Balsthal
Die Magie der stillen Symbolik in der Rössli Galerie

Mit neuen Arbeiten und zum vierten Mal ist Adelheid Hanselmann in der Rössli Galerie Balsthal zu erleben. Der Künstler wird am 23. Juni und am 1. Juli in der Rössli Galerie vor Ort sein.

Eva Buhrfeid
Merken
Drucken
Teilen
«Seerosenteich» – fein gestickt.

«Seerosenteich» – fein gestickt.

Eva Buhrfeind

Wie bereits in der Ausstellung «Tag X im Leben der Maria Ludovika von Roll» im Schlösschen Vorder-Bleichenberg im vergangenen Jahr zeigt sich die seit zwei Jahren im Domleschg lebende Künstlerin als eine aufmerksame Beobachterin ihrer Lebensorte und -welten. Mit Bedacht und Fantasie verknüpft, stickt und inszeniert Adelheid Hanselmann in neuen Arbeiten ihre Wahrnehmungen und ihre Beziehungen zum Ursprung der Natur.

Bis 1. Juli

Geöffnet Do/Fr 18–21 Uhr, Sa 15–18 Uhr, So 11–14 Uhr. Die Künstlerin ist am 23.6. und 1.7. anwesend.

Vertraut ist das Feinstimmige und die Magie in diesen poetischen Wandarbeiten mit den vielschichtigen Bildformeln und -ebenen aus zeichnerisch gestickten, zeichenhaften und Naturelementen: Lavendel aus dem eigenen Garten, Schafschur, Tierknöchelchen, eigene Haare, Federn, Holz, auch pergamentartige tierische Darmhaut. Es sind Fundstücke und Fragmente der örtlich schlachtenden Bauern, auch Beigaben – Relikten gleich – , die sie zu neuen Geschichten zusammenführt.

Textiles im Fokus

Stets hat die Künstlerin, die viele Jahre in Olten lebte und wirkte, das textile Gestalten im kreativen Fokus, wenn sie die Tüll-Objekte zu schalartigen Möbiusschleifen in den Ausstellungsraum einbindet. Vieles scheint wie zufällig entstanden, frei gewachsen und arrangiert, und ist doch bewusst und konzentriert zu zart gesponnenen Poesien zusammengefügt. Fein in den Farben, verspielt oder versponnen, dann wieder sinnbildhaft oder sinnlich in den zeichenhaften Liniengeflechten, erzählt Hanselmann von Augenblicken «Nahe der Natur» bis hin zum künstlerischen Zitat des «Seerosenteichs» oder zum märchenhaften «Sonnenfalter».

Eine andere Geschichte und doch verknüpft mit den textilen Zeichnungen sind die feingliedrigen Pinselzeichnungen mit Rötel, Graphit und Kohle. Während die Künstlerin die Wandarbeiten im ersten Raum durchaus als Zeichnen im Raum mit Nadel und Faden erklärt, so vertieft sich ihre Neugier und Freude am Zeichnen in diesen kleinen Bildgeschichten auf Papier zu anekdotischen Skizzen des Erlebten.

Mit einer Gesso-Grundierung gibt sie das erzählerische Format vor – mehrheitlich auf geometrischen Grundformen basierend –, in das sie jene alltäglichen Impressionen oder Stimmungen skizziert. Diese ziehen sich – auf der Grenze zwischen Erkennen und Sich-Entziehen – wie ein roter Bildfaden durch diese Arbeiten. Insbesondere in den Zeichnungen auf pergamentartiger Darmhaut verknüpft sie diese Welt der Bildzitate zu kleinen wie suchbildartigen Illustrationen – losgelöst wie gleichzeitig behaftet in ihrer Bündner Heimat.

Die Gänsehaut

Eine märchenhaft-allegorische Vertiefung bildet die «Gänsehaut» im Gewölbekeller. Akkurat der Natur nach geordnete Gänsefedern schmücken einen roten textilen Vogelkörper, der auf einem Spiegel ruht. Ein seltsam lyrisch anmutendes, in sich ruhendes Gleichnis der Melancholie, der Schönheit und der Verletzlichkeit der Natur.

Bis 1. Juli. Geöffnet Do/Fr 18–21 Uhr, Sa 15–18 Uhr, So 11–14 Uhr. Die Künstlerin ist am 23. 6. und 1. 7. anwesend.