Coronavirus
Die Kirchgemeinden im Thal und Gäu bringen dieses Jahr Weihnachten zu den Menschen statt umgekehrt

Weil an Heiligabend Familiengottesdienste nicht wie üblich oder gar nicht stattfinden können, haben sich einige Kirchgemeinden im Thal und im Gäu überlegt, wie sie Weihnachten zu den Menschen bringen können.

Gülpinar Günes
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 Der Krippenaufbau in Oberbuchsiten läuft am Dienstag auf Hochtouren.
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 Es stehen aber noch nicht alle Figuren an ihren Plätzen.
 Für den Gottesdienst am Donnerstag muss auch alles sauber geputzt sein.

Der Krippenaufbau in Oberbuchsiten läuft am Dienstag auf Hochtouren.

Bruno Kissling

«Wie schön war es doch noch letztes Jahr», werden sich wohl einige denken. Weihnachten ohne Unsicherheiten, ohne Einschränkungen – ohne Corona. Dieses Jahr ist selbst der Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes beschränkt auf 30 Personen. Wer ihn besuchen will, muss sich im Vorfeld anmelden.

In Gemeinden, wo die Kirche über 1'000 Personen fasst, müssen nicht wenige darauf verzichten und Alternativen suchen. Familiengottesdienste fallen teilweise alternativlos aus. Weil das nicht im Einklang mit der weihnachtlichen Botschaft sei, haben sich einige Kirchgemeinden im Thal und im Gäu etwas Spezielles ausgedacht.

Balsthal beispielsweise bringt Weihnachten direkt vor die Haustüre. Wie Seelsorger des Pastoralraums St. Wolfgang im Thal, Heinz Bader, auf Anfrage mitteilt, habe er sich schon lange vor Weihnachten überlegt, was sich als Alternative eignen würde. «Ich habe mir gesagt: Wenn kein Gottesdienst stattfinden kann, dann gehen wir persönlich zu den Leuten.» So wie damals, als Jesus zu den Menschen gekommen sei. Gemeinsam mit der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Thal hat die Pfarrei beschlossen, die Weihnachtsbotschaft an Heiligabend persönlich ab 16.30 Uhr in den Quartieren der Gemeinde zu verkünden.

Pfarrer Jürg von Niederhäusern und Heinz Bader ziehen dabei in zwei Gruppen mit je fünf Mitgliedern der Jugendformation Young Harmonists von Quartier zu Quartier und halten eine kurze Andacht, unterlegt mit weihnachtlichen Liedern der Jugendmusikanten.

Neue Möglichkeiten für Senioren und Familien

«Wir haben keine Alternative, wenn es regnen sollte», sagt Heinz Bader und muss etwas schmunzeln. Im schlimmsten Fall werden er und Pfarrer Jürg von Niederhäusern allein durch die Quartiere ziehen. «Ich will es um jeden Preis durchführen», sagt Bader. Eine der ersten Stationen ist das Altersheim Inseli, wo er als Seelsorger tätig ist. Auch die Seniorinnen und Senioren mussten auf die traditionelle Weihnachtsfeier im Heim verzichten. Nun können sie immerhin, so Bader, aus den Fenstern und den Balkonen zuhören.

Eine Alternative zum traditionellen katholischen Familiengottesdienst gibt es auch in Mümliswil. Vom 24. bis 27. Dezember können Familien die Weihnachtsgeschichte in der Kirche erleben. Und zwar werden dort verschiedene Stationen aufgestellt, wo Kinder etwas basteln und es dem Christkind schenken können. «Der Fokus ist hier ganz klar auf Familien mit Kindern», sagt Bader. Aber auch dieses Jahr gäbe es die Möglichkeit, das Friedenslicht abzuholen.

Gelegenheit für ein Alternativprogramm

Im Gäu hat sich die Pfarrei Niederbuchsiten etwas Neues einfallen lassen: Vom 24. bis 30. Dezember führt ein «Stationenweg» zur Kirche im Dorf. Vom Dorfplatz via Ringweg, Ziegelfeld über Berggäustrasse, Im Feld bis zur Kirche befinden sich sieben Stationen mit Texten und einer Weihnachtsgeschichte. Es gibt auch die Möglichkeit, die Inhalte auf dem Smartphone zu hören.

