Vermächtnis

Die Hüterin des Sagenschatzes: Die Fulenbacherin Claudia Brander bringt das sechste Pfluger-Buch heraus

Claudia Brander legt das jüngste, sechste Buch mit Gesichten aus Elisabeth Pflugers grosser Geschichtensammlung vor.

Claudia Brander legt das jüngste, sechste Buch mit Gesichten aus Elisabeth Pflugers grosser Geschichtensammlung vor.

Die Fulenbacher Künstlerin und Gestalterin Claudia Brander (53) bringt Buch um Buch mit Elisabeth Pflugers Vermächtnis heraus.

Claudia Brander, bereits haben Sie fünf Bücher mit Geschichten von Elisabeth Pfluger (1919–2018) herausgebracht. Wie heisst das neueste, sechste Buch?

Claudia Brander: «Soledurn – Mi Heimet!» Nach «Olten isch zmitts», «S Gäu, mis Gäu», «Wild und Jagd» und «Der Aare noo» gesellen sich nun gleich zwei Bücher über die Stadt Solothurn. Vor wenigen Wochen kam das erste davon, «Soledurn isch alt», heraus.

Alle Bücher mit Geschichten von Elisabeth Pfluger.

Alle Bücher mit Geschichten von Elisabeth Pfluger.

Wen möchten Sie mit Ihren Büchern ansprechen?

Ich möchte eine neue Generation ansprechen und sie auf die Sagen und alten Geschichten von Elisabeth Pfluger aufmerksam machen. Natürlich sind die Bücher für alle Generationen passend, auch für Kinder zum Vorlesen, Erzählen und Diskutieren. Besonders Dritt- bis Sechstklässler finden die Geschichten sehr spannend, da sie die Orte, in denen sie sich abspielen, kennen und manche Geschichten auch etwas unheimlich sind.

Elisabeth Pfluger schrieb ja alles in Mundart auf. Verstehen die Leser heute ihre Schreibweise noch?

Man muss mit Pflugers Sprache etwas vertraut sein und auch wissen, dass sie jede Geschichte im Dialekt des Erzählers aufgeschrieben hat. Am besten man liest die Texte zuerst laut. Ihr «Mittelgäuerdialekt», in dem sie die meisten Geschichten geschrieben hat, ist ein alter Dialekt. Oft werde ich auf vermeintliche «Fehler» in den Texten angesprochen, die aber in der Mundart richtig sind. So schreibt man «Fridhof» ohne ie oder «Wienachte» ohne h. Musik heisst hier «Mussig», «Has» kann einen oder zwei a haben.

Im Buch gibt es 50 Fotografien, die sie selbst gemacht haben. Waren Sie an all diesen Orten?

Ich fotografiere sehr gerne und es hat Spass gemacht, jeweils ein passendes Bild zu den Geschichten zu finden. Mit den Fotos möchte ich auch Fragen, die sich bei den Geschichten stellen, beantworten. So wird eine Geschichte realer und erhält noch mehr Tiefe.

Wieso gibt es über die Stadt Solothurn zwei Bücher?

Geplant war zunächst nur ein Buch über Solothurn. Da aber so viel gutes Material von Elisabeth Pfluger über die Hauptstadt vorhanden war und noch die Fotos darin Platz finden sollten, entschloss ich mich, den Stoff auf zwei Bände zu verteilen. Mein Ziel ist es nämlich, möglichst viel aus der Sammlung Pfluger zu veröffentlichen. Auch möchte ich kleine Sachen wie Gedichte, Kinderreime, Värsli und Sprüchli mit einfliessen lassen.

Und wie unterscheiden sich die beiden Bücher?

Der erste Band führt in einem Rundgang durch die Stadt innerhalb der Stadtmauern und stellt bekannte Häuser, Tore und Brücken vor. Zum Beispiel das Baseltor, das Alte Zeughaus, das Rathaus, die Wengibrücke oder das Prison und seine bekannten und unbekannten Bewohner. Dazu gibt es Rezepte, Lieder, Gedichte. Im zweiten Buch sind die ersten 100 Seiten den Solothurner Schülern von Elisabeth Pfluger gewidmet. Sie hat seit den 1940er-Jahren in Solothurn unterrichtet und es gibt Anekdoten von Schülern und Lehrerkollegen und aus dem Schulalltag. Dann sind in diesem Buch die Gebäude ausserhalb der Stadtmauern das Thema: die Zentralbibliothek, die Weststadt, das Museum Blumenstein, die Waldegg und mehr.

Elisabeth Pfluger war ja die Sagen- und Geschichtensammlerin des Kantons Solothurn. Was fasziniert Sie an ihrer Sammlung?

Ich war schon immer fasziniert von alten Geschichten und Gegenständen und begebe mich gerne in eine andere Zeit und versuche mir das Leben, die Gedanken und Ideen der damaligen Menschen vorzustellen. Fasziniert hat mich auch immer die Einfachheit, Armut, Unwissenheit und auch die Brutalität, denen die Menschen früher ausgesetzt waren. Und dann kommt mit der Beschäftigung von Elisabeth Pflugers Geschichten auch meine Kreativität zum Zuge: Das Zusammenstellen und Gestalten der Bücher ist mir eine Herzensangelegenheit, die sehr zeitaufwendig ist, weil ich ganz darin versinke.

Es geht also noch weiter mit Pfluger-Büchern?

Ja, ich habe schon zwei weitere Titel in Arbeit «Mussiggschichte und alti Lieder» und «Baumgschichte». Beides waren noch Buchideen, die Elisabeth Pfluger sich zu Lebzeiten wünschte.

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