Egerkingen/Neuendorf
Die Gäuer feiern bereits wieder Fasnacht

Während viele jetzt noch nicht einmal an Weihnachten denken, ging gestern im Gäu die Post ab: Die Fasnacht hat pünktlich begonnen.

Myriam Sperisen
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Impressionen vom Fasnachtsbeginn in Egerkingen und Neuendorf.
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Impressionen vom Fasnachtsbeginn in Egerkingen und Neuendorf.
Fasnachtsbeginn am 11.11. in Egerkingen und Neuendorf
Impressionen vom Fasnachtsbeginn in Egerkingen und Neuendorf.

Impressionen vom Fasnachtsbeginn in Egerkingen und Neuendorf.

Patrick Lüthy

Närrisches Treiben vor der alten Mühle in Egerkingen. Gestern, am 11.11. um 11.11 Uhr begann die Fasnacht. Ein Brauch, der nicht für alle Fasnachts-Arten gilt. Die einheimische Gugge Chräieschränzer eröffnete die vormittägliche Party. Wer jetzt noch geschlafen hatte, konnte es vergessen. Zahlreiche Besucher, ob verkleidet oder nicht, fanden den Weg zur alten Mühle. Die Gugge Ohregröble Härchenge kamen als wohlgehörte Gäste direkt aus Härkingen.

Alle warteten auf den neuen Chräievater oder die neue Chräiemueter, wie hier der Obernarr genannt wird. Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi und Mitglieder des Gemeinderates waren ebenso gespannt. Eines war jetzt schon klar: Die neue Fasnachtsplakette wurde von Daniela Ullmann kreiert. Nach ein paar Guggenliedern und diversen Ansprachen war es soweit: In einem laut hupenden Vintage-VW-Käfer traf die neue Chräiemueter ein, um den bisherigen Chräievater Jere I. abzulösen: Es war Brige I., bürgerlich Brigitte Christ. Mit ihr zogen zahlreiche Hippies ein, getreu dem neuen Motto «Flower Power». In ihrer Ansprache betonte sie, dass sie sich auf ihr neues Amt freue. Die Party ging schliesslich kulinarisch mit Risotto, Würsten und Kuchen weiter.

Andy Lötscher mit Team als Retter

In Neuendorf hingegen fand sich bis gestern noch kein Obernarr und auch keine Obernärrin. Anwesende vermuten, es könnte daran liegen, dass das Amt doch sehr zeitaufwendig sei. Der Zug sei noch nicht abgefahren, man könne sich immer noch melden, hiess es. Aber zumindest ist es Andy Lötscher zu verdanken, dass die Fasnacht in Neuendorf nicht endgültig ausstirbt, trat doch in der letzten Saison der alte Fasnachtsrat geschlossen zurück (wir berichteten). «Es ist schön, dass so viele Leute gekommen sind», sagte er gestern gegenüber dieser Zeitung. Präsent waren zum Beispiel die Guggen Duube Guuge, die das Motto aussuchten, und die Sänf-Duube-Zunft, die gestern die Festwirtschaft mit Gulasch und Gemüsesuppe am Laufen hielt.

Prominenter Besuch aus Wolfwil

Dass dann doch noch ein Obernarr in Neuendorf auftrat, wenn auch nicht ein eigener, liegt an der fasnächtlichen Zusammenarbeit der beiden Gemeinden Neuendorf und Wolfwil. Denn der Umzug findet abwechslungsweise in je einer der beiden Gemeinden statt. Diesmal ist Neuendorf dran. Wolfwils Obernarr Gregor der erste, genannt G-Punkt I., kreuzte am Sonntag mit seiner Delegation, den Wolfwiler Dorf Zwirble in Neuendorf auf. Er selbst, bürgerlich Gregor Fluri, war am Samstagabend in der Mehrzweckhalle Wolfwil unter dem Titel «Meuterei am Aarestrand» in die zweite Amtszeit gesetzt worden.

Der Austausch zwischen den beiden Gemeinden fand auch dort statt: Es schränzten Neuendorfs Duube Guuge bei den Wolfwilern. Später wurde die neue Amtszeit Gregors bei einem gemütlichen Spaghetti-Essen gefeiert. Doch zurück zu gestern Vormittag in Neuendorf: Jeanine von Arx, Jacqueline Kobler, Jolanda Baisotti, Patrick Ammann und Stefan Kläntschi sind der neue Fasnachtsrat und helfen Andy Lötscher, die Neuendörfer Narren bei Laune zu halten. «Wir sechs haben alle Infos von unseren Vorgängern übernommen. Die Fasnacht wird weiter gehen, vielleicht ein bisschen anders als bisher», so Lötscher bei seiner Ansprache. Das Fasnachtsmotto in Neuendorf heisst passend «The Show Must Go On». Auf der Holzplakette ist «Queen»-Sänger Freddie Mercury zu sehen.

Warum ausgerechnet am 11.11.?

Es herrschen verschiedene Theorien, warum die Fasnacht bereits am 11.11. beginnt. Der Brauch hat vor allem in Deutschland Tradition, hingegen aber überhaupt nicht in Luzern, einer bedeutenden Schweizer Fasnachts-Hochburg. Dies rührt daher, dass der 11.11. vor allem in der «alemannischen Fasnacht» symbolisch ist. So hiess es anno dazumal von altdeutscher Quelle: «Als Fasnetszeit isch im Deitschland d’Zeit vom 11. November, 11:11 Uhr bis zom Aschermittwoch ei’g’bürgert.» Für Katholiken hingegen, ist der 11. November der Tag des heiligen Martin.

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