1) Seit wann gibt es Wolfwil?

Die katholische Kirche

Die katholische Kirche

Diese Frage lässt sich nicht einfach mit «seit 750 Jahren» beantworten. Denn nur die erste überlieferte Erwähnung in einer Urkunde datiert vom 18. Juli 1266. Ein gewisser Rudolfo amtete damals bei einem Güterverkauf des Grafen Ludwig von Froburg als Zeuge. «Rudolfo precone de Wolfwiler», heisst es in der Urkunde. «Precone» oder «praecone» bedeutet ursprünglich Herold oder Ausrufer, also wird dieser Rudolfo eine gewichtige Stelle innerhalb des Dorfes gehabt haben.

Dies zeigt, dass das Dorf schon älter sein muss, weil sonst kein offizieller Amtsträger für Wolfwil zuständig gewesen wäre. Auch weit ältere Funde (aus der Jungsteinzeit) belegen, dass bereits sehr früh Menschen Wolfwiler Boden betreten haben dürften. Klar ist allerdings nicht, wann die Ersten auch dort gesiedelt haben. Übrigens ist auch die Siedlung Var oder später Far oder Fahr (im heutigen Fahrackergebiet) erst seit 1295 urkundlich belegt. Das althochdeutsche Wort «far» bedeutet denn auch Fahrstelle, Überfahrtsstelle, was bekanntlich bis heute im Fährbetrieb weiterlebt.

Ab wann aber ein Fährbetrieb bestand, ist nicht eindeutig zu belegen. Doch auch hier fehlen bis weit ins Mittelalter Belege. Die Wappen am ehemaligen Fährhaus, dem heutigen Restaurant Fähre, zeigen die Dreizehn Alten Orte der Eidgenossenschaft und ihre sogenannten zugewandten Orte. Die auf den Wappen gezeigte Ordnung hatte von 1513 bis 1798 bestand. Wann diese gemalt wurden, ist nicht klar.

2)Warum denn überhaupt der Name Wolfwil?

Auf dieser Urkunde wird Wolfwil das erste Mal festgehalten.

Auf dieser Urkunde wird Wolfwil das erste Mal festgehalten.

Die Endung «wil» im Dorfnamen deutet auf eine Alemannische Siedlungsgründung hin und bedeutet etwas wie «vorgeschobener Hof, Aussensiedlung». Der vordere Teil des Namens bezieht sich wohl auf eine Person namens Wolfo.

Der Name hat also, nicht wie das Dorfwappen heute suggeriert, nicht unmittelbar mit dort vorkommenden Wölfen zu tun. Die Namensforschung geht von einer althochdeutschen Form, nämlich «za dëmu Wolfowīlāre» aus. Was so viel bedeute wie «beim Wolfogehöft».

Warum aber wurde die Gemeinde nicht Fahr genannt, was durchaus auch eine Möglichkeit gewesen wäre? Darüber lässt sich nur spekulieren, doch dürfte die Siedlung Wolfwil schlicht grösser und damit bedeutender geworden sein als Fahr. Wobei es von 1666 eine Überlieferung gibt, welche beide Namen gemeinsam nennt.

«Wolffweil ein Pfarr und Fahr uber di Aar», heisst es dort. Wichtig ist in diesem Zusammenhang wohl auch die Kirche, die in Wolfwil stand. So wird die Kirche 1302 ein erstes Mal vermerkt.

3)War Wolfwil immer auf Solothurner Boden?

Das Pfarrhaus stammt aus dem Jahr 1623

Das Pfarrhaus stammt aus dem Jahr 1623

Ganz so einfach lässt sich diese Frage nicht klären. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass Solothurn als Kanton, wie wir ihn heute kennen, existiert. Nach dem Erlöschen des Geschlechtes Bechburg im 13. Jahrhundert, unter dessen Herrschaft das Dorf stand, wechselten die Herren über Wolfwil ständig.

Mit den Ambitionen der Stadt Solothurn und dem allmählichen Niedergang der alten adeligen Geschlechter (wie zum Beispiel auch das der Froburger) kam es zum Zwist mit Bern. Eine gemeinsame Herrschaft von Solothurn und Bern wurde im Gäu installiert, diese wurde aber 1463 endgültig aufgebrochen und von da an gehörte Wolfwil fest zum Herrschaftsgebiet von Solothurn.

4)Warum gibt es in Wolfwil eine Wallfahrtskirche?

Die Wappen am Restaurant Fähre zeugen von alten Zeiten.

Die Wappen am Restaurant Fähre zeugen von alten Zeiten.

Auch hier lässt sich nur spekulieren. Eine Legende erzählt, dass während der Reformationszeit, also irgendwann zwischen 1517 und 1648, eine Maria-Statue am Ufer der Aare angeschwemmt worden sei. Diese Statue wurde danach in der Kirche, welche um 1620 erbaut wurde, verehrt.

Da 1627 ein «Bruderschafftsrodel des heyligen Rosenkrantzes der Himmel-Königin(...)Marjae zu Wolffwyl» gegründet wurde, muss die Statue wohl bereits im 16. Jahrhundert angeschwemmt worden sein. Sofern sie denn überhaupt angeschwemmt und nicht einfach an den neuen Ort verschleppt worden ist. Doch genau belegen lässt sich weder das eine noch das andere. Jedenfalls entwickelte sich Wolfwil in der Folge zu einem weitherum bekannten Wallfahrtsort.

Nach dem Rückblick nun ein Ausblick: Bald wird gefeiert!

