«Die Lastwagen haben eine Handschaltung. Das ist gut, dann können sie auch im Irak verkauft werden», sagt ein Aargauer Händler bei der Begutachtung der vier zur Versteigerung ausgeschriebenen Lastwagen der Marke DAF vom Typ XF 105.460 4x2. Der 53-Jährige interessiert sich vor allem für den einzigen Sattelschlepper darunter. Wie viel er dafür bieten würde, will er nicht verraten. Nicht in die Karten blicken lassen will sich auch ein 40-jähriger Bulgare, der aus Deutschland angereist ist, um einen Lastwagen zum Schnäppchenpreis zu ergattern «Für den Export in ganz Europa und Afrika», meint der Mann freimütig. Ganz genau schaut ein 52-jähriger Zürcher hin. Er handle mit allem ausser Möbeln. Jüngst habe er im Kanton Zürich einen ganzen Werkhof aufgekauft. Ob er bei Versteigerung mitbiete, werde sich zeigen. Die Fahrzeuge seien offenbar gut gewartet.

Im Auftrag des Zuger Konkursamtes

Die einstündige Besichtigung der auf einem Industrieareal in Balsthal abgestellten Fahrzeuge sei rege benutzt worden, sagt Claudia Lämmle von Kantonalen Konkursamt kurz vor der auf 14.30 Uhr angesetzten Versteigerung. Diese wird in einer Industriehalle durchgeführt, wie Gantrufer Patrick Christen erwähnt. Die zur Versteigerung gelangenden Lastwagen stammen aus der Konkursmasse eines Zuger Transportunternehmens. Weil die Fahrzeuge im Kanton Solothurn stationiert gewesen seien, habe das Konkursamt Zug den Verwertungsauftrag delegiert, meint der 30-jährige Mitarbeiter des kantonalen Konkursamtes in Oensingen.

Kurz vor Beginn der Gant füllt sich die Industriehalle mit rund 30 Personen. Zum Auftakt erklärt Christ die Regeln. Etwa, dass das Mindestgebot 100 Franken beträgt und nach dreimaliger Ausrufung des höchsten Gebotes der Handel perfekt ist. Und: Der Betrag muss gleich danach bar bezahlt werden.

Sattelschlepper mit höchstem Gebot

Die Versteigerung beginnt schliesslich mit dem an diesem Nachmittag begehrtesten Objekt, dem DAF-Sattelschlepper. Der in Holland hergestellte LKW hat Jahrgang 2008 und laut Tacho 453 600 Kilometer auf dem Buckel. Nach dem Einstiegsgebot von 100 Franken treiben sich einige Gantteilnehmer in 500- und 1000-Franken-Schritten bis auf die Marke von 23 000 Franken. Danach bieten nur noch zwei Personen in 100-Franken-Schritten, bis schliesslich ein Garagist aus dem Kanton Luzern für 26 000 Franken den Zuschlag erhält. Er habe im Auftrag eines Klienten geboten und hätte, wenn nötig noch einige 1000er-Noten darauflegen können, bemerkt der 51-Jährige nach der Bezahlung der Summe. Der dazu gehörende Aufleger geht für 2600 Franken an einen anderen Bieter.

Für Händler etwas zu hohe Preise

Nur gerade 17 500 Franken werden im Anschluss für denselben Lastwagentyp, ebenfalls Jahrgang 2008 mit 467 100 Kilometern, in der Version mit Ladebrücke, erzielt. Käufer ist ein 53-jähriger Händler aus dem Kanton Zug. Er sicherte sich in der Folge auch den ältesten DAF-Lastwagen mit Jahrgang 2000 und 955 600 Kilometern auf dem Tacho. Dafür musste er 6200 Franken bar auf den Tisch legen.

Für den dritten DAF-Lastwagen mit Ladebrücke, 2008 erstmals in Verkehr gesetzt und mit 614 300 gefahrenen Kilometern, ersteigert ein Händler aus dem Kanton Aargau für 15 000 Franken. Ob es sich dabei um ein Schnäppchen handelt, werde sich weisen müssen. Der Preis sei nicht gerade günstig.

Das bestätigt auch ein Zürcher Händler, der weder einen Lastwagen noch einen Anhänger ersteigert hat. «Für Leute, die so ein Fahrzeug suchen, waren die Preise sicher gut. Für Händler bleibt aber zu wenig, als dass die Sache wirklich rentiert.» Der Gantrufer habe seine Sache offenbar gut gemacht. Leer ging übrigens auch der aus Deutschland angereiste Bulgare aus, der ab einer gewissen Höhe der Gebote jeweils die Segel streichen musste. Zufrieden verlässt hingegen ein Berner Transportunternehmer die Gant. Er kann seinen Fuhrpark mit aktuell drei Lastwagen mit einem Anhänger und einem Auflieger aufstocken.