Die Ausgangslage ist klar: Die römisch-katholische Kirche hat mit leeren Kirchen zu kämpfen; immer weniger Gläubige nehmen an den Gottesdiensten teil, und umgekehrt steht der Landeskirche immer weniger klerikales Personal zur Verfügung. Dies veranlasste das Bistum Basel zur Bildung von Pastoralräumen, wie der Pastoralverantwortliche des Bistums, Joachim Köhn, am Montagabend an der Startveranstaltung zur Bildung des Pastoralraums Niederamt Süd im Römersaal in Gretzenbach den rund 60 Anwesenden erklärte. «Die Gesellschaft hat sich verändert, ebenso die Politik und die Kultur.

Dies löst oft auch Ängste in der Bevölkerung aus. Auf der seelsorgerischen Seite stehen wir vor grossen Herausforderungen. Die Kirche muss sich vermehrt darauf besinnen, die Institution den Gläubigen wieder näher zu bringen. Wir müssen auf die Menschen zugehen», so die Botschaft des Pastoralverantwortlichen.

«Glauben ins Spiel bringen»

Mit dem Pastoralen Entwicklungsplan (PEP), der der Bildung von Pastoralräumen zugrunde liegt, wolle man den Glauben ins Spiel bringen. «Früher wurde der Glaube innerhalb der Familie automatisch weitervermittelt. Dies ist heute kaum mehr so», beklagte sich Köhn.

Der PEP sei nötig, weil die Kirche auf diese Veränderungen reagieren müsse und weil man darauf vorbereitet sein will. «Wir dürfen die Zukunft nicht dem Zufall überlassen», appellierte er an die Anwesenden.

In diesem Prozess benötige es die Hilfe aller. Alles habe sich in den letzten Jahrzehnten weiter entwickelt: Die Lebensräume, die Kirche, die Menschen. «Wir müssen also nicht nur auf die Menschen zu gehen, sondern auch neue, vielfältige Wege beschreiten».

Entsprechend habe das Bistum vier tragende Leitsätze erarbeitet, die den Pastoralräumen als Grundlage dienen sollen: «In der Welt von heute Kirche sein», «Uns von Gott führen und leiten lassen», «Uns in die Sorge Gottes für die Welt hineinnehmen lassen» und «Personal, Strukturen und Mittel auf den Pastoralraum ausrichten».

Dabei können innerhalb der Kirchgemeinden Däniken-Gretzenbach, Dulliken, Schönenwerd/Eppenberg-Wöschnau und Walterswil-Rothacker, die übrigens selbständig bleiben, verschiedene Schwerpunkte gesetzt werden wie etwa Ökumene, Diakonie, Jugendarbeit, Seniorenarbeit, Freiwilligenarbeit, Kirchenmusik oder Migrantenarbeit. «Jeder und Jede soll entsprechend seiner oder ihrer Fähigkeiten eingesetzt werden», stellte Köhn in Aussicht.

In einem Pastoralraum sei zudem die priesterliche Seelsorge zu jeder Zeit gewährleistet. Jede Pfarrei bilde einen Themenschwerpunkt. Sie seien untereinander vernetzt. Ziel seien unter anderem die Koordination in einem grösseren Raum, die Entwicklung innerhalb des Pastoralraums und die Schaffung eines grösseren Personalpools, um Vakanzen ausfüllen zu können.

Projektgruppe vorgestellt

An dieser Startveranstaltung wurde die entsprechende Projektgruppe vorgestellt. Ihr gehören an: Pfarrer Wieslaw Reglinski (Leitung); Christian von Arx, Schönenwerd (Glaubensbildung Erwachsener, Öffentlichkeitsarbeit); Josef von Arx, Walterswil (Vorstandsmitglied Zweckverband); Katja Deutschmann, Gretzenbach (Kirchenmusik, junge Erwachsene); Rosmarie Jetzer, Däniken (Gemeinschaftsbildung); Christa Niederöst, Dulliken (Seelsorge, Initiationssakramente) und Eva Wegmüller (Diakonie, Ökumene, Projektsekretariat).

Ihre Aufgabe, so der Pastoralverantwortliche, wird es nun sein, ein Pastoralkonzept zu erstellen. Sie müssen zunächst eine Situationsanalyse durchführen, etwa bezüglich Umfeld oder pastoraler und personeller Situation.

Danach müssen sie ein Pastoralkonzept erstellen, in dem sie die Schlüsse aus der Situationsanalyse ziehen und Schwerpunkte setzen. Schliesslich wird es ihre Aufgabe sein, ein Organisationskonzept zu erstellen, welches unter anderem ein Organigramm des zur Verfügung stehenden Personals oder auch die Auflistung der künftigen Strukturen zum Inhalt hat. Der Gruppe zur Seite stehen wird Projektberater Jürgen Heinze.

«Keine andere Möglichkeit»

In der anschliessenden Diskussionsrunde, von Heinze moderiert, kam deutlich zum Ausdruck, dass die Entwicklung innerhalb der römisch-katholischen Kirche gar keine andere Möglichkeit zulasse, als sich in grösserem Rahmen zu organisieren. Die Pastoralräume wurden auch als Chance verstanden, und es wurde von den Gläubigen gefordert, dass sie auch flexibler werden und auch mal einen Gottesdienst in einer anderen Gemeinde besuchen. Auch positiven Anklang fand der Umstand, dass die Seelsorge stets gewährleistet sein wird.

Allerdings gab es auch warnende Stimmen, die in der Bildung von Pastoralräumen nur die Schaffung neuer Strukturen sehen, ohne dass man dadurch mehr Gläubige in die Kirche zurückholen könne. Und gefordert wurde auch ein Konzept, das wieder mehr der liberalen Grundhaltung des Zweiten Vatikanischen Konzils entspricht. «Aber vertrauen wir dabei doch auf das Wirken des Heiligen Geiste», meinte ein Anwesender.