helferin dabei, und der Event hinterlasse bei ihr immer ein gutes und zufriedenes Gefühl. Sie ergänzt: «Der Event würde einigen sicher guttun.» Schade, sei die Werbung vor dem Event relativ gering gewesen.

Grössere Resonanz erwünscht

Eine grössere Resonanz wünscht sich auch der anwesende SP-Nationalrat Philipp Hadorn. Solche Events seien nicht nur für die Behindertensportler wichtig, sondern auch für die ganze Gesellschaft. Er selbst schätze vor allem den Austausch mit den Behinderten, welcher sonst im Alltag leider nicht häufig stattfinde.

OK-Präsident Ingold bedauert auch, dass die Behinderten-Sportanlässe in der Schweiz eher getrennt von jenen Nicht-Behinderter stattfinden. Vorbildlich seien da andere Länder, in welchen solche Wettrennen oftmals an Leichtathletik-Events von Nicht-Behinderten gekoppelt sind.

«Auch die Region profitiert von einem solchen Anlass», ist der anwesende SVP-Kantonsrat Albert Studer überzeugt. Er selbst empfinde Respekt für die Teilnehmer, die trotz ihres Handicaps nicht aufgeben. Solche Events «hinterlassen sicher eine tiefe Wirkung».

«Ein sehr exklusiver Anlass»

«Es ist sehr eindrücklich, was diese Leute trotz Behinderung alles leisten. Auch die Jungen unter ihnen», bemerkt der Zuschauer Robert Baumgartner aus Oensingen. Entlang der Rennstrecke warten nicht nur Bekannte und Freunde der Teilnehmer gespannt auf den Startschuss um 11 Uhr durch den Spitzenschwinger Matthias Sempach: «Ich finde es sehr eindrücklich und interessant. Für mich ist es eine Ehre, das Rennen zu eröffnen.»

Im Publikum ist auch die Familie Kunz aus Oberbuchsiten zu finden. «Es ist ein sehr exklusiver Sportanlass, den wir uns nicht entgehen lassen, wenn er schon mal in der Region durchgeführt wird», so der Familienvater.

Auch die Familie Müller aus Oensingen findet den Marathon «eine gute Sache». Und da er gleich vor der Haustüre stattfindet, nutze man die Gelegenheit aus. Es sei wirklich sehr interessant zuzuschauen. Sie staunen immer wieder über die Leistung der Teilnehmer. «Es ist schön zu sehen, wie sie das Beste aus ihrem Handicap machen.» Auch die Kinder finden den Event einfach nur «cool».

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