Brandschutzschulung
Die Devise lautet: Im Feuer und Rauch die Ruhe bewahren

Im Kontext einer Brandschutzschulung der Kreisschule Gäu lodert und knistert es vor dem Feuerwehrmagazin in Wolfwil. Mit Feuerlöschern und Brandschutzdecken bewaffnet, wagen sich die Schüler an die Brandbekämpfung.

Anja Lanter
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Feuerübung
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Nachwuchs am Werk: Der Umgang mit Löschdecken und Feuerlöschern muss gelernt sein. Und auch eine Prise Mut ist bei diesem Vorhaben sicherlich von Vorteil. Bruno Kissling
Unter fachkundiger Anleitung wagt sich ein Schüler mit der Brandschutzdecke ans Feuer.

Feuerübung

Bruno Kissling

Der Fall: Ein Fritteusenbrand vor dem Feuerwehrmagazin in Wolfwil. Das Problem: Anstatt das Feuer mit einer Decke zu ersticken, wurde Wasser darübergeschüttet. In der Folge bäumt sich eine lodernde Flamme in den Himmel. Doch anstatt panisch sich in Sicherheit bringende Menschen, trifft man auf eine interessierte Schulklasse, welche das Spektakel aus sicherer Entfernung beobachtet.

Theorie und Praxis

Und Grund zur Beunruhigung gibt es tatsächlich nicht: Denn das Wasser wurde nicht von unerfahrenen Amateuren ins Feuer geschüttet, sondern von Feuerwehrmännern, um die Auswirkungen einer solchen Handlung aufzuzeigen.
Diese Demonstration ist Teil eines zweieinhalb Tage dauernden Projektes, an dem die fünf 9. Klassen der Kreisschule Gäu teilnehmen.

Jede Klasse beschäftigt sich einen Halbtag mit dem Thema Brand und dies sowohl in theoretischer als auch praktischer Hinsicht. Ursprünglich wollte die Schulleiterin und gleichzeitig Lehrerin Sabine Wyssenbach, dass die örtliche Feuerwehr die Schüler und Lehrkräfte instruiert, was in einem Brandfall zu tun sei. «Es sollte vor allem aufgezeigt werden, wo sich die Notausgänge befinden und wohin die Lehrpersonen mit ihren Schülern hingehen müssen. Schliesslich sind wir ja auch für diese verantwortlich.»

Brandschutzschulung

Es war der Kommandant der Feuerwehr Wolfwil, Michel Rizzo, der mit der Idee aufkam, eine Brandschutzschulung durchzuführen. Gesagt, getan: Am Anfang eines jeden Halbtages steht die theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema Brandfall: Fragen, welche das richtige Verhalten beim Ausbruch eines Feuers betreffen, stehen in dieser Sequenz im Vordergrund. Doch anstatt Köpfe der Schüler mit trockener Theorie zu füllen, wird schnell zur Praxis übergegangen.

Denn nachdem die Einteilung in zwei Gruppen erfolgt ist, geht es ans Eingemachte: Die eine Gruppe wird zum Schwingkeller geführt, in dem die Schüler einen Parcours bewältigen müssen. Die wahren Herausforderungen jedoch sind die Dunkelheit und der Rauch im Inneren, welche ein Vorwärtskommen beträchtlich erschweren.
Im Abstand von zwei Minuten betritt jedes Pärchen den Raum und muss – einem Seil folgend – verschiedenste Hindernisse, wie Stühle, Matte, Tisch und Pfosten mit möglichst wenig blauen Flecken überwinden.

Blinklichter im Raum vermögen den übrigens harmlosen Rauch nicht zu durchdringen. Deswegen ist hier in erster Linie Tastsinn gefragt.
«Mit dieser Übung soll den Schülern aufgezeigt werden, was bei einem Brand geschieht und wie sie sich dementsprechend verhalten sollen», erklärt Tobias Ackermann, Gefreiter der Feuerwehr. Die Ruhe zu bewahren sei hier von zentraler Bedeutung.

Elan trifft auf Zurückhaltung

Ein deutlicher Unterschied ist zwischen den Geschlechtern auszumachen: Die Jungen müssen nicht zweimal aufgefordert werden und sprühen vor Übermut: «Wenn man weiss, dass der Rauch ungiftig ist, so verspürt man einfach Elan», meint ein Schüler, was auch sein Kollege bestätigt. Dieser Elan führt in diesem Fall jedoch nicht selten zu Stürzen und blauen Beinen.

Die Mädchen sind deutlich zurückhaltender und ängstlicher, weswegen nicht verwunderlich ist, dass ab und zu Schreie aus dem Innern des Raumes ertönen. Nach einem Durchgang ist davon nichts mehr zu spüren und sie sind ebenfalls für eine zweite Runde zu haben. «Den Parcours finde ich lustig. Man muss gut aufpassen, die Hände einsetzen und Ruhe bewahren», fasst eine Schülerin die Situation zusammen.

Feuerlöscher und Löschdecken

Nach erfolgreicher Bewältigung dieser «Trainingseinheit», sieht sich dieselbe Gruppe mit einer neuen Herausforderung, diesmal unter freiem Himmel, konfrontiert: Einerseits sollen sie einen Kleinbrand mithilfe von verschiedenen Feuerlöschern unter Kontrolle bringen. Ziel dieser Übung ist es, den Heranwachsenden den richtigen Umgang mit jenem Gerät zu lehren.

Andererseits versuchen sich die Schüler an einer Brandschutzdecke, um ein weiteres Feuer zu löschen. Dies alles geschieht unter dem wachsamen Auge der Feuerwehrmänner, die immer wieder auch selbst zur Tat schreiten und, den Schülern wichtige Tipps mit auf den Weg geben.

«Die Aktionen fordern Mut», so Wyssenbach. Sie sehe den Vorteil dieses Projektes hauptsächlich darin, dass es die Schüler für das künftige Leben schule, es nachhaltig sei. «Zudem ist es für die Feuerwehr einfacher, wenn die Leute wissen, was im Ernstfall zu tun ist», betont sie.

Handeln lautet die Devise

Um die Schüler und Lehrkräfte noch stärker für die richtige Verhaltensweise im Falle eines Brandes zu sensibilisieren, wird am 21. September die sogenannte Hauptübung stattfinden, in deren Rahmen das gesamte Schulgebäude evakuiert wird.

Doch vorerst heisst die Devise nicht weglaufen, sondern handeln. Und so schreiten die Schüler mit Feuerlöschern und Löschdecken bewaffnet auf das Feuer zu, um ihm den Garaus zu machen.

Und eines ist hier völlig klar: Die Schülerinnen und Schüler sind in der Tat Feuer und Flamme.