Gäu

Die Dünnern machte Müllerfamilien reich – Korrektion brachte den Todesstoss

Noch heute ist insbesondere in Egerkingen erkennbar, dass die alte Mühle in der Nähe der Dünnern liegt.

Noch heute ist insbesondere in Egerkingen erkennbar, dass die alte Mühle in der Nähe der Dünnern liegt.

Obwohl die Dünnern auch früher oft unregelmässig Wasser führte, brachte sie doch den Müllerfamilien im Gäu Wohlstand.

Mühlen an Flussläufen sorgten früher für Wohlstand und Auskommen. Auch an der Dünnern gab es vor der Korrektion etliche Mühlen, in denen dank der Wasserkraft gemahlen, gestampft oder gerieben wurde. So in Oensingen, Oberbuchsiten, Egerkingen, Kappel, Rickenbach, Wangen und in Olten. Im Mittelalter gehörten die Mühlen den Feudalherren oder kirchlichen Stiftungen. Später etablierte sich eine vornehme Bürgerschaft; Müllerfamilien gehörten meist dazu.

Von den Mühlen, die einst an der Dünnern lagen, ist die Schälismühle in Oberbuchsiten diejenige, die in der Geschichte am meisten beachtet wird. Ihr Bau dürfte ins 13. Jahrhundert fallen; ihr erster Erbauer ist nicht bekannt. Der Name geht auf den im Gäu gebräuchlichen alten Personennamen «Schelo» zurück – Scheli, Schäli ist die Koseform von Schelo. Schon früh gab es neben der Mühle auch eine Säge und auch eine Hanfmühle «Rybi» mit einer Stampfe und einem Schleifwerk wurde erstellt. Wie die Mühle selbst, wurden auch diese Nebenwerke durch das Wasser der Dünnern in Bewegung gesetzt.

Die Oberbuchsiter Schälismühle hatte einen prominenten Bewohner.

Die Oberbuchsiter Schälismühle hatte einen prominenten Bewohner.

Der Bauernführer war prominentester Bewohner

Ab 1583 wird die Schälismühle von der Familie Kölliker betrieben. Im Jahre 1635 war Adam Kölliker «Tschälismüller». Er hatte sich am 14. Februar 1627 mit Elisabeth Kulli, der Tochter des Müllers und Untervogts Ulrich Kulli von Rickenbach, vermählt. Adam Kölliker vergrösserte die Mühle und erstellte ein neues Haus. Nach seinem frühen Tod 1638 hinterliess er ausser der Witwe fünf Kinder.

Am 12. November 1640 verheiratete sich die Witwe des Adam Kölliker mit Adam Zeltner von Niederbuchsiten, der damals 35-jährig war. Die Frau hatte ein ziemlich grosses Vermögen in die Ehe mitgebracht; umgerechnet heute etwa 57000 Franken. Adam Zeltner wurde nun zum «Schälismüller», jedoch war er nicht der Eigentümer. Die Mühle gehörte seinen Stiefkindern, insbesondere dem beiden ältesten Nachkommen von Kölliker.

Adam Zeltner wurde im Bauernkrieg am 2. Juli 1653 in Zofingen enthauptet und sein Vermögen an der Mühle zum Glück den Nachkommen wieder zugesprochen, «weil ihr Vater das Leben hat darstrecken müssen und genugsam gebüsst hat. Doch sollen sie die Schulden zahlen und die Kosten von Zofingen», hiess es aus Solothurn. Im Lauf der Jahre gab es weitere Besitzerwechsel, da das Dünnernwasser nicht immer regelmässig floss. Es gab Wasserknappheit, dann wieder Hochwasser – die Wirtschaftlichkeit der Mühle war schwierig. Im Sommer 1893 kaufte der Basler Johann Hablitzel-Karle die Liegenschaft. «Das Anwesen lag nahe der Bahnlinie in schönem Umland; aber alles war in total verwahrlostem Zustand», schrieb er.

Zunächst richtete er eine Sägerei ein und verlegte dann seine Patent-Fiber- und Bürstenholzfabrik von Basel hierher. Im Jahre 1901 begann er dann mit dem Aufbau einer Ziegelfabrik und erstellte für die Feuerung der Brennöfen einen Hochkamin. 1917 kam das Ende für die Ziegelei Hablitzel. Die Schuhfabrik von Pfister, Wirz & Cie übernahm den Besitz. Die Wasserkraft der Dünnern wurde mit Einbau einer Turbine weiterhin genutzt, doch das Mühlenrad hatte ausgedient. Den Todesstoss versetzte der Mühle die Dünnernkorrektion, wobei der Lauf der Dünnern 1939/40 rund 100 Meter weiter südlich verlegt und das bisherige Bachbett aufgefüllt wurde. Heute ist die Schälismühle ein Ort der kulturellen Begegnung, der von einem Verein verwaltet und betreut wird.

Die Alte Mühle von Egerkingen ist das älteste Gebäude der Gemeinde, gebaut 1614. Schon 1385 wurde aber in einem Ehevertrag des Ritters Hug von Falkenstein eine Mühle erwähnt. Die Dünnernkorrektion entzog auch dieser Mühle die Wasserkraft. Bis 1970 wurde sie noch elektrisch betrieben. 1985 kaufte die Einwohnergemeinde die Liegenschaft. Seit 1991 kann sie von der Öffentlichkeit gemietet werden. Zur Alten Mühle gehört ein französischer Garten.

Die Rickenbacher Mühle, früher eine der reichsten im Kanton Solothurn, wurde 1405 erstmals erwähnt. 1622 erwarb Johann Hammer von Langendorf den Betrieb. Die Hammer waren eine reiche Müller-Dynastie, besassen sie doch zeitweise zehn grosse Mühlen im Kanton. So auch jene in Egerkingen, in Oensingen und in Olten. Die Dünnernkorrektion gab bereits 1935 der Rickenbacher Mühle den Todesstoss. Noch steht aber das 1736 gebaute Herrenhaus an der Strasse.

Von der Rickenbacher Mühle existiert noch das schöne Wohnhaus.

Von der Rickenbacher Mühle existiert noch das schöne Wohnhaus.

Quellen: Jules und Elisabeth Pfluger «Solothurnisches Gäu», Heinrich Kissling «Die Schälismühle».

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