Wolfwil

Die Chinawanderer sind ins grosse Abenteuer gestartet

Letzter Blick zurück: Christoph Obmascher (links) und Simon Niggli

Letzter Blick zurück: Christoph Obmascher (links) und Simon Niggli

Die Wolfwiler Dorfbevölkerung hat am Sonntag zwei Männer verabschiedet, die bis China wandern wollen. Die erste Etappe führte Simon Niggli und Christoph Obmascher gerade einmal bis Murgenthal.

Wann wohl hat die Gemeinde am Aarestrand bei einem Anlass einen derartigen Medienrummel erlebt wie am Sonntag? Der Anstoss für den Anlass war ein doppelter. Etwas verspätet hiess die Bevölkerung von Wolfwil das neue Jahr willkommen. Nach einem längeren Unterbruch aus Mangel an Interesse liess die Kulturkommission Wolfwil den Neujahrsapéro also wieder aufleben.

Gleichzeitig hat die Gemeinde zwei Wanderer verabschiedet, die ab Wolfwil – via Fulenbach – in Richtung China aufgebrochen sind. Der Erfolg gab der Kulturkommission recht. Der Zuspruch war enorm. Der Grund lag auf der Hand. Der Neujahrsapéro war gleichzeitig das grosse Goodbye für Simon Niggli und Christoph Obmascher. Die beiden brachen nämlich auf, um nach China zu reisen. Das Spezielle daran: Sie wollen die rund 7000 Kilometer zu Fuss zurücklegen.

«Es gibt viele Verrückte»

Gemeindepräsident Georg Lindemann widmete seine Neujahrsansprache denn auch ganz dem Abschied von seinem Turnkameraden Simon Niggli und dessen Partner. «Es gibt ja zurzeit viele Verrückte auf dieser Welt», stellte Lindemann fest. Und irgendwie verrückt seien auch die zwei Tippelbrüder, allerdings mit einer sympathischen Idee. Anstatt möglichst schnell ans Ziel in China zu gelangen, gehe es ihnen darum, unterwegs möglichst viel von den Ländern und Menschen, von der Natur und vom Leben aufzusaugen, umschrieb es Georg Lindemann.

Anschliessend stellte Simon Niggli seine Pläne vor. Niggli, der 2009 von Wolfwil aus nach Santiago de Compostela aufgebrochen war, lernte seinen heutigen Mitwanderer auf dem Jakobsweg kennen. Der 46-jährige Christoph Obmascher, von Beruf Kellner in Alpbach, war ebenfalls vom Tirol aus per pedes zum spanischen Wallfahrtsort gepilgert.

Gemeinsam bauten sie später den Gedanken, die Seidenstrasse zu erwandern, zum ganz grossen Trip nach China aus. Neben Wien sind Istanbul, Baku und Kaschgar, die chinesische Oasenstadt an der Seidenstrasse, wichtige Etappenstädte auf der langen Wanderung durch zwei Erdteile. Niggli gestand ein, er habe Respekt vor dem Ansinnen, Tausende von Meilen auf Schusters Rappen zurückzulegen. «Möglicherweise können wir nicht alles machen, was wir vorhaben», ist Niggli realistisch, «aber so schnell geben wir jedenfalls nicht auf.»

Schon mal bis Fulenbach

Die erste Etappe führt die beiden Langdistanzwanderer gerade einmal bis nach Murgenthal, wo sie bei Simon Nigglis Bruder übernachten. «Wir wollen die Sache behutsam angehen», erklärte Christoph Obmascher dazu. «Wichtig ist aber, den ersten Schritt zu tun und erst mal von Nigglis Heimatort wegzukommen.» Dies ist gelungen.

Ein Dutzend Treichler von der Chlausenzunft Oberbuchsiten führte lautstark den Zug der Apérogäste an, der das Duo Niggli/Obmascher bis zur Gemeindegrenze begleitete. «Es ist schön, in die Fremde zu gehen, wenn man weiss, dass man ein Zuhause hat», sagte Niggli zum Abschied.

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