7000 Kilometer
Die Reise seines Lebens: Zu Fuss von Wolfwil nach China

Der Wolfwiler Simon Niggli geht nach China – zu Fuss. Rund 7000 Kilometern liegen zwischen dem Dorf im Gäu und dem westchinesischen Kashgar an der Seidenstrasse.

Rahel Bühler
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In zwei Wochen starten Simon Niggli und sein österreichischer Kollege Christoph Obmascher das 7000 Kilometer lange Abenteuer. Hier in Wolfwil hat es seinen Anfang. Bruno Kissling

In zwei Wochen starten Simon Niggli und sein österreichischer Kollege Christoph Obmascher das 7000 Kilometer lange Abenteuer. Hier in Wolfwil hat es seinen Anfang. Bruno Kissling

In zwei Wochen geht sie los, die grosse Reise des Simon Niggli. Zusammen mit dem Österreicher Christoph Obmascher, den er vor fünf Jahren auf dem Jakobsweg kennen lernte, macht er sich am Sonntag, 18. Januar, auf den Weg nach China. Vor den beiden liegen ungefähr 7000 Kilometer Fussmarsch gen Osten.

Nach dem Absolvieren des Jakobsweges im Jahre 2009 war der Wunsch nach einem neuen Abenteuer erneut gross. Dieses Mal sollte es Richtung Asien gehen. Auch das Reisemittel war schnell klar, denn: «Zu Fuss gehen ist die schönste Art, Land und Leute kennen zu lernen», wie Simon Niggli sagt. «Man lernt dabei, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein.»

2100 Kilometer auf dem Jakobsweg

Die Reise nach China ist nicht die erste grosse Wanderung, die Simon Niggli absolviert. Am 1. Juni 2009 marschierte er los in Richtung Santiago de Compostela. Das Abenteuer begann auch damals in Wolfwil und führte Niggli über Solothurn, Lausanne und Genf nach Frankreich. Von dort gings weiter über das Zentralmassiv, die Pyrenäen bis in den Nordwesten Spaniens – alles auf dem Jakobsweg. Am 11. August 2009 kam der Solothurner in Santiago de Compostela an. Unterwegs lernte er den heute 46-jährigen Österreicher Christoph Obmascher kennen, der ihn auf seiner Reise nach China begleitet. (rb)

Je 15 Kilogramm Gepäck werden Simon Niggli und Christoph Obmascher auf ihrem Weg bei sich haben. Dazu gehören unter anderem Kleider, Schuhe, Esswaren, eine Kamera und ein Navigationsgerät. «Die Wege in Asien sind nicht so gut ausgeschildert, und es kann auch einmal querfeldein gehen», meint der Verkaufsleiter einer regionalen Handelsfirma. Übernachtet wird nicht im Zelt, sondern in günstigen Hotels oder Jugendherbergen. Auch «Couch-Surfing», also das Übernachten auf einem Sofa von Bekannten, komme infrage. Gegessen wird in den Unterkünften, in Restaurants oder unter freiem Himmel – je nachdem, wie es sich ergibt.

«Man weiss am Morgen nie, wo man am Abend zu Bett geht», sagt Simon Niggli voller Vorfreude. «Dafür muss man schon unkompliziert und mutig sein.» Je nach Wetter, Gelände und körperlicher Verfassung seien laut Niggli 30 Kilometer Fussmarsch pro Tag das Ziel. Weiterkommen nur um des Weiterkommens willen sei allerdings nicht die Idee. «Wir marschieren ohne Zwang und nur, solange es uns Spass macht.» Wenn alles planmässig verläuft, sollten die beiden Reiselustigen Mitte Oktober in Kashgar ankommen.

Lange Wanderungen für die grosse Reise habe er nicht gemacht, bemerkt Niggli, der in seiner Freizeit beim TV Wolfwil aktiv ist. «Erfahrungsgemäss werden die ersten Tage und Wochen recht beschwerlich. Danach gewöhnt sich der Körper an die Strapazen.» Vorbereiten musste er sich eher in linguistischer denn in sportlicher Hinsicht. Da mit Englisch und Französisch wahrscheinlich nicht weit zu kommen sei, lerne er nun fleissig Russisch. Während der Reise will Simon Niggli seine Sprachkenntnisse ausserdem um Türkisch erweitern.

In Kashgar ist die Reise der beiden Abenteurer noch nicht zu Ende. Nach dem Aufenthalt in der westchinesischen Stadt geht es mit Bus und Zug über Nepal, Indien, Myanmar, Thailand und Laos nach Vietnam. Auf einer Weltreise zog das südostasiatische Land Simon Niggli in seinen Bann. Seit 2000 hat er zwei Patenkinder von World Vision Schweiz, die er nun besuchen geht. Christoph Obmascher und Simon Niggli planen, ungefähr zur Zeit des chinesischen Neujahres, also Anfang Februar 2016, das definitive Ziel zu erreichen. Wie lange der Aufenthalt in Vietnam dauern wird, ist noch unklar. Von einer Woche bis hin zu einigen Monaten sei alles möglich. Die Reise zurück in die Schweiz erfolgt dann mit dem Zug. Während der ganzen Reise betreiben die beiden einen Reiseblog (thewalkofourlife.com), in welchem sie ein- bis zweimal pro Woche von ihren Erlebnissen berichten.

Simon Niggli hegt grosse Erwartungen an seine Reise in den Osten: «Ich freue mich auf die täglichen Erlebnisse, die kleinen, kostbaren Momente und die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Leuten.» Angst habe er keine, aber er sei «gut geimpft». Der gefährlichste Punkt sei wohl der Strassenverkehr. Das Sprichwort «andere Länder – andere Sitten» gilt auch hier. Zudem könnte die Kriminalität ein Thema werden. Deshalb sei er froh, dass er nicht alleine unterwegs ist. Zu der Motivation sagt er: «Es ist die Neugier, die uns antreibt.»