Es ist so weit: Am Montag ist eine erste Gruppe von Asylbewerbern in der ehemaligen Klinik Fridau oberhalb von Egerkingen eingezogen. Das bestätigten sowohl Claudia Hänzi, Chefin des kantonalen Amts für soziale Sicherheit (ASO), als auch die vom Kanton vororientierte Egerkinger Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi.

Auf die erste «Vorhut» werden in den nächsten Tagen weitere Bewohnerinnen und Bewohner mit laufenden Asylverfahren folgen. Spätestens Mitte November sollen die im Osttrakt der Fridau verfügbaren 80 Plätze belegt sein, erklärte die Amtschefin auf Anfrage. Die nötigen baulichen und betrieblichen Vorbereitungen seien abgeschlossen.

Der Bezug erfolgt damit etwas rascher als erwartet: Noch vor zwei Monaten war Hänzi davon ausgegangen, dass die Fridau «ab Ende November, Anfang Dezember» den Betrieb als kantonales Asyl-Durchgangszentrum aufnehmen könne.

Viele aus Syrien und Eritrea

Ein Teil der neuen Fridau-Bewohner war zuletzt in der unterirdischen Zivilschutzanlage Grüngen in Biberist untergebracht, die der Kanton nun als Asylunterkunft schliessen kann (wir berichteten). «Zurzeit kommen viele Asylbewerber aus dem Kriegsgebiet in Syrien und aus Eritrea – ein Teil von ihnen ist von ihren Erlebnissen traumatisiert. Bei ihnen versuchen wir nach Möglichkeit, unterirdische Unterkünfte zu vermeiden», berichtet Hänzi.

Menschen aus diesen Herkunftsregionen hätten zurzeit gute Aussichten auf eine zumindest vorläufige Aufnahme in der Schweiz. Die Zusammensetzung der neu ankommenden Asylbewerber sei deutlich anders als noch vor einem Jahr, als junge Männer aus den Maghreb-Staaten dominiert hätten.

«Nicht in Panik ausbrechen»

«Nein, Angst haben wir nicht in Egerkingen», äussert sich die Egerkinger Gemeindepräsidentin und Kantonsrätin Johanna Bartholdi, die vom Kanton am letzten Freitag über die Eröffnung der Asylunterkunft informiert worden war. Die Polizei habe zugesichert, dass sie in Egerkingen vermehrt Kontrollen vornehmen werde. «Ich weigere mich, in Panik auszubrechen und im Voraus schwarzzumalen», sagt Bartholdi, «aber wir werden die Situation beobachten und reagieren, wenn es entsprechende Vorkommnisse geben sollte».

Die Bedingungen der Gemeinde für den Betrieb des Asylzentrums auf der Fridau seien erfüllt: «Wir wollen, dass keine Kinder in unserer Schule eingeschult werden müssen, und das ASO hat zugesichert, dass die Kinder der Asylbewerber zentral in Solothurn die Schule besuchen», so Bartholdi. Weiter poche die Gemeinde darauf, dass die Fridau nicht länger als drei Jahre als Asylunterkunft genutzt werde, wie das im Urteil des Verwaltungsgerichts vom 21. Juli zur Umnutzung der ehemaligen Klinik festgehalten sei.

«Wir übernehmen jetzt eine Last, erwarten aber, dass in drei Jahren andere diese Last tragen werden», ergänzte die Egerkinger Gemeindepräsidentin. Schon bald werde die erste Sitzung der Begleitgruppe stattfinden, in der neben dem ASO und der Polizei die Gemeinde und das «Komitee Fridau ohne Asylzentrum» vertreten seien.