Der Zigeunerbaron
«Der Zigeunerbaron» im kleinen Mümliswil zeugt von hoher Professionalität

Johann Strauss’ Operette «Der Zigeunerbaron» überzeugt und begeistert an den internationalen Musikfesttagen «Classionata» im solothurnischen Mümliswil.

Rosmarie Mehlin
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«Czipra» Jutta Panzenböck, «Barinkay» Michael Kurz und «Saffi» Luisa Albrechtova. (von links).
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«Zsupan und Istvan» Rouwen Huther und Hans Bussmann.
Der Zigeunerbaron
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Classionata 2013: Première von «Der Zigeunerbaron» in Mümliswil
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«Ottokar» Richard Klein und «Arsena» Verena te Best.
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Der Zigeunerbaron

«Czipra» Jutta Panzenböck, «Barinkay» Michael Kurz und «Saffi» Luisa Albrechtova. (von links).

HR Aeschbacher

Durch die Klus nach Balsthal in Richtung Passwang führt der Weg nach Mümliswil. Im Ortskern hübsche, gepflegte Häuser, mehrere Wirtschaften, Dorfmetzg, Molki, Raiffeisen, Post, Coop. An den Strassenlaternen flatternde Flaggen, die vom grossen Ereignis im 2500-Seelen-Dorf künden, der «Classionata», den alle zwei Jahre hier stattfindenden Internationalen Musikfesttagen.

Mit einem Konzert der Camerata St. Petersburg hatte der Aargauer Dirigent Andreas Spörri 1993 den Grundstein dafür gelegt. Seit 1999 organisiert und leitet der gebürtige Badener – der regelmässig das Wiener Opernball-Orchester dirigiert – das Festival mit seinen sinfonischen Konzerten, Musiktheater und Workshops.

Hit reiht sich an Hit

Jetzt ist es wieder so weit: Am kommenden Montag steht in der Kirche St. Martin eine Mozart-Gala mit dem Soloflötisten der Wiener Philharmoniker, Dieter Flury, auf dem Programm. Und vorgestern hatte in der Konzertaula «Der Zigeunerbaron» Premiere, der bis zum 28. April insgesamt zehnmal aufgeführt wird. Und der, so viel vorneweg, eine Reise nach Mümliswil lohnt.

Seit 2011 hat die «Classionata» ein eigenes Festival-Orchester. Die gut 30 jungen Musikerinnen und Musiker aus dem In- und dem benachbarten Ausland lassen, unter der intensiven Stabführung von Andreas Spörri, das Publikum schon nach wenigen Takten die nüchterne Betonkälte des Saales vergessen. Denn die romantische Tönung, die gemütsbetonten, lyrischen Züge, gepaart mit einer Portion ungarischer Volksmusik, machen schon in der Ouvertüre klar, dass Strauss hier, 11 Jahre nach der «Fledermaus», ein weiteres unsterbliches Œuvre geschaffen hat. Hit reiht sich an Hit und reisst das Publikum mit.

Frisch und lustvoll

Besonders auch, weil die Spiellust und die Professionalität des Orchesters – bar jeder hemmenden Routine – und die Spielfreude sich schwungvoll auf der Bühne fortsetzen. Der aus Deutschland stammende Regisseur Thomas Mittmann hat in ein einfaches, aber ansprechendes Bühnenbild eine Aufführung gezaubert, die durch Frische und Einfallsreichtum besticht. Sowohl der nicht grosse, aber starke Chor – die Damen aus der Schweiz, die Herren aus Ungarn – als auch sämtliche aus Deutschland, Österreich, Tschechien, Serbien und der Schweiz stammende Solisten überzeugen stimmlich ebenso wie darstellerisch.

Dass auf Balletteinlagen verzichtet wird, tut der Lebendigkeit des Abends keinen Abbruch. In den durchwegs hübschen Kostümen agieren sämtliche Mitwirkenden mit so viel Lust und Freude, dass es eine Wonne ist, ihnen zuzuhören und zuzuschauen. Dies nicht zuletzt, weil sie eine ausgesprochen homogene Ensembleleistung zeigen.

Wobei es an Strauss und dem Libretto liegt, dass der Darsteller des Schweinezüchters Kálmán Zsupán als Publikumsliebling prädestiniert ist. In Mümliswil ist er nicht nur wohlbeleibt, sondern sticht auch durch seine Grösse hervor: ein tölpelhafter langer Lulatsch, den der deutsche Tenor Rouwen Huther mit sehr viel liebenswürdiger Komödianterie gibt. Der begeisterte, lang anhaltende Applaus nach der Premiere galt indes allen Beteiligten, ganz besonders auch dem Dirigenten und «Classionata»-Intendanten Andreas Spörri.

Informationen: www.classionata.ch

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