«Wer will denn schon so etwas kaufen?», fragt Martha Meier ganz erstaunt. «Die sind doch für überhaupt nichts zu gebrauchen.» Gemeint sind Panzersperren, jene Reihen von Betonblöcken, die aufgrund ihrer Form auch «Tobleronen» genannt werden. Die Armee liess diese Geländehindernisse in der Zeit des Zweiten Weltkriegs an strategisch wichtigen Stellen bauen, um allfällige Panzerangriffe abwehren zu können.

Weil längst nutzlos geworden, kann man sie dem Verteidigungsdepartement abkaufen, 250 bis 300 soll es davon in der Schweiz noch geben. Das Interesse ist offenbar da, wie diese Zeitung jüngst berichtete: In der Landwirtschaft wegen des umliegenden Wieslands und beim Naturschutz wegen Brut- und Nistplätzen. Militärhistoriker oder Gemeinden möchten sie als Zeitzeugen bewahren.

Es «gruuset»

Am südlichen Dorfeingang von Mümliswil ist der Rest einer solchen Sperre auszumachen. Von Moos und Flechten überwachsen, stehen vier Blöcke am Rand einer Weide, in der eine Ponyfamilie herumstreift. Das Grundstück hat Martha Meier gerade kürzlich ihrem Sohn überschrieben, wie sie berichtet. «Er wird sie wohl stehen lassen, sie stören ja im Moment nicht. Sie wegmachen lassen ist nämlich aufwendig und teuer.» Und kaufen müsste man die Blöcke sowieso nicht, denn die Armee habe die Sperre seinerzeit auf dem Land ihres Vaters erstellt.

Gemischte Gefühle habe sie, wenn sie daran denke, was sie mit dieser Panzersperre in ihrer Kindheit erlebt hat, erzählt Martha Meier. «Natürlich sind wir darauf herumgeklettert und von einem Block zum anderen gesprungen. Das war ja noch lustig.» Was sie aber gar nicht gerne gehabt und ihr sogar Angst gemacht habe, sei der Stacheldraht zwischen und neben den Blöcken. «Einmal hat sich ein Büsi darin verfangen und ist zugrunde gegangen.» Ein anderes Mal habe sie einen zünftigen Schrecken bekommen: «Ich kam von der Schule heim und sah am Stacheldraht eine Schlange hängen. Es wurde erzählt, jemand habe die Schlange aus dem Mümliswilerbach gefischt und dann auf den Stacheldrahtzaun geworfen.» Niemand habe sich getraut, das verendete Tier von dort wegzunehmen. Es «gruuset» Martha Meier auch heute noch, wenn sie daran denkt.

Eine zähe Arbeit

Der grössere Teil dieser einreihigen Panzersperre stand auf einer Parzelle, die Urs Brunner für den Bau eines Autogaragenbetriebs gekauft hatte. Weil die Zufahrt zu schmal gewesen wäre, liess Brunner schon mal einen einzelnen Block entfernen, nachdem er die Bewilligung vonseiten der Armee eingeholt hatte. Im Jahr 1999 liess er dann auch die weiteren Blöcke auf eigene Rechnung abbauen, damit er den Platz für sein Geschäft nutzen konnte. «Das war eine zähe Angelegenheit. Etwa drei Tage hat man dafür gebraucht», erzählt Brunner.

Den militärischen Einfluss war Urs Brunner aber dennoch nicht los. Denn sein Grundstück lag im Wirkungsbereich eines Schiessbunkers, der in einem Felsen auf der gegenüberliegenden Strassenseite eingebaut ist. Die Leute der Festungswacht machten Brunner klar, dass sein geplantes Gebäude im Schiesswinkel des Bunkers zu stehen komme. «Im Ernstfall hätte man einen Teil des Hauses weggeschossen», sagt Brunner. Er musste ein Abkommen unterzeichnen, dass er damit einverstanden wäre.

Die letzten vier Betonblöcke der Sperre fallen kaum mehr auf, man hat sie sich selber beziehungsweise der Natur überlassen. Jene unter den Bäumen sind mit einer dicken Moosschicht überzogen, jene, die mehr Licht bekommen, mit Flechten. In den Zwischenräumen liegt Stacheldraht. Ob er noch aus Armeebeständen stammt, ist nicht ersichtlich.

Die Ponys in der Weide lassen sich davon nicht beeindrucken, sie betreten diese engen Stellen schon gar nicht.