Balsthal

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wurde auch von Antonio P. heimgesucht

Antonio P. brach auch in den Anbau der Herz-Jesu-Kirche der Priesterbruderschaft St. Pius X. ein.

Antonio P. brach auch in den Anbau der Herz-Jesu-Kirche der Priesterbruderschaft St. Pius X. ein.

Vor Amtsgericht Thal-Gäu stand ein notorischer Einbrecher aus dem Gäu, der dieser Beschäftigung nebenberuflich seit 21 Jahren nachgeht. Zuletzt 2011 im Grossraum Oensingen, wo er in 39 Fällen vornehmlich gewerbliche Liegenschaften heimsuchte. Nun wurde er zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Der 49-jährige Mann aus dem Gäu, der diese Woche vor Amtsgericht Thal-Gäu stand, sei ein notorischer Einbrecher, der dieser Beschäftigung nebenberuflich seit nunmehr 21 Jahren immer wieder nachgeht, wie Staatsanwalt Marc Finger ausführte. Zur Verhandlung standen diesmal zwei Einbruchserien, welche Antonio P.* vom 24. Juni bis 19. September 2011 sowie vom 16. Oktober bis 28. Oktober 2011 im Grossraum Oensingen begangen hat.

Antonio P., der mit Jeans und schwarzer Jacke vor Gericht erschien, hatte es vor allem auf Gewerbebetriebe abgesehen, in die er zu nächtlicher Stunde einbrach, um nach Bargeld zu suchen. Dieses brauchte er, um Spielschulden zu bezahlen und seine Alkoholsucht zu finanzieren. Allerdings richtete der gelernte Automechaniker und Vater eines 5-jährigen Kindes mehr Schaden an, als er Geld erbeutete. Bei seinen insgesamt 39 Einbrüchen oder Einbruchsversuchen kam eine Beute von 21 812 Franken zusammen. Im Gegenzug verursachte Antonio P. Sachschäden von insgesamt 50 800 Franken, welche von mehreren Privatklägern eingefordert wurden.

Kurz nach Entlassung auf Diebestour

Als besonders dreist bezeichnete der Staatsanwalt gegenüber dem Amtsgericht, welches unter dem Vorsitz von Amtsgerichtspräsident Guido Walser, Amtsrichter Ernst Lanz sowie Suppleantin (Ersatzrichterin) Regina Füeg tagte, dass Antonio P. kurz nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft, wo er wegen der ersten Einbruchserie nur einen Tag einsass, zur zweiten Einbruchserie ansetzte. «Wir haben wir ihn damals so schnell entlassen, damit er seine Stelle nicht verliert», so Finger. Der zweiten Einbruchserie setzte schliesslich die Polizei am 29. Oktober mit der erneuten Verhaftung von Antonio P. ein Ende.

Staatsanwalt Finger sprach dem inzwischen arbeitslosen und bei seinen Eltern lebenden Angeklagten die Fähigkeit ab, wieder auf den rechten Weg zu kommen. Antonio P. sei nicht massnahmenfähig. Das habe er in der Vergangenheit mehrfach bewiesen.

Mehrere Therapien abgebrochen

Der vor Gericht aussagende Gutachter bestätigte Fingers Vorbehalte. Das forensische Gutachten habe gezeigt, dass die Schuldfähigkeit von Antonio P. wegen einer Persönlichkeitsstörung leicht eingeschränkt sei. Diese sei aber nicht ursächlich dafür, dass der Angeklagte in dieser Form immer wieder straffällig werde. Der Gutachter wies darauf hin, dass Antonio P. schon in verschiedensten Institutionen, wie etwa in der Entzugs- und Suchtfachklinik Südhang in Kirchlindach BE oder Casa Fidelio in Niederbuchsiten Therapien gemacht habe. Aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung habe er die Behandlungen aber immer wieder abgebrochen.

Gemäss Gutachter hat der an Polytoxikomanie leidende Angeklagte in der Vergangenheit aus eigener Initiative zu wenig unternommen, um etwas gegen seine Abhängigkeit von mehreren Medikamenten, Drogen oder Alkohol zu tun. Eine stationäre Massnahme mit verordneter Therapie sei zwar möglich aber langwierig. Vier bis fünf Jahre seien dafür mindestens zu veranschlagen. Infrage komme dafür vielleicht St. Johannsen, ein therapeutisches Zentrum für Straftäter mit psychischen Störungen in Le Landeron BE. An einen Erfolg glaube er indessen nicht, Antonio P. sei nicht fähig, dieses Programm durchzustehen, betonte der Gutachter auf Nachfrage. Ihm fehle vor allem die Motivation, die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung. Deshalb empfehle er, bei Antonio P. den normalen Strafvollzug anzuwenden. Dort könne er beweisen, dass es ihm erst sei, mit seiner Resozialisierung, indem er den psychiatrischen Dienst der Strafanstalt von sich aus aufsuche und nutze.

Geld für Lebensunterhalt gebraucht

Staatsanwalt Marc Finger sah sich in Bezug auf das Gutachten in seiner Haltung bestärkt und verlangte vom Gericht bei der Bemessung des Strafmasses eine entsprechende Würdigung der Sachlage. Für «Gewohnheitsverbrecher» Antonio P. forderte er wegen mehrfachen gewerbemässigen Diebstahls, mehrfachen teilweise versuchten Diebstahls sowie damit einhergehend mehrfacher Beschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruchs eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren, abzüglich der 106 Tage Untersuchungshaft. Der Tatbestand «gewerbemässig» sei gegeben, weil Antonio P. mit dem aus den Einbrüchen stammenden Geld einen wesentlichen Teil seiner Lebenshaltungskosten bestritten habe. Das Verschulden des Angeklagten wiege schwer, befand Finger. Strafmildernd sei lediglich seine leicht eingeschränkte Schuldfähigkeit und dass er nur in Liegenschaften eingebrochen sei, in denen sich keine Personen befanden. Wenn sich das einmal ändere, steige das Gefahrenpotenzial wesentlich.

Der amtliche Verteidiger von Antonio P., Rechtsanwalt und Notar Dominik Schnyder, Balsthal, warnte in seinem Plädoyer insbesondere vor dieser Gefahr, die von seinem Mandanten nach der Entlassung aus dem normalen Strafvollzug ausgehen könnte. Schnyder sprach sich dafür aus, Antonio P. eine letzte Chance zu gewähren. Die aus seiner Sicht angemessene Strafe von 40 Monaten sei zugunsten einer stationären Behandlung bedingt auszusprechen.

In allen Punkten schuldig

Das Gericht sprach Antonio P. nach eingehender Beratung in allen Anklagepunkten schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Von einer stationären Behandlung sah das Gericht ab, weil Antonio P. die notwendigen Voraussetzungen nicht erfülle. Er wurde zudem wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer Busse von 250 Franken verurteilt. Auferlegt wurden ihm ferner die Verfahrenskosten von 25 400 Franken sowie das Honorar für den amtlichen Verteidiger in der Höhe von 11 036 Franken. Zudem hat er für die Schadenersatzforderungen der Zivilkläger aufzukommen.

* Name von der Redaktion geändert

Meistgesehen

Artboard 1