Wolfwiler feiern gleich mal 48 Stunden durch

Bruno A. Wirth ist Gesamtkoordinator des 750-JahrJubiläumsfestes. Bei ihm laufen die Fäden des gut 50-köpfigen OK zusammen.

Bruno A. Wirth

Bruno A. Wirth ist Gesamtkoordinator des 750-JahrJubiläumsfestes. Bei ihm laufen die Fäden des gut 50-köpfigen OK zusammen.

Bruno A. Wirth ist überzeugt, dass es im Sommer ein grosses Fest geben wird. Dann nämlich feiern die Wolfwilerinnen und Wolfwiler ihr Dorf, besser gesagt dessen 750. Geburtstag. Am Freitag 24. Juni, um 17.50 Uhr geht die Sause sinnigerweise los, Sonntagabend um 17.50 Uhr, wie könnte es anders sein, wird das Fest beendet sein.

Dazwischen gibt es vor allem eins: Events en masse. Diese werden von ganz Wolfwil getragen. «Etwas fürs Dorf machen», nennt Wirth immer wieder den Beweggrund, wieso so viele Gruppen oder Vereine aus dem Dorf sich bereit erklärt haben, das Dorffest entscheidend mitzutragen. Selbst im OK, wo Wirth die Gesamtkoordination innehat, arbeiten gegen 50 Leute mit.

Das 2200-Seelen-Dorf steht also geschlossen hinter dem Event, und ganz beschränken auf die 48 Stunden im Sommer möchten sich die Aaregäuer dann halt doch nicht. So wurde das Jubeljahr bereits im Januar eingeläutet, oder besser eingeblasen, war doch ein Alphorn zugegen.

4000 sollen kommen
Und so soll es nun jeden Monat ein Event geben. Alle normalen Vereinsanlässe, wie im Januar die Turnshow des Turnvereins, stehen unter dem Zeichen des 750-Jahr-Jubiläums. Selbst an der Fasnacht wurde kräftig die Werbetrommel gerührt, schliesslich möchte das OK gerne 4000 Zuschauer am Festumzug, der am Samstag während des Festes durchgeführt wird, begrüssen. «Wir möchten Leute aus dem ganzen Gäu erreichen», sagt Wirth zum ambitionierten Ziel.

Als nächstes Event steht das Einstricken auf dem Programm. Wobei das eigentlich schon länger läuft, ganz von alleine stricken sich all die Meter Garn nicht, um die Kandelaber und Zaunpfosten entlang der Umzugsroute einzukleiden. Schön bunt solls werden an der exakt einen Kilometer messenden Route. Und damit immer was geht, laufen die Gruppen, momentan sind über 30 angemeldet, von zwei Seiten die Route ab.

Etwas weniger bunt ist das Event, welches im April startet und dann hübsch bis zum Fest am 24. Juni läuft. Kohlrabenschwarz wird es, wenn alles richtig läuft. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes Kohle. Denn die wird in einem eigens angelegten Kohlemeiler selbst hergestellt. Verantwortlich für die nicht gerade günstige Art Kohle herzustellen, zeichnet sich der Gewerbeverein Wolfwil. Über 25 000 Franken wird das Herstellen kosten, ein Teil soll durch den Verkauf der Holzkohle am Fest selbst wieder gedeckt werden. Das Ernten der Kohle läuft während des Festes. «Der Kohlemeiler soll, auch zeitlich, als Anziehungspunkt dienen», so Wirth.

Und auch sonst läuft einiges. Zu viel, um hier alles aufzuzählen, ist es allemal. Was sicher ist, die Dorfvereine helfen tatkräftig mit. «Etwas fürs Dorf machen», klingt es wieder als Grund aus dem Mund von Bruno A. Wirth. So macht etwa die Jugendgruppe der katholischen Kirche einen Elfen- und Wichtelweg für die kleinen Besucher. Dieser ist aber nicht nur für die Dauer des Festes zu besuchen, nein im Anschluss wandert der Weg und mit ihm dann auch die Besucher an geeignete Orte im ganzen Wald.

Das Festgelände ist den Feierlichkeiten entsprechend grosszügig. Und die Restaurationsbetriebe in den Zelten dürften einige Arbeitsstunden abzuarbeiten haben, bevor am Sonntagabend das Fest für beendet erklärt wird. Denn das mit dem 48-Stunden-Fest ist durchaus wörtlich gemeint. Nach dem Nachtessen und einem Besuch in der Kaffeestube, die zwar etwas anders heisst, aber nichts anderes ist, gehts in die Bierschwemme oder an die Bar. Und am Lagerfeuer wird zu Gitarrenklängen und Mitsing-Stunden die Nacht durchgemacht, bis um 7 Uhr morgens wieder die Zelte ihre Tore aufmachen.

Auch Zivilschutz hilft mit
Und wie finanziert man ein solches Fest? Fest-Button, Fest-Wein, Fest-Bierhumpen usw. sollen, neben dem Umsatz in den Zelten natürlich, möglichst eine schwarze Null rausschauen lassen. Es darf auch gerne etwas mehr sein, denn die Vereine bekommen, wenn alles gut läuft, auch einen Teil des Gewinns ab. «Etwas fürs Dorf» halt. Aber die Wolfwilerinnen und Wolfwilern können nicht alles alleine machen. Der Zivilschutz wird deshalb zwei Wochen im Einsatz stehen und beim Auf- und Abbau helfen. «Anders geht das nicht», gibt Wirth zu Protokoll.