Was kann die Landwirtschaft tun, um Flora und Fauna im Thal zu schützen? Mit dieser Frage befasst sich das Vernetzungsprojekt Thal, das anfangs des Jahres in die zweite Projektperiode gestartet ist. Am jährlichen Infoanlass in Mümliswil informierten Martin Huber vom Ingenieur- und Planungsbüro BSB + Partner sowie der Mümliswiler Gemeindepräsident Kurt Bloch über den aktuellen Stand des Projekts.

Tierwanderung wird gefördert

Das Vernetzungsprojekt geht auf die vom Bund bereits 2001 erlassene Öko-Qualitätsverordnung zurück, die mittlerweile Direktzahlungsverordnung heisst. Ihr Ziel ist es, die Artenvielfalt und Nützlinge auf Landwirtschaftsflächen zu erhalten und zu fördern. Die Bauern sind verpflichtet, 7 Prozent ihres Landes als Biodiversitätsförderflächen zu nutzen. Bei diesen handelt es sich um extensive Wiesen, Weiden oder Hecken sowie sämtliche Elemente, die zur Artenvielfalt beitragen. Für die Förderung der Biodiversität erhalten die Bauern vom Bund Beiträge.

Legen die Bauern diese Flächen ausserdem an günstigen Orten für die Tierwanderung – sprich Vernetzung – an, fallen die Subventionen vonseiten des Bundes höher aus. Denn Tiere benötigen ein ökologisches Wegnetz, an dem sie sich auf ihren Wanderungen orientieren. Die Vernetzungsflächen machen insbesondere an Lagen Sinn, wo bereits eine natürliche Struktur vorhanden ist, etwa an Waldrändern oder entlang Bächen.

Fünf Projektgebiete im Kanton

Im Thal wurde das Vernetzungsprojekt im Jahr 2010 in Form von kommunalen Einzelprojekten gestartet. Anderswo im Kanton wurden bereits 2007 die ersten Projekte lanciert. Auf das Jahr 2018 hin wurden die kommunalen Einzelprojekte gemäss kantonalen Vorgaben zu fünf Projektgebieten mit jeweils unterschiedlichen Trägerschaften zusammengelegt.

Die gemeinsame Projektfläche im Thal umfasst nun 5600 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche. Die Projektleitung liegt beim Ingenieur- und Planungsbüro BSB + Partner mit Sitz in Biberist, Träger des Projekts sind die Thaler Gemeinden unter Federführung der Gemeinde Mümliswil-Ramiswil. Ihnen zur Seite steht eine etwa 20-köpfige begleitende Arbeitsgruppe mit Vertretern aus der Landwirtschaft, den Gemeinden, lokalen Naturschutz- und Vogelschutzvereinen.

Bauern machen mehr als nötig

Der Anteil an Biodiversitätsförderflächen betrage im Thal 25 Prozent, wie Huber sagt. Davon seien etwa 20 Prozent Vernetzungsflächen. «Das ist sehr viel», so Huber. Kantonal lägen die Vernetzungsflächen nämlich bei immer noch hohen 14 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Da das Thal über mehr Steilhänge und damit weniger produktives Land als andere Regionen im Kanton verfügt, spielt hier das Anreizsystem durch Subventionsbeiträge sehr gut. «Die Bauern machen im Thal freiwillig viel mehr, als sie müssten», sagt Huber.

Die Wirkungskontrolle im Thaler Vernetzungsprojekt geschieht über die regionale Vogelbeobachtung. Zu diesem Zweck werden Ziel- und Leitarten bezeichnet, die im Gebiet grundsätzlich vorhanden sind und auf Vernetzung reagieren. Kommt eine bestimmte Vogelart im besagten Gebiet vor, gilt der Lebensraum als intakt. Wichtige Vogelarten im Thal sind etwa der Neuntöter, der Baumpieper sowie die Heidelerche. Auf der Grundlage dieser Indikatoren für die Landwirtschaft können die Vernetzungsberater den Bauern Empfehlungen abgeben.

Huber teilte am Informationsanlass auch mit, dass ab Mai 2018 Vernetzungspfade eingerichtet werden sollen. «Lehrpfade auf flexiblen Routen, die die Vernetzungsprojekte näherbringen sollen.» Für jedes der fünf Projektgebiete im Kanton würden ein bis zwei Lehrpfade erstellt, deren Routen jedes Jahr wieder neu festgelegt würden. In einem Vortrag über holzbohrende Käfer zeigte Biologin Lea Kamber ausserdem die Bedeutung von Hochstammbäumen für seltene Käferarten auf. «Rund 900 Hochstammbäume sind im Vernetzungsprojekt eingebunden», so Huber. «Es gibt aber sicher noch einmal so viele im Kanton, da wäre noch Potenzial vorhanden.»