Kestenholz
Die Gläubigerbank sichert sich an der Versteigerung das Joachimhaus

Das geschichtsträchtige Haus an der Gäustrasse in Kestenholz geht für 225000 Franken an Neue Aargauer Bank. Diese will die Liegenschaft im «Istzustand» veräussern. Kein Interesse am historisch nicht mehr sehr wertvollen Joachimhaus hat Gemeinde.

Erwin von Arb
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Joachimhaus
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Eine Delegation der Neuen Aargauer Bank besichtigt nach erfolgreicher Steigerung die Südseite des Hauses
.Ende Februar wurde der einsturzgefährdete Scheunentrakt auf Verfügung der örtlichen Behörden abgerissen.

Joachimhaus

Erwin von Arb

Zehn Personen fanden sich gestern Dienstag um 10 Uhr im Gantlokal im Schmelzihof ein, um der Versteigerung der Liegenschaft an der Gäustrasse 12 in Kestenholz beizuwohnen.

Beim Steigerungsobjekt handelt es sich um das geschichtsträchtige Joachimhaus, dessen Scheunentrakt Ende Februar wegen akuter Einsturzgefahr abgerissen werden musste. Der Besitzer der Liegenschaft ging in der Folge bankrott.

Als potenzielle Bieter für die Gant hatten sich in die aufliegende Liste sechs Personen eingetragen, darunter auch Vertreter der Neuen Aargauer Bank (NAB), auf deren Begehren hin die Verwertung der Liegenschaft erfolgte. Die Leitung der Versteigerung oblag Patrick Glatzfelder, Fachmann Betreibung, und Max Bachmann, stellvertretender Amtsschreiber.

Das Mindestgebot von 454 Franken für die vom Betreibungsamt auf 225 000 Franken geschätzte Liegenschaft samt 365 Quadratmeter Umschwung hatte erwartungsgemäss nicht lange Bestand. Sarah Frei von der NAB machte mit dem ersten Gebot von 15 000 Franken klar, dass die Neue Aargauer Bank als Gläubigerin nicht gewillt ist, dass die Liegenschaft zu einem Spottpreis den Besitzer wechselt.

Der NAB erwuchs im Verlauf der Versteigerung aber keine Konkurrenz mehr. Dennoch trieb das Aargauer Bankinstitut den Preis für die erwähnte Liegenschaft in acht weiteren Geboten auf 225 000 Franken hoch, was genau dem konkursamtlichen Schätzpreis entspricht. Nach Überprüfung der Personalien und der Vollmacht sowie des Finanzierungsnachweises erklärte Max Bachmann in seiner Funktion als stellvertretender Amtsschreiber die Versteigerung nach nur gerade 15 Minuten für beendet.

Dass die NAB bis zum vom Betreibungsamt geschätzten Preis hochgeboten habe, sei nichts Aussergewöhnliches, erklärte Alexander Meier von der Neuen Aargauer Bank bei der anschliessenden Besichtigung der erworbenen Liegenschaft in Kestenholz. Damit werde auch zum Ausdruck gebracht, dass das Objekt diesen Wert auch wirklich repräsentiere. Experten hätten das Haus und dessen «anspruchsvolle Bausubstanz» vorgängig untersucht, führte der Immobilverantwortliche der NAB dazu weiter aus.

Die NAB werde das Joachimhaus, oder was davon geblieben ist, im «Istzustand» veräussern, so Meier. Was der Käufer mit der Liegenschaft mache, sei dann dessen Sache. «Auch wenn es mir persönlich gefallen würde, wenn das Haus nicht auch noch abgerissen wird», bemerkte Meier. Es sei zwar schade, dass die geschichtsträchtige Scheune nicht mehr stehe. An deren Stelle könnte aber nun ein Abstellplatz realisiert werden. Etwas, was bislang gefehlt habe.

Der Kestenholzer Gemeindepräsident Arno Bürgi nahm interessiert davon Kenntnis, dass die NAB das Joachimhaus ersteigert hat. Für die Gemeinde sei ein Erwerb nie zur Diskussion gestanden, zumal von der historisch wertvollen Bausubstanz nicht mehr viel geblieben sei.

«Im Wohnhaus wurde derart viel verändert, dass nur noch die Hülle einen gewissen historischen Wert hat.» Dennoch schätzt Bürgi die Chancen, dass das Wohnhaus erhalten bleibt, als gut ein. «Es wurde im Innern bereits zu viel gemacht, um es einfach abzureissen.»