Oensingen

Die Lanz AG sorgt für Ordnung im Kabelwirrwarr

Geschäftsführer Patrick Friker (l.) und Robin Martin, Leiter Produktion, führen durch das 100 Jahre alte Unternehmen Lanz Oensingen AG.

Geschäftsführer Patrick Friker (l.) und Robin Martin, Leiter Produktion, führen durch das 100 Jahre alte Unternehmen Lanz Oensingen AG.

Vor 100 Jahren wurde die Lanz AG gegründet. Das sich vollständig im Familienbesitz befindende Unternehmen hat sich als Zulieferer der Bauindustrie im Markt eine starke Position aufgebaut.

Auf der A1 nehmen Autofahrer bei der Aus- und Einfahrt Oensingen wohl täglich den prominent angebrachten roten Firmenschriftzug wahr: Lanz Oensingen AG. Deren Produkte werden praktisch in jedem grösseren Industrie- und Wohngebäude der Schweiz eingesetzt.

Trotzdem ist das vor 100 Jahren gegründete Familienunternehmen in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. An den Decken in Industriebauten sind sie sichtbar, die von der Lanz AG produzierten Kabelführungssysteme. In den aufgehängten Bahnen und Kanälen finden die jeweils unzähligen Kabelleitungen geordnet und übersichtlich Platz.

«Wir sind in der Schweiz der einzige Hersteller von solchen Kabelführungssystemen», erklärt Geschäftsführer Patrick Friker. Es gebe keine exakten Marktstudien, deshalb will er auch nicht das Wort Marktführerschaft in den Mund nehmen. «Aber wir gehen davon aus, dass wir im Bereich Kabelbahnen einen hohen Marktanteil in der Schweiz haben.»

So finden sich Kabelführungen der Marke Lanz beispielsweise in vielen Spitälern, in Industriefirmen wie CSL Behring in Lengnau oder Biogen in Luterbach, in grossen Wohnüberbauungen in der gesamten Schweiz sowie in Strassen- und Bahntunnels wie etwa im Gotthard.

Hochautomatisierte Produktion

Grosse Fertigungsanlagen dominieren in der lärmigen Produktionshalle. Stanzanlagen, Schweissroboter und vollautomatische Abkantanlagen sind an der Arbeit. Das in Rollen angelieferte, verzinkte und rostfreie Rohmaterial wird gestanzt, auf die Länge zugeschnitten, abgekantet und auf Paletten gestapelt. «Unsere Produktion ist hoch automatisiert», erläutert Robin Martin, Produktionsleiter und Geschäftsleitungsmitglied.

Zweites Standbein ist die Fertigung von Stromschienen, welche der Weiterleitung des Stromes dienen. Während das Kabel den Stromtransport im Haushalt erledigt, kommen die komplexen Stromschienen in Industriegebäuden mit hohem Energiebedarf zum Einsatz. «Unsere Stromschienen sind in der Lage, Energie mit einer elektrischen Stromstärke von bis zu 6000 Ampere beispielsweise vom Trafo zur Hauptverteilung im Gebäude zu leiten», sagt Martin.

Zum Vergleich: Eine normale Hausleitung transportiert Strom mit einer Stärke von 40 Ampere. Im Gegensatz zu den Kabelführungen fertigt die Lanz AG die Stromschienen nur projektbezogen auf Bestellung. Es gibt kein Lager. Deshalb auch sei in diesem Bereich die Automation nicht so ausgeprägt wie bei den Kabelbahnen.

Die Lanz Oensingen AG ist ein typischer Zulieferer der Bauindustrie. «Unsere Kunden sind Elektro-Installateure und im Bereich der Kabelführungen auch auf die Baubranche spezialisierte Grossisten», erklärt Friker. Angesichts des Baubooms in den vergangenen Jahren sei deshalb der Geschäftsverlauf erfreulich. Umsatz- und Ertragszahlen gibt das Unternehmen zwar nicht bekannt.

Aber Friker verrät, dass für das laufende Jahr ein deutliches Umsatzplus budgetiert ist. Die Abhängigkeit von der Baukonjunktur bestreitet er nicht: «Wenn der Bau hustet, spüren wir das.» Ein gewisser Ausgleich ergebe sich mit dem Einsatz der Produkte bei Umbauten und Sanierungen bestehender Gebäude.

Automatisierung schreitet voran

Obwohl kaum im Export tätig, habe der starke Franken den Preisdruck im Inland erhöht. Denn vermehrt würden Produzenten aus Osteuropa mit günstigeren Produkten auf den hiesigen Markt drängen. «Unsere Antwort darauf heisst Automatisierung in der Fertigung», so Friker. In den vergangenen Jahren habe man mehrere Millionen Franken in die Roboterfertigung investiert, um die Kosten zu senken.

Bislang sei es jedoch gelungen, die Zahl der Arbeitsplätze dank dem erhöhten Produktionsvolumen mindestens zu halten. Derzeit sind bei der Lanz Oensingen AG 85 Mitarbeitende tätig. Es sei ein Fakt, dass der Druck zur weiteren Automatisation weitergehen werde.

Nur so sei es möglich, am Standort Oensingen festzuhalten, was auch das erklärte Ziel der Unternehmung sei. Mit der Produktion vor Ort für den Schweizer Markt seien auch Vorteile verbunden. «Wir können so die versprochene Qualität halten und sehr rasch auf Kundenbedürfnisse reagieren», sagt Friker.

Beispielsweise sei man in der Lage, sofort Nachlieferungen zu tätigen, was mit einem Produktionsstandort im Ausland deutlich schwieriger wäre. «Es gibt also keine Pläne für eine Verlagerung.»

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