Ob Stecknadeln, Stoffe, Faden, Kreide, Schnittmuster, Knöpfe, Bänder, Elast, Reissverschlüsse oder gar verstellbare Büsten — im «Fadespueli» in Balsthal werden kreative Köpfe fündig. «Und falls doch etwas im Sortiment nicht vorhanden sein sollte, können Kunden das Gewünschte einfach an der Theke bestellen lassen», sagt Mitarbeiterin Sonja Wirz.

Das Lädeli verkauft auch ausgewählte Bernina-Nähmaschinen. Ein Grund, weshalb gerade diese Nähmaschinen im Sortiment sind: Geschäftsführerin Marianne Fluri hat früher bei der Bernina in Solothurn gearbeitet.

Das «Fadespueli» führt sie zusammen mit Sonja Wirz und Doris Schneeberger. Das Geschäft gehört aber Fluri. Ihre beiden Freundinnen helfen aus, wenn während den Ladenöffnungszeiten auch Kurse durchgeführt werden. «Ich kann schliesslich nicht an zwei Orten gleichzeitig sein», scherzt die Geschäftsführerin. Leitet also Fluri die Kurse, betreuen entweder Schneeberger oder Wirz den Laden. Und wenn eine der Freundinnen die Kurse gibt, bleibt Fluri im unteren Stock der zweistöckigen Räumlichkeit, wo sich der Verkaufsladen befindet.

Drei verschiedene Standbeine

«Einen eigenen Laden zu besitzen, war schon immer mein Traum», verrät Fluri. «Hier in der Gegend hatte es früher nichts dergleichen.» Die gebürtige Matzendörferin wusste deshalb von Anfang an, dass nur Balsthal als Standort infrage käme. «Die nächstgrösseren Städte Solothurn und Olten liegen weiter weg, der Standort hier ist zentral.» Zuerst hatte die Geschäftsführerin nur ein kleines Atelier im Kopf, als sie dann aber per Zufall an der Räumlichkeit in Balsthal vorbeifuhr, habe sie gewusst: Das werde ihr Laden. «Dank den zwei Stockwerken konnte ich den Kursraum direkt integrieren», so Fluri.

«Ich stütze mich auf drei verschiedene Standbeine», sagt Fluri weiter. Hauptsächlich geht es im «Fadespueli» natürlich um den Verkauf von Mercerie-Artikeln. Aber auch die Kurse, die das Team um Fluri anbietet, werden gut besucht. Zuletzt fertigen die Schneiderinnen auch Anpassungen für Kunden an, falls die Hose einmal nicht richtig sitzen würde, das Kleid zu lang sei oder der Reissverschluss kaputt ginge.

Erst kürzlich veröffentlichte das «Fadespueli» das Kursangebot für den Herbst 2018. Darunter können Nähbegeisterte beispielsweise ihr eigenes Portemonnaie oder einen Wintermantel mit Kragen oder Kapuze schneidern. Auch der Dauerrenner wird wieder durchgeführt: «Der Taschenkurs läuft einfach seit Tag eins», sagt Fluri glücklich. Nebst diesen Spezialkursen finden vier Mal wöchentlich fortlaufende Nähkurse statt. In diesen können vier Teilnehmer ihr eigenes Projekt realisieren. Ein Kurs beinhaltet zehn Mal zweieinhalb Stunden. Das Kursmaterial wird vom «Fadespueli» zur Verfügung gestellt.

«Nähen ist heute wieder trendy»

Es ist den innovativen Köpfen hinter dem Lädeli zu verdanken, dass es so gut läuft. «Im Detailhandel überleben zu können ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich», weiss Fluri. Einerseits sei der Erfolg dem grossen Einzugsgebiet zu verdanken. Andererseits läge er auch am zentralen Standort. «Das Thal hält zu diesem Lädeli», sagt Wirz zudem. «Es gibt sonst in der Nähe kein vergleichbares Geschäft.»

Auch das Kursangebot helfe, den Fortbestand des Lädelis zu gewährleisten. «Früher hatte Schneidern ein eher verstaubtes Image», so Fluri. «Heute ist das anders, Nähen ist wieder trendy.» In der heutigen Zeit schätzt man es wieder mehr, selber etwas von Hand zu schaffen. «Es gibt einen richtigen Näh-Boom.»

Der Geschäftsführerin ist aber bewusst, dass sie sich auf diesem Erfolg nicht ausruhen dürfe: «Wir dürfen nicht stehenbleiben, müssen immer etwas Neues bieten.» Das Kursangebot habe sich deshalb ausgeweitet, mittlerweile wird nicht mehr nur genäht oder geschneidert, teilweise gibt es nun auch Bastelkurse wie beispielsweise das Binden eines Hortensienkranzes. Auch neu ist der Farbberatungskurs, in dem eine ausgebildete Farbberaterin den Kunden dabei hilft, rauszufinden, welche Farbe ihnen am Besten steht.

Fashion-Gala in der Goldgasse

Seit genau fünf Jahren gibt es das «Fadespueli» jetzt schon. Anlässlich dieses kleinen Jubiläums hat sich das Team etwas Besonderes ausgedacht: «Wir veranstalten eine Modeschau mit Frauen, die ihre selbst geschneiderte Kleidung präsentieren», verrät Fluri. Auch der deutsche Travestiekünstler Miss Liss wird anwesend sein. «Miss Liss wird mir dann auch eine richtige Bühne stellen», sagt die Geschäftsführerin. Am Jubiläumssamstag, dem 18. August, wird die «Fadespueli»-Mode von 25 Frauen auf dem Laufsteg präsentiert. Ausgehend vom Atelier führt die Show durch die Goldgasse, wie auf einer Fashion-Gala.