550 Millionen Franken Schäden würden zwischen Oensingen und Olten entstehen, würde sich ein Jahrhunderthochwasser an der Dünnern ereignen. «Alleine diese Tatsache legitimiert, dass man mögliche Hochwasserschutzmassnahmen prüft», sagt Projektleiter Roger Dürrenmatt. Es sei folglich zwingend nötig, die Dünnern zwischen Oensingen und Olten hochwassersicher zu gestalten und verhältnismässig zu revitalisieren. Die Frage bleibt nur, wie?

1   Wieso braucht es das Projekt?

In den letzten 80 Jahren blieben die Bezirke Gäu und Olten sowie einige Bezirke des Thals vor Hochwasserereignissen der Dünnern verschont. Trotzdem ist mit solchen nach wie vor zu rechnen, vor allem in Hinblick auf die klimatischen Veränderungen. Statistisch gesehen kommt im Thal alle 100 Jahre ein Starkregen vor. Dieser würde zu starkem Hochwasser führen, was Auswirkungen auf die gesamte Region Gäu bis hin nach Olten hätte.

Hochwasserschutz im Gäu

Hochwasserschutz im Gäu

2   Was geschah bisher?

Bereits 2009 erkannte das kantonale Amt für Umwelt das Problem und liess ein Hochwasserschutzkonzept erarbeiten, das gemäss Bundesgesetz zugleich auch Massnahmen zur Revitalisierung der Dünnern vorsieht. In Zusammenhang mit dem 6-Spur-Ausbau der A1 zwischen Luterbach und Härkingen liess der Kanton eine Vorstudie für den 7,6 Kilometer langen Dünnern-Abschnitt von Oensingen bis Oberbuchsiten ausarbeiten. Bei dieser Vorstudie wurde eine sogenannte Retentionsmassnahme vorgeschlagen. Hierbei würde im Hochwasserfall ein Teil des Wassers in einem Rückhaltebecken zwischengespeichert und so die Abflussspitze soweit gedämpft. Die Vorstudie lag Ende Februar 2017 vor, wurde aber weiträumig abgelehnt. Gegner waren unter anderem der Solothurner Bauernverband, der Landwirtschaftliche Verein Gäu-Untergäu, der Verein Gemeindepräsidentenkonferenz Gäu sowie diverse Gemeinde wie Kestenholz oder Oberbuchsiten. Die Rückmeldungen der Gegner forderten ergänzende Abklärungen und die Prüfung weiterer Lösungsansätze.

3   Wie sehen die Änderungen aus?

Am Donnerstag legte der Kanton revidierte Schutzkonzepte vor:

  • Die erste Variante nennt sich «Durchleiten» (Grafik: 1). Mittels Gewässerverbreiterungen und Ufererhöhungen soll die Abflusskapazität von Oensingen bis Olten vergrössert werden. «An dieser Variante wurde gegenüber 2017 nicht viel geändert», so Projektleiter Dürrenmatt. Auf einer Gesamtlänge von 13 Kilometern würde das Flussbett verbreitert. In Siedlungsgebieten müsste das Ufer mit Mauern oder Dämmen erhöht werden.
  • Die zweite Variante ist das «Rückhalten» (Grafik: 2a, 2b, 2c). Ein Rückhaltebecken soll den Hochwasserabfluss dämpfen. Bei grossen Hochwassern würde je nach Retentionsvariante eine Fläche von 15 bis 130 Hektaren gezielt überflutet. Über Zuleitungen gelange das Wasser ins Becken und nach Hochwasser unter der Autobahn hindurch wieder zurück in die Dünnern. «Bei dieser Variante wurde das Volumen reduziert und die zu überschwemmende Fläche verkleinert», so Dürrenmatt. «Im Gegensatz zu den früheren Varianten (Grafik: 2a, 2b) wurde der Abschlussdamm gegen Westen verschoben und befindet sich nun auf derselben Höhe wie der Wildtierkorridor, der mit dem 6-Spur-Ausbau der Autobahn entstehen würde», erklärt Dürrenmatt die Änderungen. Weiter wurde mit der Idee einer Dünnerngrube (Grafik: 2c) eine zusätzliche Retentionsvariante erarbeitet. «Diese sieht vor, eine Grube von 900 000 Kubikmeter auszuheben und anschliessend Hochwasserspitzen in diese Terrainabsenkung einzuleiten».
  • Bei der dritten Variante «Ableiten» (Grafik: 3a, 3b) würde ein Teil des Hochwassers mittels Stollen aus der Dünnern direkt in die Aare geführt. Im weiteren Gewässerverlauf wären dabei zur Sicherung des Hochwasserschutzes nur noch geringe bauliche Eingriffe erforderlich.

4   Wieso kein Oberlauf im Thal?

«Entsprechende Lösungen im Thal und oberhalb von Balsthal wurden geprüft», gibt Dürrenmatt zu verstehen. Die Vertiefungsstudie zeige aber, dass damit nicht der nötige Schutz für die Gemeinden ab Oensingen erreicht werden könne.

5   Wie sehen die Kosten aus?

Die vorliegende Auslegeordnung schätzt pro Variante einen Landbedarf von 25 bis 36 Hektaren sowie Investitionskosten von 81 bis 237 Millionen Franken. Diese werden zu 90 Prozent vom Kanton und zu weiteren 10 Prozent von den betroffenen Gemeinden getragen. Der Schlüssel für die Kosteneinteilung unter den Gemeinden ist noch zu entwickeln. Die anschliessenden Unterhaltskosten teilen sich Kanton und Gemeinden zu gleichen Anteilen.

6   Wie geht es weiter?

«Wir wissen noch lange nicht alles, viele Detailfragen bleiben offen», sagt der Projektleiter. Ein Projektteam erarbeitet nun aufgrund der vorliegenden Auslegeordnung eine Variantenempfehlung. Eine Begleitgruppe aus Interessenvertretern werde sich dann dazu äussern können. Anschliessend wird der Regierungsrat die vorliegende Planung zur Kenntnis nehmen und das zuständige Bau- und Justizdepartement mit einer Richtplananpassung beauftragen. «Damit sollen vorerst die raumplanerischen Weichen gestellt werden», sagt Dürrenmatt.