Oberbuchsiten

Die Gäuer «Alp» mit Alpensicht: Hier verbringen Rinder ihre Sommerferien

Im Sommer finden auf dem Land der Brüder Rüegsegger oberhalb von Oberbuchsiten die Rinder aus dem Thal-Gäu zusammen. Zu Besuch in der Bergwirtschaft.

Plötzlich öffnet sich auf der Bergstrasse weit oberhalb Oberbuchsitens der Bick auf saftiggrüne Wiesen. Mitten drin steht der Berggasthof zur Alp. «Mein Urgrossvater Fritz Rindlisbacher war zunächst Knecht und durfte sich dann 1915 mit einer Ziege hier oben niederlassen», erzählt Ueli Rüegsegger von der Geschichte der Alp auf der ersten Jurakette. Bald öffnete der Urgrossvater die Stube und bewirtete auch Gäste, aber das Sömmern der Rinder aus dem Gäu und Thal war hier lange die Haupteinnahmequelle.
Das hat sich mittlerweile geändert. «Die Küche hat weitherum einen sehr guten Ruf», findet Edgar Straumann aus Wangen bei Olten, der mit seiner Nichte auf der grossen Terrasse das Mittagessen geniesst.

Das Steak ist zart, der Salat knackig. «Man muss den Einkauf gut planen, damit die Qualität immer stimmt», erklärt Ueli Rüegsegger das Erfolgsrezept – und er verrät sein Geheimnis: «Wir lassen unser Fleisch in einer separaten, gekühlten Truhe ruhen, damit es zart und aromatisch wird. Früher bekam man das Fleisch von den Metzgern gelagert angeliefert. Diese Zeiten sind vorbei, jetzt muss man selber schauen.»

Von der Bergbeiz zur Fressbeiz

«Währschafte Schweizer Menüs, keine ausgefallenen Gourmetspeisen, das wollen die Leute bei uns essen», sagt Ueli Rüegsegger. Und so hat sich die Bergbeiz mit den Jahren zu einer Fressbeiz entwickelt. Der Erfolg gibt den beiden gemeinsam wirtenden Brüdern recht. «Früher war ich im Sommer auch für die Rinder verantwortlich, aber es ist einfach zu viel geworden», beschreibt Bruder Hans Rüegsegger die Umstellung. Bei Regen ginge es mit der Arbeit, aber bei schönem Wetter sei alles auf einmal zu tun gewesen, gleichzeitig Heuen und die vielen Gäste in der Wirtschaft bedienen, das sei zu viel geworden.

Mit den Nachbarn vom Bauernhof Bergli haben sich die Rüegseggers immer gut verstanden und so lag eine Zusammenarbeit auf der Hand. Nun ist es der zweite Sommer, in welchem die Familie Uebelhard den landwirtschaftlichen Teil des «Älplis» gepachtet haben. Der Jura-Hof ist eine aussergewöhnliche Alp: eine Alp mit Weitsicht auf die Alpen. Auf den Wiesen rund um das Bergrestaurant toben sich die 41 Rinder aus, die von Bauern aus Gunzgen, Oberbuchsiten, Oensingen, Holderbank, Grasswil und Breitenegg hierher zur Sömmerung geschickt werden.

, erklärt Daniela Uebelhard den Sinn der Alpwirtschaft. Dank der Sömmerung könnten die Bauern unten auf derselben landwirtschaftlichen Fläche über das gesamte Jahr mehr produktive Milchkühe ernähren, sagt sie – während ein Jungtier auf dem Weg auf die neue Weide hartnäckig zu entkommen versucht.

Die Rüegseggers können auf gute Nachbarschaft zählen

Die Uebelhards halten auf dem benachbarten Bauernhof Bergli 21 Milchkühe und dank der Pacht der 20 Hektaren Weideland und Wiesen mit der Sömmerung der Rinder haben sie auch mehr Heu, was eine ideale Ergänzung sei. «Ich werde jetzt pensioniert und ab dem kommenden Jahr wird Tochter Daniela die Verantwortung für den Familienbetrieb übernehmen», sagt Vater Peter Uebelhard, der in Oberbuchsiten auch das Amt eines Vizepräsidenten der Allmendkommission bekleidet, und man kann etwas Stolz und Freude in seiner Stimme heraushören, darüber, dass das Bergli in der Familie bleiben wird.

Neugierig begutachten die Jungtiere auf der Weide nebenan die Wanderer, die im Bergrestaurant zur Alp einkehren wollen. Das sind unverkennbar glückliche Kühe, die so leben dürfen. Und die Natur ist auch bei der Aussicht dem «Älpli» milde gestimmt: Die raumplanerischen Sünden mit den riesigen Hallen entlang der Autobahn unten im Gäu bleiben von der Terrasse aus hinter dem Wald verborgen.

Selbst die Coronakrise scheint hier weit, weit weg. Auf dem «Älpli» ist auch an einem normalen Wochentag schon wieder sehr viel los. «Wir haben das Glück, dass wir sehr viel Platz haben und die Tische weit auseinander stellen können.» So erklärt sich Ueli Rüegsegger, warum «à la carte» bereits wieder so gut läuft wie letztes Jahr. «Was uns noch fehlt, sind die Reservierungen für Bankette, Firmenanlässe und Familienfeste. Die Leute haben Angst davor, bei schlechtem Wetter drinnen sitzen zu müssen.»

Der Coronaschock vom März ist halbwegs verdaut

Als im März alles geschlossen werden musste, da bekamen es auch die Brüder Rüegsegger – wie alle Wirte – mit der Existenzangst zu tun. «Als wir nach unseren Ferien den Betrieb wieder hochfahren wollten, kam der Lockdown», blickt Ueli Rüegsegger auf schwierige Monate zurück. «Wenigstens war unser Lager noch leer und es ist nichts verdorben. Die Kurzarbeit hat uns geholfen, damit wir wenigstens
die Löhne unserer Angestellten zahlen konnten.» Vier Festangestellte und sechs flexible Aushilfen arbeiten hier. «Wenn keine zweite Welle kommt, dann können wir den finanziellen Rückschlag verkraften.»

Jüngere Generation zieht es vermehrt hinauf «zur Alp»

«Schaffen, schaffen und noch einmal schaffen.» So beschreibt Ueli Rüegsegger das Leben als Wirt auf dem Berg. «Wer nicht gerne viel arbeitet, der lässt es lieber sein.» Wanderer und Biker gehören zur typischen Kundschaft und vor allem die Senioren aus dem Gäu machen gerne einen Ausflug auf die Alp.

«Am Abend kommen auch wieder mehr junge Leute», hat der «Älpli»-Wirt in der Krise festgestellt. «Es scheint fast, als ob McDonald’s aus der Mode kommt. Die frische Luft wird wieder geschätzt.»

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