Neuendorf
Die Bauruine soll endlich einem Neubau weichen

Das unfertige Haus an der Fulenbacherstrasse in Neuendorf wird bald bis auf das Betonfundament rückgebaut. Finanziert werden soll das 12-Familienhaus mit dem Einbau von Eigentumswohnungen.

Erwin von Arb
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Ausser den in den letzten Tagen ausgebauten Fenstern deutet derzeit nichts auf einen baldigen Baubeginn hin.

Ausser den in den letzten Tagen ausgebauten Fenstern deutet derzeit nichts auf einen baldigen Baubeginn hin.

HR Aeschbacher

Sind die Tage der seit bald zwei Jahren vor sich hin darbenden Bauruine an der Fulenbacherstrasse gezählt oder machen die Besitzer des unfertigen 12-Familienhauses einmal mehr Versprechungen, die sie nicht halten können? «Nein», sagt Armin Schmid von der Generalbauunternehmung Gistec Gümligen BE. «Wir werden noch im Mai damit beginnen, die von der Witterung beschädigten Holzbaufertigelemente vollständig bis auf das Betonfundament rückzubauen.» Schaden genommen haben die Bauelemente, weil es die Bauherrin, die Ciw AG, Gümligen, verpasst hatte, den wegen eines Lieferstopps der Fertigelemente im Sommer 2012 eingestellten Bau abzudecken.

Alle Bemühungen, die in Bosnien bereitliegenden Holzbaufertigelemente doch noch in die Schweiz zu bringen, seien gescheitert und hätten viel Zeit beansprucht, meint Schmid im Rückblick. Schuld daran sei ein Zürcher Unternehmen, welches den Werkvertrag nicht erfüllt habe. Dass diese Firma vorgängig 90 Prozent Kosten für die Bauelemente einkassiert habe, sei mehr als ärgerlich. Man werde juristisch alles versuchen, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Rund 2 Mio. Franken verloren

Obwohl das daraus resultierende Fiasko Verluste von rund 2 Mio. Franken nach sich ziehen dürfte, wie Schmid schätzt, hat die Ciw AG als Bauherrin die Hoffnung noch nicht aufgegeben, das 12-Familienhaus doch noch zu realisieren. Finanziert werden soll das mit rund 7,1 Mio. Franken projektierte Haus mit dem Einbau von Eigentumswohnungen. Beim ersten Projekt waren noch Mietwohnungen vorgesehen. Schmid spricht von einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis der 3 1/2-, 4 1/2- und 5 1/2-Zimmer grossen Eigentumswohnungen. Die Kaufpreise sollen sich zwischen 395 000 Franken und 740 000 Franken bewegen. Um den neuen Bedürfnissen gerecht zu werden, sei die gesamte Innenarchitektur vollständig überarbeitet worden. Der neue Aufbau des dreigeschossigen Mehrfamilienhauses soll wiederum mit Holzbaufertigelementen erfolgen. Hochwertiges Material aus Europa, wie Schmid versichert. Wo eingekauft werde, sei noch offen.

Schmid ist zuversichtlich, dass sich mit dem beschriebenen Modell bald der gewünschte Erfolg einstellen wird. «Wohneigentum ist im Trend und der Standort unseres Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage befindet sich an bevorzugter Wohnlage», so der Gistec-Kundenberater. Der Verkauf ab Plan habe bereits begonnen und eine erste Reservation sei bereits eingetroffen. Auf gutem Weg soll sich auch die Finanzierung durch eine in der Region ansässige Bank befinden.

Ohne Käufer geht nichts

Das neue Projekt hat aber eine grosse Schwachstelle, das weiss auch Schmid. Bevor nämlich nicht mindestens sechs Wohnungen verkauft sind, steht die Finanzierung nicht, was sich mitunter auch auf den Termin für den angekündigten Rückbau der Bauruine auswirken könnte. «Es könnte durchaus sein, dass wir erst Ende Mai damit beginnen können», räumt Schmid dazu ein. Deshalb werde die Ciw AG auch alle Hebel in Bewegung setzen, um das angestrebte Ziel möglichst schnell zu erreichen. Dies soll in den nächsten Tagen und Wochen mittels Flyern und Inseraten in den lokalen Medien geschehen. Wenn die Finanzierung gesichert sei, rechne er mit einer Bauzeit von sechs bis acht Monaten bis zur Fertigstellung.

Gemeindepräsident will Taten sehen

Gemeindepräsident Rolf Kissling würde es begrüssen, wenn die unschöne Bauruine endlich aus dem Dorfbild verschwinden würde. Er habe langsam die Nase voll von den stetigen Ankündigungen und wolle deshalb endlich etwas Greifbares sehen. Wenn bis Ende Mai nichts passiere, werde er eine Abrissverfügung anstrengen. «Ich bin mir zwar bewusst, dass eine solche juristisch anfechtbar ist, werde es aber der Sache wegen trotzdem tun», gibt sich Kissling kämpferisch.

Erste Anzeichen, dass es die Bauherrschaft diesmal ernst meint, sind zumindest vorhanden. «Wir erwarten in den nächsten Tagen ein nachgebessertes Baugesuch mit marginalen Nachbesserungen», erklärt Baupräsident Guido Schenker auf Anfrage.