Neuendorf
Die Dorfhalle bleibt leer: Nach 30 Jahren heisst es Weihnachtsmarkt ade

Nach mehr als dreissig Jahren Weihnachtsmarkt bleibt die Dorfhalle in Neuendorf nächstes Wochenende leer.

Myriam Sperisen
Drucken
Teilen

Bruno Kissling

«Neuendorf hat nichts mehr», erklärt Franziska Uebelhard enttäuscht. Damit meint die in Neuendorf aufgewachsene Bäuerin aus Niederbuchsiten das Dorfleben allgemein. Aber vor allem die Tatsache, dass nach mehr als 30 Jahren der Weihnachtsmarkt nicht mehr stattfindet, stimmt sie traurig: «Es war schon immer einer der schöneren Weihnachtsmärkte des Gäus, mit mehr als 60 Ständen.»

Kommenden Samstag wäre es soweit, doch die Dorfhalle wird diesmal leer bleiben. Laut Beat Haller, Präsident der Kultur- und Sportkommission, die jeweils für die Organisation verantwortlich war, hatten sich diesmal nur 22 Standbetreiber angemeldet. «Da wurde uns bewusst, dass der Markt finanziell nicht mehr tragbar sein würde, denn die Fixkosten bleiben immer gleich.» Dies auch in Anbetracht der finanziellen Lage der Gemeinde, wie er begründet. Im letzten Jahr sei man noch knapp mit der Finanzierung durchgekommen. Da waren es noch 42 Stände. Seit drei Jahren ist die Zahl der Anmeldungen rückläufig, so Haller.

Liegt es an den Kosten?

Doch was ist der Grund für diese negative Entwicklung? Verschiedene Vermutungen liegen nahe. «Es gibt immer mehr solcher Märkte. Früher hatten wir nur Olten», so Haller, der auf die Konkurrenzsituation anspricht: Seit mehreren Jahren sei etwas der Weihnachtsmarkt in Oensingen zur gleichen Zeit und auch viele ähnliche Anlässe.

Beat Haller, Präsident der Sport- und Kulturkommission Neuendorf   

Beat Haller, Präsident der Sport- und Kulturkommission Neuendorf   

zvg

Vor Jahren wurde unter den Standbetreibern Neuendorfs eine Umfrage durchgeführt, bei der es genau darum ging: Bedarf des Weihnachtsmarktes. Da sei herausgekommen, dass die Leute zwar grundsätzlich dafür waren. Doch auch kritische Stimmen waren zu vernehmen, wie Haller erklärt. So wurde moniert, dass «jeder zweite Stand das gleiche Angebot» feilböte. Oder auch, dass «terminlich so nahe am 1. Advent bereits alle Leute ihre Adventssachen gekauft hätten.» Will heissen: Der Neuendörfer Weihnachtsmarkt wäre sowieso zu spät.
Dann kommen die Kosten ins Spiel. Die Gebühren für den Weihnachtsmarkt Neuendorf seien zu hoch. Dies sei kritisiert worden. Haller spricht dies gegenüber dieser Zeitung gleich selbst an, um sofort zu relativieren: «Das kann aber gar nicht sein, denn seit 2008 blieben die Standgebühren gleich.»

Franziska Uebelhard, die Niederbuchiter Bäuerin, die auch Präsidentin der Trachtenvereinigung Neuendorf ist, glaubt dennoch, es könne mit den Gebühren zutun haben: «Meines Wissens haben wir immer mehr gezahlt, am Schluss zusätzlich noch eine Gebühr pro Stuhl», sagt sie. Dennoch wäre die Trachtenvereinigung am kommenden Samstag gerne mit ihrem Stübli vor Ort gewesen. Die Anmeldung stand, umso schockierender die Absage.

Wie machen es die anderen?

Auch der Weihnachtsmarkt im Oberbuchsiter Gäuer Forum Schälismühle konnte nicht mehr stattfinden. Laut André Schwaller, Präsident Genossenschaft Schälismühle, aus folgendem Grund: «12 Mal haben wurde der Markt durchgeführt, doch weil wir den zusätzlichen Platz nicht mehr bekamen, muss der Anlass jetzt für immer ausfallen.» Die Rede ist von einem Gebäude Dritter, das zur Vermietung ausgeschrieben ist, und deswegen nicht mehr genutzt werden kann.

Als Ausgleich habe man in der Schälismühle sieben öffentliche Anlässe durchs Jahr geplant. Der Niederbuchsiter Adventsmarkt, der erst seit zwei Jahren stattfinde, diene zudem als eine Art Ersatz. Die Kulturkommission Niederbuchsiten führte den Adventsmarkt mit 25 Ausstellern in der Turnhalle bereits am 10. November durch. Der wohl grösste Weihnachtsmarkt im Gäu findet gleichzeitig auch in der grössten Ortschaft statt: in Oensingen. Dort lädt der Gewerbeverein kommendes Wochenende zum 23. Oenziger Wiehnachtsmäret in den Bienkensaal ein. Die Öffnungszeiten sind am Samstag, 1. Dezember, von 11 bis 20 Uhr, und am Sonntag, 2. Dezember, von 10 bis 18 Uhr.

Ebenfalls am kommenden Sonntag, 2. Dezember, findet der Weihnachtsmarkt in Wolfwil statt. Zwischen 11 und 20 Uhr organisieren der Kirchenchor und der Gewerbeverein den Anlass auf dem Areal der katholischen Kirche. In Egerkingen , fand im Alterszentrum Sunnepark bereits ein Adventsmarkt statt. (my)

Früher war alles anders

In seinen Anfängen, vor mehr als 30 Jahren, fand der Weihnachtsmarkt Neuendorf am Umgangsweg statt, also draussen. Es war in einer Zeit, als es die Dorfhalle noch nicht gab. Franziska Uebelhard erinnert sich, als sie mit ihren Eltern jeweils am Abend vorher den Stand dekorierte, wie sie sagt. Auch Beat Haller kann sich noch an diese Zeiten erinnern.
Die Tradition des Weihnachtsmarktes lief weiter und entwickelte sich mit der Zeit zu einem veritablen Event mit drei Stübli, die im Turnus von den Vereinen getragen wurden und einheimischen wie auch auswärtigen Standbetreibern, die mitwirkten. In der Dorfhalle kam später noch eine Spiel- und Bastelecke hinzu sowie der Samichlausbesuch.

Nicht mehr terminiert

Wie es künftig weiter gehen soll, weiss man in der Kultur- und Sportkommission nicht. Haller wird Ende Jahr in seiner Funktion als Ressortchef und Präsident zurücktreten und seine das Amt dem dem Ratskollegen (Gemeinderat) Christoph Kuhn, übertragen. Für das kommende Jahr ist bislang kein Weihnachtsmarkt in der Dorfhalle terminiert.