Für Interessierte, die nicht den Weg entlanglaufen können, liegen die Texte auch in der Kirche auf. In dieser befindet sich eine Krippe, die mit weihnachtlicher Musik zum Verweilen und Beten einladen soll. Wie in anderen Kirchen auch brennt dort ebenfalls das Friedenslicht aus Bethlehem. Die Kirche ist an diesen Tagen bis 20 Uhr ge öffnet und zwischen 17 und 18.30 Uhr an Heiligabend findet ein individueller Kommunionempfang statt.

Bisher sei die Kirche an Heiligabend immer voll gewesen, sagt Monika Poltera-von Arb, Pfarreiseelsorgerin. «Wir haben uns gedacht: Wenn wir schon eine Alternative suchen müssen, dann machen wir etwas komplett anderes.» Denn an Heiligabend findet kein Gottesdienst statt. Der Weg soll eine alternative Möglichkeit bieten, im kleinen Rahmen besinnliche Weihnachten zu verbringen, ohne die Coronaregeln zu missachten. Einige Leute würden den fehlenden Gottesdienst zwar vermissen. «Aber mit nur 30 Personen wäre es sowieso nicht dasselbe.» Man habe versucht, eine möglichst feierliche Alternative zu finden.

So wird im Thal und im Gäu gefeiert

Gemäss den Vorgaben des Bundes sind über die Festtage 30 statt nur 15 Personen an Gottesdiensten in der Kirche erlaubt. Man muss sich allerdings im Voraus anmelden, in der Regel beim Pfarreisekretariat. Das sind die Anlässe der katholischen und reformierten Kirchen an Heiligabend.

So feiern die katholischen Kirchgemeinden

- Laupersdorf: 15 Uhr, Lichterweg zur Lourdes-Grotte und weihnächtlicher Rundgang in der Kirche; 23 Uhr, Eucharistiefeier

- Aedermannsdorf: 16.30 und 17 Uhr, Andacht auf dem Löwenplatz; 22.30 Uhr, Kommunionfeier

- Balsthal: 16.30 Uhr, Verkündung der Weihnachtsbotschaft in den Quartieren; 17 Uhr, Fiire mit de Chliine vor der Krippe in der Pfarrkirche; 23 Uhr, Mitternachtsgottesdienst, Eucharistiefeier

- Herbetswil: 17 und 23 Uhr, Eucharistiefeier

- Matzendorf: 17 Uhr, Kommunionfeier

- Welschenrohr und Gänsbrunnen: 14 Uhr, Andacht; 16.15 Uhr, Kommunionfeier

- Mümliswil: 17 Uhr, Eucharistiefeier (kein Familiengottesdienst); 23 Uhr, Mitternachtsmesse

- Holderbank: 17 Uhr, Eucharistiefeier

- Wolfwil: 10 Uhr, Gottesdienst für Kinder, die nächstes Jahr Erstkommunion feiern und ihre Familien; 15 Uhr, Beichtgelegenheit; 15.30 Uhr, Familiengottesdienst ohne Eucharistie; 17 Uhr, Familiengottesdienst mit Eucharistie; 22 Uhr, Weihnachtsgottesdienst mit Eucharistie

- Egerkingen:15 Uhr, Kinderfeier, Wortgottesdienst; 17 Uhr, Familiengottesdienst, Eucharistiefeier; 23 Uhr, Kommunionfeier

- Härkingen: 15.30 Uhr, Familiengottesdienst, Kommunionfeier; 23 Uhr, Mitternachtsgottesdienst, Kommunionfeier

- Neuendorf: 15.30 und 17 Uhr, Familienfeier zum Heiligen Abend; 23 Uhr, Festgottesdienst zur Heiligen Nacht, Eucharistiefeier

- Oberbuchsiten: 17 Uhr, Familiengottesdienst

- Oensingen: 15 Uhr, Weihnachtsfeier für Schulkinder; 17 Uhr, Eucharistiefeier-Familiengottesdienst; 23 Uhr, Christmesse

- Kestenholz: 17 und 19 Uhr, Heiligabendgottesdienst

- Niederbuchsiten: 17 bis 18.30 Uhr, Möglichkeit, Kommunion zu empfangen

So feiern die reformierten Kirchgemeinden

- Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Thal: 20.30 und 22 Uhr, Festliche Christnachtfeier mit Edith Schenk

- Reformierte Kirchgemeinde Gäu: 17 und 22.30 Uhr, Gottesdienst in Egerkingen

- Reformierte Kirchgemeinde Oensingen-Kestenholz: 17 Uhr, Familiengottesdienst in der reformierten Kirche und im Kirchgemeindehaus in Oensingen