Noch einen guten Monat dauert es bis zur Uraufführung von «illusio humana», dem neuen Stück der Gäuer Spielleute. Noch einen guten Monat, bis die Spielleute ihr Publikum quer durch die Zeit schicken, ins Mittelalter, in die Zukunft und auch ein wenig in die Abgründe der Menschheit blicken lassen. Mit im Stück dabei: XX1, XX2, XY7 und XY6.

R2D2 ist nicht dabei im Zeitreisetheater «illusio humana» von den Gäuer Spielleuten. Auch nicht Mr. Spock oder eine fliegende Untertasse. Dafür vier Kinder mit den Namen XX1, XX2, XY6 und XY7. Kinder der Zukunft, ohne Sorgen bezüglich Nahrungsaufnahme, Stoffwechsel oder Gefühlsverarbeitung. Sie sind perfekt programmiert, bleiben immer jung, die Zentrale gibt ihnen vor, wie zu reagieren ist und wenn ein Organ nicht mehr funktioniert, wird es einfach ausgewechselt.

Eine Reise durch die Zeit

Bei «illusio humana» reist das Publikum gemeinsam mit dem Ensemble in die Zeit. Es erlebt dabei unter anderem hautnah einen Hexenprozess im Mittelalter, wird Zeuge einer Ballnacht mit Giacomo Casanova und erhält auch einen Einblick in eine mögliche Zukunft. Eine Zukunft, in der die Menschen perfekt sind, ewig jung und schön und wo die Zentrale immer den Überblick hat. Eine Zukunft, in der Namen im herkömmlichen Sinne ausgestorben sind. Die Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Personen basiert auf den Chromosomen. Mädchen sind XX, Jungs sind XY. Praktisch.

Klar, dass da Claire, die Frau aus der Gegenwart, die in der Zeitmaschine durchs Universum düst, etwas verblüfft ist und nicht genau weiss, was sie von einer solchen Zukunft halten soll.

Verblüfft wird auch das Publikum sein, wenn es die vier Kinder sieht, die in dieser Szene die Hauptfiguren spielen. Melanie Hauri, Ronja Borner, Christoph Rötheli und Luca Ghilardelli, alle zwischen 12 und 15 Jahre jung, beherrschen ihre Rolle bereits einen Monat vor der Premiere gut. Die Stimmlage, die Monotonie, die Zahlenmenge, die sie herunterleiern und sogar mentales Jassen haben sie mit dem Regisseur Christoph Schwager bestens einstudiert.

Auf der Heubühne am Proben

Im Gespräch mit den vier Jungschauspielern ist von Nervosität noch nicht viel zu spüren. Viel mehr freuen sie sich darauf, die Sommerpause zu geniessen und dann ab Ende Juli gemeinsam mit dem Rest des Ensembles auf der Heubühne Lochmatten in Härkingen zu proben. Unkompliziert und pragmatisch kommen sie daher und sehen das Ganze nicht als furchtbar grosse Sache an. Ihren Schulkollegen haben sie noch nicht viel davon erzählt, dass sie ab Ende August einen Monat lang auf der Bühne stehen werden. Vielleicht, weil sie sich nicht trauen? Oder vielmehr, weil es vielleicht einfach etwas mehr ist, das sie halt auch noch machen. Die vier jungen Menschen sind nämlich äusserst aktiv. Sie spielen Saxofon und Gitarre, Unihockey und Volleyball, sind in der Jugi und in der Jubla.

Zeit für die Proben finden sie trotzdem ohne Probleme. Und ausserdem sei es auch gar nicht so schwierig. Wenn man erst mal drin sei, laufe es einfach und man müsse gar nicht mehr studieren. So der Tenor der unbekümmerten Kinder. An eine Zukunft, wie sie im Stück beschrieben wird, glauben sie nicht. Und wenn es so wäre, sei es ja eigentlich auch egal, denn sie betreffe es ja dann nicht mehr. Unbekümmert, pragmatisch, erfrischend – man darf gespannt sein auf einen sehr menschlichen Einblick in eine Zukunft, die viele Fragen aufwirft.

Eine surreale Komödie

Im Stück der Gäuer Spielleute dreht sich alles um Reisen in der Zeit. Claire, die Protagonistin, trifft auf Professor Hürlimann und macht sich in seiner Zeitmaschine auf die Reise in die Zeit. Doch weder sie noch der Professor ahnen, welche Tücken Claire auf ihrer Reise erleben muss. Das Eintauchen in eine andere Epoche und das Verstehen der Lebenssituation der Menschen jener Zeit ist eine grosse Herausforderung, der Einblick in die Zukunft nicht nur rosig. Und auch das Antreten des Heimweges erweist sich als sehr schwieriges Unterfangen.

«illusio humana» ist eine surreale Komödie, die sich mit einer zentralen Frage auseinandersetzt: Ist es gut, wenn die Menschheit alle ihre wissenschaftlichen Möglichkeiten in die Tat umsetzt?

In Kürze beginnt der Vorverkauf für «illusio humana». Vom 30. August bis 28 September finden 17 Aufführungen statt. 17 Mal die Gelegenheit, gemeinsam mit Claire Engel, Professor Doktor Julius C. Hürlimann, Giacomo Casanova, Brutus, Frau von Sury und Co. durch die Zeit zu reisen, ein Stück surreale Zeitgeschichte mitzuerleben und sich dabei bestens zu unterhalten.

Premiere «illusio humana», Gäuer Spielleute: Freitag, 30. August. Aufführungen bis 28. September 2013. Spielort: Heubühne Lochmatten, Härkingen. Vorverkauf: ab 5. August 2013. Weitere Infos unter www.gaeuer-spielleute.ch