Mümliswil-Ramiswil

Die Guldentaler-Geschichte: Wie man früher im da so lebte

Die Häuser beim Dorfeingang – von Balsthal kommend: Das Restaurant Traube und daneben die ehemalige Filiale des «roten» Konsums, wo es später noch eine Nordmann-Filiale gab. Die Aufnahme stammt aus den 1950er-Jahren.

Die Häuser beim Dorfeingang – von Balsthal kommend: Das Restaurant Traube und daneben die ehemalige Filiale des «roten» Konsums, wo es später noch eine Nordmann-Filiale gab. Die Aufnahme stammt aus den 1950er-Jahren.

Die neue Publikation «Guldentaler Geschichten» des Historischen Vereins löst den Dorfkalender ab, der seit 1997 erschien.

Seit 1997 erschien in Mümliswil-Ramiswil der Guldentaler Kalender. Auf zwölf Monatsblättern wurde aus dem Fotofundus des Historischen Vereins geschöpft und jährlich ein anderes Thema aus dem Dorfleben damals und heute vorgestellt. Nun stellt der Verein nach 23 Ausgaben ein neu konzipiertes Format vor, die «Guldentaler Geschichten 2020». Dies ist ein Jahrbuch mit 60 Seiten Umfang und vielen Dorf-Geschichten mit historischem Hintergrund.

In dieser ersten Ausgabe haben sich die Macher um Josef C. Haefely einen reichhaltigen Themenmix ausgedacht. Im Buch ist ein – zwar jetzt noch nicht historischer – Bildbericht über das nordwestschweizerische Jodlerfest dieses Sommers in Mümliswil zu finden. Dieser lässt das Grossereignis nochmals Revue passieren. Auch dem Irrflug der Patrouille Suisse wird schon ein erstes Denkmal gesetzt, denn dieses Ereignis hat den Namen Mümliswil bis in die BBC-News transportiert.

Das Theaterschaffen des Männerchors, Kindheitserinnerungen aus der Schattengasse oder ein Interview mit Bertha Spitzli-Jeker aus ihrer Jugend im «Höchhus» sind nebst anderem ebenfalls mit dabei.

Das «rote» und das «schwarze» Konsum

Eine Geschichte, die in diesem neuen «Guldentaler Geschichten»-Buch zu finden ist, sei speziell erwähnt. Noch heute reibt man sich nämlich verwundert die Augen, hört man Mümliswiler, die noch vor 1970 geboren wurden, davon berichten, dass es im Dorf einmal ein «schwarzes» und ein «rotes» Konsum gab. Dazu hatten beide Konsumgeschäfte gar noch je eine Filiale in einem anderen Teil des Dorfes – also insgesamt vier Ladengeschäfte. Wie es dazu kam, und die Tatsache, dass es in Mümliswil gar einmal eine Filiale des «Nordmann» (heute Manor) aus Solothurn gab, ist auch eine schöne Familiengeschichte. Geschrieben hat diese Episode Fredy Fankhauser, der selbst als Bub im Dorf bei seiner Mutter in der kleinen Filiale des roten Konsums, die neben dem Restaurant Traube zu finden war, ausgeholfen hat.
Er schreibt, dass um 1947 seine Eltern Franz und Hanny Fankhauser-Haefeli über den Kauf dieses Hauses mit Vorbesitzer Gustav Mengisen verhandelten. Fankhausers Mutter Hanny hatte wohl die Absicht, in diesem Haus eben eine kleine Filiale des Konsumvereins (heute Coop) – das Hauptgeschäft lag an der Dorfstrasse (heute Florypac) – einzurichten.

Doch in Mümliswil gab es zu jener Zeit auch noch einen Konsum-Laden der 1902 gegründeten christlichsozialen Konsumgenossenschaft Konkordia, im Volksmund, das «schwarze» Konsum genannt. Dieser war in einem Haus Anfang Rank (heute Möbel Kamber-Filiale) neben dem Gemeindehaus untergebracht. Im Dorf war es nun üblich, dass dieses Geschäft vorwiegend von der CVP-treuen, also der «schwarzen» Bevölkerung frequentiert wurde, während der Konsumvereins-Laden im Mitteldorf mit der Filiale von Hanny Fankhauser der Laden der Freisinnigen Bevölkerung war. Eine «schwarze» Filiale wurde dann für ein paar Jahre noch an der Balsthaler Strasse geführt. 1970 schloss die Konsumgenossenschaft Konkordia ihre Läden in der Schweiz – auch jene in Mümliswil.

Fankhauser schreibt weiter, dass seine Mutter Hanny um eine Erhöhung der Entschädigung für das Ladenlokal oder eine Erhöhung der Umsatzbeteiligung von den inzwischen Coop-Verantwortlichen angefragt habe. «Aber der Verwaltungsrat kam den Eltern in keiner Art und Weise entgegen und beliess alles beim Alten. Mama fand das ungerecht und nahm Verhandlungen mit dem bekannten Warenhaus Nordmann in Solothurn auf. Mit Erfolg, denn es wurde vereinbart, in Mümliswil 1958 eine Verkaufsstelle, das heisst ein sogenanntes Depot zu errichten.» Leider erkrankte die umtriebige Frau dann und so musste die Nordmann-Filiale nach rund fünf Jahren in Mümliswil wieder schliessen.

Unterschiedliche Autoren haben an Guldentaler Geschichten-Heft mitgewirkt, sodass die Themenvielfalt den Reiz des neuen Konzepts ausmacht. Dem Team gehören neben Frey Fankhauser noch Herbert Brunner, Martin Bürgi, Josef C. Haefely, Therese Haefely-Baumgartner, Beat Häfeli, Markus Probst, Madlen Albani und als Gastautor Heiri Siegrist an. Die «Guldentaler Geschichten» sollen über die Gemeindegrenzen hinaus eine interessierte Leserschaft finden und, zur Gemeindechronik «Das Guldental», zu einem Nachschlagewerk werden.

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