Wenig hat gefehlt, und die Jugendarbeit Oensingen wäre im Zuge der vom Gemeinderat getroffenen Sparmassnahmen abgeschafft worden. Dank einem von der Mehrheit unterstützten Antrag an der Gemeindeversammlung vom 30. Januar für den Fortbestand der Jugendarbeit kam es dann doch nicht soweit. Sehr zur Freude der etwa 15 Jugendlichen, welche der Versammlung damals beiwohnten.

Zwei 15-jährige Mädchen hatten vorgängig die Versammlung darum gebeten, für den Erhalt der Jugendarbeit zu stimmen. «Wir mussten lange warten, bis der Entscheid gefallen ist», erinnert sich der damals ebenfalls anwesende 16-jährige Kelvin. Der Einsatz habe sich aber gelohnt.

Kinder reagierten betroffen

Die Jugendlichen hätten aus eigener Initiative entschieden, für ihren Jugendraum zu kämpfen, sagt Jugendarbeiter Jonathan Murbach. Viele hätten sich einfach nicht vorstellen können, ihren wichtigsten Treffpunkt zu verlieren. Dass Murbachs Aussagen zutreffen, kam am Mittwochnachmittag in den im ersten und zweiten Obergeschoss des Bauamtes untergebrachten Jugendräumen deutlich zum Ausdruck.

«Ich war traurig, als ich gehört habe, dass der Jugendraum geschlossen werden soll», sagt die 9-jährige Ibtisan. Sie kommt seit zwei Jahren hierher, um in der Gruppe zu basteln. So wie auch Ana Julia. Der 10-Jährige gefallen die «coolen» Ideen, die sich Betreuerin Theres Kummer immer wieder einfallen lasse.

Heute wird mit Blick auf Ostern ein Körbchen geflochten. Auch Spielen und ein gemeinsames Zvieri stehen auf dem Programm der jeweils bis zu 20 Kinder von der 1. bis zu 4. Klasse, welche den Mittwochnachmittag hier verbringen, wie Kummer erwähnt.

Der betreute Jugendtreff am Mittwochnachmittag wird jeweils von insgesamt 20 bis 40 Kindern besucht.

Der betreute Jugendtreff am Mittwochnachmittag wird jeweils von insgesamt 20 bis 40 Kindern besucht.

Im Jugendraum im zweiten Obergeschoss treffen sich Mittwochnachmittag die älteren Schülerinnen und Schüler. Darunter auch die beiden Buben Denic und Arda, die sich beim Billardspiel die Zeit vertreiben. Die 5.-Klässler kommen seit sechs Monaten regelmässig in den Jugendraum. «Das ist besser, als den ganzen Tag zu gamen», findet der 11-jährige Denic.

Deshalb seien sie froh, dass der Jugendraum nicht geschlossen werde. Seit zwei Jahren im Jugendraum anzutreffen ist auch die 15-jährige Sara, die sich hier gerne mit ihren zwei Freundinnen trifft. Sie sei erschrocken, als sie von der möglichen Schliessung gehört habe. In ihr habe das die Angst ausgelöst, das den Jugendlichen etwas weggenommen werde, das sie selbst geschaffen hätten. Dass dem ist, zeigen die unzähligen im Jugendraum an den Wänden aufgehängten Fotos.

Bis zu 40 Kinder am Mittwoch

Der betreute Jugendtreff am Mittwochnachmittag wird jeweils von insgesamt 20 bis 40 Kindern besucht. Für die Oberstufenschüler ist der Jugendraum jeweils am Samstagabend von 20 bis 0.30 Uhr geöffnet. Dort können sich die Jugendlichen ohne Konsumzwang treffen. Stets anwesend ist dort ein Jugendarbeiter als Ansprechperson.

Jugendarbeiter Jonathan Murbach findet, dass die Jugendlichen auf ihre erbrachten Leistungen für den Jugendraum stolz sei dürfen. Dieses gemeinsame Arbeiten und sich für ein Ziel einsetzen fördere die soziale und persönliche Entwicklung der Jugendlichen. Davon könnten nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern auch die Gemeinde und die Familien profitieren.

Erfolgreiche Jugend-Projekte

Auch Murbach freut sich natürlich darüber, dass er seine 2015 in Oensingen begonnene Arbeit im 30-Prozent-Pensum für die Jugend fortsetzen kann. Auf seine Initiative hin wurde vor zwei Jahren das Kinderturnen am Sonntag eingeführt. Am während der kalten Jahreszeit einmal monatlich durchgeführten Anlass nehmen jeweils über 30 Kinder teil. Ebenfalls sehr erfolgreich angelaufen ist die 2017 als Pilotprojekt lancierte Sportnacht im Sportzentrum Bechburg.

Sie wurde an neun Samstagabenden von insgesamt 95 Jugendlichen besucht. Dazu kommt der südlich vom Jugendraum gelegene Sommertreff auf dem ehemaligen Inlinehockey-Platz, welchen der Gemeinderat als erweiterten Spiel- und Begegnungsort für die Jugend bewilligt hat.

Auch bei diesem Projekt hätten Jugendlichen selbst Hand angelegt, indem sie das Fundament für den Container gebaut hätten, berichtet Murbach. Nach dem Ja der Oensinger freue er sich auf die neuen Herausforderungen als Jugendarbeiter, vielleicht sogar auf den Ausbau der Sportnacht. Ihm sei aber klar, dass aufgrund der finanziellen Situation der Gemeinde Mehrausgaben derzeit tabu seien, so der 43-Jährige.

Gemeindepräsident Fabian Gloor pflichtet Murbach bei. Mit den jährlich budgetierten 130'000 Franken müsse die Jugendarbeit in den kommenden Jahren auskommen. Angebotserweiterungen seien nur durch Optimierungen innerhalb der Jugendarbeit möglich. «Alle müssen sparen, das gilt auch für die Jugendarbeit», stellt Gloor klar.