Ob die Fasnachtswagen überhaupt wieder durch Neuendorf rollen würden, stand vor einem Jahr noch auf der Kippe. Gestern war das Dorf – eingenommen durch den Gäuer Umzug – bunt wie eh und je.

«The show must go on», hatte Freddie Mercury 1991 mit der Band Queen gesungen und damit einen Welthit gelandet. Auch in Neuendorf geht die Show weiter und deshalb zierte eine Karikatur von Mercury die Fasnachtsplaketten. Nachdem sich der langjährige Fasnachtsrat (Fara) im letzten Frühling zurückgezogen hatte, war die Zukunft der Neuendorfer Fasnacht ungewiss gewesen. Somit stand auch die Durchführung des Gäuer Umzugs, der abwechslungsweise in Wolfwil und Neuendorf stattfindet, auf der Kippe.

Gäuer Fasnachtsumzug in Neuendorf 2019

Unter der Leitung von André Lötscher bildete sich im Sommer ein sechsköpfiger Fasnachtsrat-Vorstand. Der gestrige Gäuerumzug als Fasnachtshöhepunkt für das Fussvolk bewies, dass die Neuendorfer Fasnacht auch unter neuem Fara-Vorstand lebt und weiterhin ein Publikumsmagnet bleibt. Unter den 23 Gruppen wechselten sich politische Sujets mit leichteren Alltagsthemen ab.

«Subventionenfrässer» der Post

Auch bei der Neuendorfer Duube Guuge war das Motto «The Show must go on» Programm. Ein Mikrofon zierte den Stab der Guggenmusik-Mayorin, mit welchem sie den Takt angab. Dahinter dröhnte das «Tü-ta-to» des Postautos hervor. Bei der Sänf Duube Zunft war der Postauto-Skandal das grosse Thema. «Postauto Subventione & Rock Ikone», vereinte die einheimische Zunft als Motto. So dröhnte harter Rock aus den Lautsprechern des «Subventionenfrässers», wie das überdimensionierte Postauto benamst war. Auf den hohen Etagen des Wagens renkten sich die «Rock Ikonen».

Das Postauto brachte das Publikum an den Aarestrand Wolfwils, wo die Piraten mit ihrem Obernaaren eine Meuterei planen. Vom Wolfwiler Strand ging die Fasnachtsreise weiter nach Mexiko. «Viva la Vida», lautete das Programm der Narrenzunft Walliswil-Wangen. Sie zelebrierte nicht bloss die karibische Lebenslust. Eine politische Botschaft ist im Sujet auch dabei: An der Wagenspitze steckt Donald Trump, der eine Mauer zur Grenze nach Mexiko hin errichten möchte, bis zum Hals im Treibsand fest. Zwei Bartgeier machen sich über den US-Präsidenten her.

Wenn nicht in Sion, dann im Gäu

Bei «Chappurigines» und den Bränte Schnuderi, beide aus Kappel, brachen die Verbrecher aus. Doch dank dem Bränte-Kinderwagen kommt die Polizei gleich hinterher. An der Neuendorfer Fasnacht ist alles im Lot. Die «Grossen» der Bräntezunft feierten ihr 40-jähriges Bestehen und hatten sich dazu in Schale geworfen. Zum Geburtstag kriegte der Zuschauer keine Konfetti ins Gesicht, sondern rote Rosen. Einmal mehr herausragend kostümiert waren die Morphis aus Gunzgen. Aus «Nord Nord-West» kamen sie als hartgesottene Typen bis nach Neuendorf.

Die «Dirty Pingus & Young Gummibeers» aus Härkingen sagten sich; wenn das Wallis nicht will, dann wir: «Gäu 2026». In Härkingen lebt der Traum weiter, dass die Schweiz doch noch Olympische Winterspiele ausführen könnte. Auch am Start war die jamaikanische Bobmannschaft. Auf den Lautsprechern erinnerten die eingespielten SRF-Kommentatorenstimmen an die Doppelolympiasiege Simon Ammans.

Den Schluss machten die Hippies: Viel «Flower Power» kam aus Egerkingen, wo Chräiemueter Brige I. den Tross anführte. Sie ist der Beweis dafür, dass in Neuendorf die Show weitergeht.