Noch weiss Beat von Felten nicht, wie viele Besucher er am kommenden Donnerstag auf seinem Hof begrüssen wird. Auf seinem Landwirtschaftsbetrieb findet mit den 7. Schweizer Milchviehtagen eine Fachtagung für Milchbauern ihren Platz. Mit demselben Programm ist die Tagung an zwei weiteren Daten im Thurgau und im Kanton Fribourg präsent.

Durchgeführt wird die Tagung von Melior, einem Schweizer Futtermittelproduzenten. Beat von Felten wurde für die Durchführung der Tagung auf seinem Hof angefragt. Neben der Fütterung und dem Betrieb eines Melkroboters «war sicher die zentrale Lage unseres Hofs ein ausschlaggebendes Kriterium», so von Felten, der seit vielen Jahren in Kestenholz Milch produziert.

Seit dem Jahr 1998 befindet sich sein Hof mit den rund 100 Kühen etwas ausserhalb des Dorfkerns. «Seit wir umgezogen sind, produzieren wir praktisch nur noch Milch», so von Felten. Für die Aufzucht der Kälber arbeitet er mit Partnerbetrieben zusammen. Sein Vater arbeitet nach wie vor auf dem Hof, daneben beschäftigen sie zwei Lehrlinge. Von Feltens Frau hilft mit einem Direktverkauf im Dorf, mit dem Haushalt und den Finanzen.

Langlebigkeit im Zentrum

Das Programm der Milchviehtage legt den Schwerpunkt auf die Gesundheit und Langlebigkeit der Kühe. «Die Leistung nimmt schnell ab, wenn beispielsweise die Klauen nicht gesund sind», erklärt von Felten, «gerade bei Betrieben mit Melkrobotern, weil ein lahmendes Tier nicht mehr zum Melken geht.» Daneben sind auch die Kosten ein Punkt. «Eine Kuh kostet mich ungefähr 3000 Franken, bis sie zum ersten Mal kalbert und Milch gibt», stellt er fest.

Deshalb sei es wichtig, dass die Kühe dem Betrieb auch eine Weile erhalten bleiben. Das Ziel sei eine Lebensleistung von mindestens etwa 30 000 Kilo Milch. Etwas anschaulicher formuliert, entspricht das drei Kälbern und somit drei Jahren. Die Kuh zählt dann bereits fünf Jahre. «Eine jüngere Herde ist allgemein vitaler. Aber es ist natürlich toll, wenn uns die Tiere lange erhalten bleiben.» Die Ältesten in seiner Herde zählen zehn bis zwölf Jahre.

Aus den Erklärungen des Landwirts geht hervor, wie komplex die Milchproduktion mittlerweile geworden ist. Beispielsweise wird das Futter genau auf die Leistung der Kühe abgestimmt. Dabei hilft auch die Futtermittellieferantin. «Jeden Monat werten wir die Menge und die Qualität der Milch jeder Kuh aus. Zusammen mit dem Futterproduzent schauen wir, wo es mit dem Futter allenfalls noch weiteres Optimierungspotenzial gibt», so von Felten.

Präsent sein werden auf der Tagung auch ein deutscher Futterproduzent sowie die in der Zucht führende Firma Swissgenetics. Letztere wird den Einfluss der Zucht, hauptsächlich bezüglich Euter und Klauen, verdeutlichen. Auch hier steckt mehr dahinter, als der Laie annehmen mag: Von Felten zeigt den Katalog, in dem die Stiere mit ihren Eigenschaften aufgelistet sind. Er deutet auf das Symbol, das besonders melkrobotertaugliches Erbgut bezeichnet – «schliesslich ist nicht jede Euterform für den Melkroboter geeignet, und solche Eigenschaften werden vom Erbgut des Vaters auf die Nachkommen übertragen.»

Daneben wird auch der Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP), Hanspeter Kern — oder allenfalls Kurt Nüesch aus demselben Hause — über die aktuelle Situation im Milchsektor referieren. Weil die Tagung erstmals nicht in einem Schulungsgebäude, sondern auf Höfen stattfindet, soll auch der praktische Teil nicht zu kurz kommen. An von Feltens Kühen demonstriert ein Fachmann die richtige Klauenpflege, und eine auf landwirtschaftliche Maschinen spezialisierte Firma geht auf maschinelle Ernte und Mischen genauer ein.