Zwischen Laupersdorf und Balsthal auf 670 Metern über Meer liegt an der Südflanke der zweiten Jurakette der idyllische Weiler Höngen. Seit 300 Jahren steht die sehenswerte St.-Jakobs-Kapelle inmitten des Weilers.

Es ist nicht die erste Kapelle in dieser Gegend – doch davon später. Am kommenden Sonntag, 26. Juli, wird Jubiläum mit einem Festgottesdienst gefeiert.

Vom Berghof in den Weiler

«Am 12. März 1714 bewilligte die Regierung in Solothurn die Verlegung der Kapelle in den Weiler Höngen. Vorher stand diese, wahrscheinlich im 12. Jahrhundert errichtet, beim Berghof Finigen hoch nördlich über dem Weiler», berichtet der Hönger Lokal-Historiker Johann Brunner (83). Papst Coelestin III. stellte am 14. März 1194 im Lateran zu Rom einen Schutzbrief für das Kloster Beinwil aus, worin dessen Güter in den verschiedenen Orten bestätigt wurden. Darin findet sich auch der Name des Weilers «Huoingen», des heutigen Höngen, das politisch seit 1879 zu Laupersdorf gehört.

Gauner und Hexe

1921 notierte Pfarrer Wilhelm Schenker, Pfarrer in Laupersdorf, in Bezug auf den Schutzbrief von 1194: «Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, um diese Zeit sei auch die Kapelle entstanden. Nur um Land zu erwerben sind die Beinwiler Herren nicht über den Berg gekommen, sondern es lag ihnen vor allem daran, das religiöse Leben zu fördern.» Neben der Kapelle, dem Apostel Jakobus dem Älteren geweiht, stand in Finigen ein Bruderhaus und der Bruder war verpflichtet, jeweils zur Gebetszeit morgens und abends mit dem Glöcklein der Kapelle zu läuten.

Im 15. Jahrhundert findet die Kapelle oft in den Urkunden Erwähnung. 1480 soll ein Gauner namens Hans Kiener den Opferstock der Kapelle aufgebrochen und danach die verdiente Strafe erhalten haben. Eine als Hexe verschriene Margarethe aus dem Kien wird 1490 dem Landvogt auf Falkenstein vorgeführt und der Prozess gemacht. Sie soll bei der St.-Jakobs-Kapelle in Finigen eine Zusammenkunft mit dem Bösen gehabt haben.

Standort wurde kritisch

Neben dem Bruderhaus tritt aus einer kräftigen, nie versiegenden Quelle Wasser in vorzüglicher Qualität heraus. Damals war die Quelle nicht gefasst und das Wasser nahm über den Hügel gegen das «Bächenhölzli» seinen Lauf. Bei Regenwetter hat es sich auch noch andere Wege gesucht und manchmal den Kapellenplatz in einen Weiher verwandelt. So wurde der Standort für die Kapelle zunehmend kritisch und sie war auch baufällig. Nach den Stürmen der Reformation, denen auch die Ausstattung der Kapelle zum Opfer fiel, berichten die Chroniken oft vom schlechten Zustand der Kapelle.

1544 wurde das Bruderhaus neu eingedeckt, aber schon 1567 stand die Wohnung leer und das Land war verwahrlost. Da nahm sich Pfarrer Murer aus Balsthal des Kirchleins sowie des verlassenen Bruderhauses an. Er liess dieses auf seine Kosten neu aufmauern und richtete es wohnlich ein. Er bestimmte, das Bruderhaus sei jeweils Verwandten zu übergeben, damit es nicht wieder «zu nüte und Abgang käme». Sollte kein Verwandter dort wohnen wollen, möge die Behörde das Haus einem armen Manne übergeben, damit er die «Betzeit» und über das Wetter läute.

Der Landvogt schreitet ein

Auf die Mahnungen der Hönger hin, die um die Erhaltung der Kapelle besorgt waren, schickte die Regierung am 28. Februar 1714 den Landvogt Josef Viktor von Roll nach Höngen zu einem Augenschein. Dessen Bericht schildert die ungünstige Lage und den schlechten Zustand der Kapelle und schliesst mit der Bitte, die Kapelle an einen günstigeren Ort zu verlegen. Die Regierung willigte ein, die Kapelle wurde in den Weiler Höngen versetzt.

Wohl auch um diese Zeit wurde der neue, aus Holz geschnitzte Altar in die Kapelle eingebaut. Er bildet seit der Renovation durch den Kirchenmaler Stöckli aus Stans im Jahre 1915 einen herrlichen Schmuck. Der hochbarocke Altar im Stil Ludwig XIV. zeigt einen portalartigen Aufbau mit Säulen, verkröpftem Gebälk und einer halbrunden Muschelnische. Darin steht das Bildwerk der Muttergottes mit dem Kind, darüber der Apostel St. Jakobus als Pilger mit Buch und Wanderstab. Auf den Sockeln der Aussenseiten stehen die Apostel Petrus und Paulus. Da über die Stifter des Altars keine Angaben vorliegen, wurde das Wappen des Landvogts Josef Viktor von Roll angebracht in Anerkennung für seinen Einsatz zur Erhaltung der Kapelle.

Heute sorgt der Kultusverein Höngen für den Unterhalt (siehe separate Textbox). Das kleine Gotteshaus ist beliebt und in die Gottesdienstordnung des Pastoralraums Dünnernthal integriert. Es finden regelmässig Andachten und Gottesdienste statt.

Festgottesdienst Sonntag, 26. Juli, 10 Uhr in der St.-Jakobs-Kapelle in Höngen. Anschliessend Apéro und Risotto-Essen, gestiftet vom Kultusverein Höngen.