Der Verein Wisente Thal spricht nicht mehr von einem Auswilderungsprojekt, sondern von einem touristischen und wissenschaftlichen Versuch in einem grossen Gehege. Trotzdem ist eine Auswilderung von Wisente im Thal für den Hauptpromotor dieser Idee, CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (Herbetswil), «nicht endgültig gestorben», wie er gegenüber dieser Zeitung erklärt. Und er wehrt sich im Zusammenhang mit dieser Ansicht gleich gegen den Vorwurf, in Salamitaktik zu machen: «Wenn es sich über einen längeren Zeitraum erweist, dass die Tiere keine Schäden anrichten sowie keine Gefahr für den Menschen darstellen und sich so vorhandene Befürchtungen nicht bestätigen, kann man die Sache später nochmals prüfen.»

Das Gesuch, das nun beim Kanton eingereicht werde, sehe jedoch keine Auswilderung vor, sondern das Halten einer Wisente-Testherde während fünf Jahren in einem eingezäunten Gelände von einem Quadratkilometer Umfang, das der Bürgergemeinde Solothurn und dem Landwirt Benjamin Brunner gehöre. Deshalb bezeichne man dieses Gelände auch nicht mehr wie bis anhin als Auswilderungs-Gehege, sondern etwas neutralisiert als Wisente-Gehege.

Vielleicht in 20 Jahren…

Doch der promovierte Biologe macht sich heute hinsichtlich Auswilderung keine grossen Illusionen. Seine Hoffnung basiert auf der Überzeugung, dass sich die Menschen mit der Zeit an die Tiere gewöhnen werden und sie nicht mehr als Bedrohung wahrnehmen. Das sei vielleicht erst in 20 Jahren der Fall. «Dann bin ich nicht mehr am Drücker», scherzt Müller. Und er ergänzt: «Auch beim Bauernverband werden dann andere Leute am Ruder sein.»
Dass der Bauernverband der Regierung im Voraus Druck aufsetzt, sie solle das Gesuch für das Testprojekt Wisente ablehnen, missfällt Müller, der betont: «Bei allem Verständnis, dass man Angst vor Schäden hat, der mangelnde Respekt vor allen Instanzen gibt mir zu denken.» Dass in dieser Angelegenheit der Bund den Ball wieder dem Kanton zugespielt hat, erstaunt Müller nicht: «Ich habe das so erwartet.» Das Gesuch habe man auf Geheiss des Kantons beim Bund eingereicht, «obschon wir annahmen, dass der Kanton entscheiden muss.»

Kanton wartet Gesuch ab

«Solange man von Auswilderung spricht und davon ausgehen muss, dass Auswilderung das Ziel ist, kann der Kanton nicht ohne Stellungnahme des Bundes Stellung beziehen», rechtfertigt Bernardo Albisetti, Departementssekretär des kantonalen Bau- und Justizdepartements, die Handlungsweise der Ämterkonferenz aus den Bereichen Bau, Umwelt und Wirtschaft des Kantons (Kabuw). Diese hatte dem Verein Wisente Thal anfangs Sommer mitgeteilt, der Kanton könne erst entscheiden, wenn das eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) dem Projekt grundsätzlich zugestimmt habe. Nun warte der Kanton das Gesuch des Vereins Wisente Thal ab. Sobald dieses eintreffe, könne man konkret Stellung beziehen. Involviert sei dabei nicht nur das Baudepartement, sondern wegen der Betroffenheit von Wald und Jagd speziell auch das Volkswirtschaftsdepartement.