Saranda! Ein Name wie ein Zauberwort. Wenn der Zauber auf die Jury wirkt, dann wird die 23-jährige Schönenwerderin Saranda Maliqi heute Abend auf dem Bundesplatz in Bern zur Miss Schweiz gekrönt. Sie wäre die erste Solothurnerin seit Tanja Gutmann (1997). Wobei sie heute in Rothrist arbeitet und Aarau als «ihre» Stadt empfindet. Saranda Maliqi (sprich: Malitschi) wäre eine ideale solothurnisch-aargauische Miss Schweiz.

Was ist der Zauber von Saranda? Die Augen, die langen, dunklen Haare, das Lächeln? Vielleicht ist der wahre Zauber ihre Familie. Gäbe es eine Wahl zur «Familie Schweiz» oder zur «Swiss Family», die fünfköpfige Familie Maliqi wäre eine ganz heisse Kandidatin. Jetzt steht sie felsenfest hinter der Miss-Kandidatur von Saranda.

«Saranda ist nicht schicki-micki»

«Ja, wir sind eine richtige Familie, wir haben einen starken Zusammenhalt», sagt Schwester Blerta. Und Bruder Sokol: «Am Freitagabend muss ich nicht unbedingt in den Ausgang. Es ist schön, wenn man dann heimkommen kann und gerne zusammen ist.» Über die ältere seiner beiden Schwestern sagt der 25-jährige Kaufmann: «Sie ist der Knoten der Familie, sie zieht die Fäden. Wir wären aufgeschmissen ohne sie.» Zu Sarandas Wahlchancen meint Sokol: «Schön ist sie, aber schön sind auch die andern Kandidatinnen. Saranda ist nicht nur schicki-micki.»

«Sie hat mich stark beeindruckt mit ihrem Organisationstalent», bestätigt die jüngere Schwester Blerta. «Der Weg bis zur Miss-Wahl war lang und anstrengend, aber sie hat alles unter einen Hut gebracht.» Blerta gibt zu: «Ja, ich habe Saranda zur Kandidatur überzeugt. Ich war sicher, dass sie das perfekt machen würde. Und sie wird es auch als Miss perfekt machen.»

Aus Kosovo in die Schweiz

Die Familie Maliqi stammt aus Kosovo; alle drei Kinder sind dort geboren. Vater Zejnulla kam 1987 als jugoslawischer Saisonnier in die Schweiz. In Pristina hatte er Agronomie studiert, hier nahm er eine Stelle als Natursteinversetzer an. Eine Arbeit, die er bis heute ausübt, seit 26 Jahren beim gleichen Arbeitgeber. Damit brachte er die Familie durch und ermöglichte allen drei Kindern eine gute Ausbildung. «Mein Mann hat sich geopfert und immer hart gearbeitet für uns», sagt seine Frau Fatime. Tochter Blerta fügt bei: «Er hat sein Land verlassen und für uns vieles aufgegeben.»

Die Familie folgte dem Vater 1994 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz, zuerst ein Jahr nach Trimbach, dann nach Schönenwerd. Fatime Maliqi, die in der Heimat Sprache und Literatur studiert hatte, absolviert an der Fachhochschule in Olten ein Zweitstudium in Sozialer Arbeit und ist heute als Sozialarbeiterin im Aargau berufstätig. Alle drei Kinder absolvieren derzeit an der privaten Berufsfachschule Minerva in Aarau die Berufsmaturität; die Töchter möchten später wie die Mutter Sozialarbeit studieren, der Sohn zielt in Richtung Finanzen.

2005 wurde die Familie Maliqi problemlos in Schönenwerd eingebürgert. «Wir hatten gute Referenzen», schmunzelt die Mutter. Doch vermutlich waren die Maliqis den Behörden als arbeitsame und bildungsfreundliche Familie bereits bekannt – Saranda erhielt bald eine Lehrstelle auf der Schönenwerder Gemeindeverwaltung.

Die Familie pflegt ihre Wurzeln in Kosovo – alle drei Kinder können Albanisch, regelmässig besuchen sie die Grossmutter und Verwandte zu Hause. Aber in Kosovo gelten sie als «Schweizer» – und das sind sie auch. Mutter Fatime sagt über ihre Tochter: «Sie wird das Land sehr gut repräsentieren» – und meint damit die Schweiz. Jetzt muss es nur noch mit der Miss-Wahl klappen heute Abend. Wie heisst doch gleich das Zauberwort? Genau!