Wangen
Die Pedalo-Vermietung in der Karibik muss weiter warten

Der Wangner Edi Baumgartner tritt am kommenden Montag als Bauverwalter ab - und gründet er ein Beratungsbüro. Denn ganz zur Ruhe setzen will sich der 66-Jährige noch nicht.

Karin Schmid
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Edi Baumgartner hat ab Dienstag mehr Zeit zum Harleyfahren – zum Beispiel mit Ehefrau Gabrielle im Monument Valley.

Edi Baumgartner hat ab Dienstag mehr Zeit zum Harleyfahren – zum Beispiel mit Ehefrau Gabrielle im Monument Valley.

Zur Verfügung gestellt

Per Ende Monat geht der Wangner Bauabteilungsleiter Edi Baumgartner in Pension – womit er, wenn man es genau nimmt, wieder so weit wäre wie vor vier Jahren. Nach 24 Jahren als Mitglied der Geschäftsleitung und Verantwortlicher für die Bereich Tiefbau und Raumplanung bei der Oltner Frey + Gnehm Ingenieure AG schied er dort Mitte 2010 mit 62 Jahren aufgrund einer schon länger bekannten Nachfolgeregelung altershalber aus.

«Ich stellte mir vor, dass ich danach auf Reisen gehe oder so etwas», erinnert sich Baumgartner. Als die Zeit dafür gekommen war, hatte der Geschiedene eine neue Partnerin gefunden. «Sie war (und ist, Anm.Red.) familiär und – als Coiffeuse mit eigenem Salon – beruflich in der Region Olten gebunden. Somit war für mich klar, dass meine Pläne, beispielsweise das Pedalo-Vermieten in der Karibik, ins Wasser fielen.»

Zur Bauverwalterstelle in Wangen sei er «wie die Jungfrau zum Kind» gekommen, sagt Baumgartner. Im Zuge der Nachfolgeregelung für den Mitte 2010 in Pension gehenden Max Zülli hatte der Gemeinderat Ende 2009 einen neuen Bauverwalter gewählt, der jedoch die Stelle nicht antrat. «Als ich aus Zufall bei einer Bauabnahme von der plötzlich frei werdenden Stelle erfuhr, bewarb ich mich dafür noch am selben Tag per Telefon beim Gemeindepräsidenten.

Kurz darauf reichte ich meine schriftliche Bewerbung ein und innert zwei Wochen wurde ich vom Gemeinderat gewählt. Das war genial», findet Baumgartner, der mit 62 Jahren ohnehin «weiterhin ein wenig beruflich tätig sein wollte, einerseits aus finanziellen Gründen und andererseits, weil mir das Arbeiten Spass machte».

Herzensprojekt Pfefferli-Haus

Der studierte Bauingenieur und Raumplaner war von 1973 bis 1976 und 1989 bis 2003 Mitglied des Gemeinderats, präsidierte während der ersten Amtszeit auch die Baukommission und gehörte von 1993 bis 2005 dem Kantonsrat an. Seit 2005 präsidiert Baumgartner die Bürgergemeinde und seit November 2013 auch den Zweckverband Abwasserregion Olten (ZAO).

«Die Stelle des Bauverwalters war für mich eine neue Herausforderung, die mir Spass machte», sagt er. «Ich kannte viele Projekte der Gemeinde schon, weil ich sie als Bauingenieur bei Frey + Gnehm betreut hatte, ich wohnte in Wangen und konnte gleich einsteigen.» Damit sei er gleich von Anfang an für vier Jahre eine Verpflichtung «in einer neuen, aber nicht unbekannten Funktion in einem bekannten Umfeld» eingegangen. «Es war für beide Seiten eine Win-win-Situation.»

Am 15. Juni 2010, an seinem 62. Geburtstag, trat Edi Baumgartner die Bauverwalterstelle an – und stürzte sich gleich in grosse, für die Zukunft der Gemeinde wichtige Projekte: die Realisierung der ERO, die Planung von Dorfzentrum und Zentrum Südwest, das Konzept «Frey-Park». Als «positives Erlebnis unter dem Strich» bezeichnet der abtretende Leiter Bauabteilung die Tatsache, dass «nach den ganzen Schwierigkeiten und all dem Hin und Her die ersten zwei Bauten im Dorfzentrum realisiert werden konnten».

Auch die Erstellung der ERO sei «sehr gut gelaufen». Auf gutem Weg ist das Projekt «Zentrum Südwest»; für diese Planungszone besteht ein gültiger Gestaltungsplan – und vor zwei Wochen wurde das erste Baugesuch eingereicht.

Ein Projekt, das Edi Baumgartner speziell am Herzen lag, war «eine sinnvolle Nutzung des alten Pfefferli-Hauses. Aus meiner Sicht durfte es nicht sein, dass das denkmalgeschützte Wohnhaus über Jahre hinweg leer steht.

Dafür habe ich mich mit meinem Beziehungsnetz engagiert». Für ihn ist es deshalb eine besondere Genugtuung, dass über vier Jahre bis 2017 eine «ideale Zwischennutzung» zwischen dem Kanton und der Spitex Untergäu gefunden werden konnte.

«Wenn verschiedene Akteure verschiedene Interessen verfolgen, ist es eine spannende Aufgabe des Bauverwalters, alles unter einen Hut zu bringen», fasst Baumgartner zusammen und fügt schelmisch schmunzelnd an: «Bei Erlebnissen mit bekannten, ständigen Nörglern hat mir das Alter und meine langjährige Berufserfahrung geholfen, darauf mit Gelassenheit zu begegnen.» Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung sei «sehr gut und konstruktiv» gewesen.

Beratungsbüro gegründet

Am Montag, 30. Juni, verabschiedet sich Edi Baumgartner «mit einem guten Gefühl» aus der Bauverwalterstelle. «Ich habe vier interessante, spannende Jahre erlebt, die mir Spass gemacht haben.»

Seit einigen Wochen ist er daran, eine Liste mit langwierigen Pendenzen wie beispielsweise Einsprachen gegen Abwassergebühren abzuarbeiten. Er will «mit der Überzeugung» abtreten, «dass der Wissenstransfer vom alten zum neuen Bauverwalter in den drei vergangenen Monaten geklappt hat». Baumgartners Nachfolger, Mirco Pittroff, hat das Amt des Leiters Bauabteilung in der Gemeinde Wangen am 1. April angetreten.

Edi Baumgartners Ziel der vergangenen vier Berufsjahre war es, die Bauverwaltung «in der gleichen Professionalität und Qualität wie Max Zülli weiterzuführen. Das ist mir meiner Meinung nach gelungen».

Ab Juli will Baumgartner – Überraschung – «in einem reduzierten Pensum weiterarbeiten. Ich freue mich darauf, mehr Freiraum zu haben, ohne mit dem Arbeiten ganz aufzuhören. Ich bin noch gesund und vital und finde, dass mein Wissen und Know-how noch weiter genutzt werden kann». Deshalb hat der 66-Jährige, der sich zum Geburtstag am 15. Juni eine neue Harley schenkte, das Büro Baumgartner Beratungen gegründet, verschiedene Gemeinden und Firmen in der Region Olten angeschrieben und «schon erfreuliche Reaktionen feststellen dürfen».

Und sollte Baumgartner doch einmal in die Situation der beruflichen Beschäftigungslosigkeit kommen – er hat durchaus Hobbys. So möchte der leidenschaftliche Harleyfahrer und «Gümmeler» (wieder) mit dem Tennisspielen beginnen und «den Sommer geniessen – das ist mein Ziel für 2014».

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