Balsthal

Der Wochenmarkt steht auf etwas verlorenem Posten

Der Wochenmarkt ist geschrumpft. Raum für mehr Marktstände in der Goldgasse wäre vorhanden.

Der Wochenmarkt ist geschrumpft. Raum für mehr Marktstände in der Goldgasse wäre vorhanden.

Seit Jahren bieten freitags jeweils nur noch drei bis fünf Marktfahrer in der Goldgasse in Balsthal ihre Ware an. Wie lange noch?

Morgen Freitagvormittag ist wieder Wochenmarkt in der Balsthaler Goldgasse. So wie seit vielen Jahrzehnten. – Doch wie lange noch? Das fragten sich sowohl die Marktfahrer als auch die Kunden immer wieder in den vergangenen Jahren. Diese Zeitung berichtete mehrfach darüber. Januar 2009: «Droht dem Markt langsam das Aus?» Mai 2010: «Eine Belebung ist dringend nötig.»

Wie geht es dem Balsthaler Wochenmarkt heute tatsächlich? Die Antwort: Nicht besser als bei der letzten Nachfrage vor vier Jahren. Da drängt sich die Frage auf, ob es denn noch einen Sinn hat, einen Markt am Leben zu erhalten, an dem mal drei, vier oder fünf Stände anzutreffen sind? Vonseiten Kunden, Marktfahrern, Gewerbetreibenden und der Gemeinde tönt es einhellig, es wäre schade, würde es den Wochenmarkt nicht mehr geben. Einig ist man sich ferner darin, dass ein massgeblicher Grund für das schwindende Interesse in den veränderten Lebensgewohnheiten zu suchen ist. Im Weiteren sei wohl der Freitagvormittag nicht die beste Zeit für den Markt. Und dass nicht nur die Grossverteiler und Supermärkte eine Konkurrenz sind, sondern auch die Einkaufsmöglichkeiten auf dem Bauernhof, die merklich zugenommen haben.

Begleitet von Ungewissheit

Es ist zum einen der persönliche Kontakt vom Anbieter zum Kunden, der den Markt auszeichnet, ferner die Ambiance und die Möglichkeit, Leute zu treffen und mit ihnen zu plaudern. Doch damit diese Ambiance entstehen kann, braucht es eine gewisse Anzahl. In Balsthal schwankt die Zahl in letzter Zeit zwischen drei und fünf, auch schon mal sechs Marktständen. «Das weiss man nie so genau», sagt Bauverwalter Anton Wüthrich, bei der Gemeinde zuständig fürs Marktwesen. «Genau genommen sollten sich die Marktfahrer an- oder abmelden, aber da sehen wir schon lange drüber hinweg.» Diese Ungewissheit hat auch Einfluss auf das Verhalten der Kundschaft. Eine Frau sagt: «Ich möchte mich darauf verlassen können, dass mein Marktfahrer auch wirklich da ist. Oder dass er die letzte Woche versprochene Ware dieses Mal dabei hat.»

Am Standpreis sollte es nicht liegen

Wie also könnte man dem Markt zu einem Aufschwung verhelfen? Sind vielleicht die Standgebühren zu hoch? «Zwölf Franken für einen gedeckten Dreimeterstand sind sicher nicht zu viel», antwortet Anton Wüthrich. «Man kommt den Marktfahrern sogar noch entgegen, indem die Stände auf- und abgebaut werden und der Abfall weggeputzt wird, obwohl diese beiden Dienstleistungen gemäss Reglement nicht Sache der Gemeinde sind.»

Apropos Gebühren: Genau genommen müsste die Gemeinde einen Mehrpreis von zwei Franken pro Laufmeter verlangen, wenn nicht nur auf dem Tisch des Marktstandes Ware feilgeboten wird, sondern auch neben und vor dem Stand. «Wir haben mal darauf aufmerksam gemacht, aber das kam nicht gut an, und so lassen wir es unterdessen bleiben», berichtet Wüthrich. Doch hält er fest, dass es eigentlich ungerecht sei gegenüber einem anderen Marktfahrer, der zwei Stände mietet, um ein reichhaltiges Angebot präsentieren zu können. Platz für weitere Stände wäre jedenfalls vorhanden in der Goldgasse.

Mehr Werbung erwünscht

Von dem erwähnten Entgegenkommen der Gemeinde erwähnen die Marktfahrer nichts. Sie haben eher das Gefühl, sie würden von der Gemeinde zu wenig unterstützt. Zum Beispiel müsste man halt mehr Werbung machen. Kundinnen und Kunden schliessen sich dieser Meinung an. Aber wer soll denn diese Werbung machen? Die Gemeinde Balsthal vielleicht? Anton Wüthrich antwortet mit einer Gegenfrage: «Wäre dann die Gemeinde nicht genau so verpflichtet, für das einheimische Gewerbe Werbung zu machen?» Marktfahrer seien nun mal Gewerbetreibende wie andere auch. «Wir sind doch verpflichtet, hier auf die Rechtsgleichheit zu achten.»

Marktkultur – Dorfkultur

Wie wäre es, wenn die Kulturkommission Balsthal sich für den Markt starkmachen würde? Schliesslich wird immer wieder darauf verwiesen, Marktkultur sei auch Dorfkultur. Judith Hafner, Präsidentin der Fachkommission, gibt sich zurückhaltend: «Möglich wäre noch vieles», sagt sie. «Die Ressourcen sind beschränkt. Dass wir uns für professionelle Marktfahrer einsetzen, sehe ich nicht.» Aber beim Naturparkmäret engagiert sich doch die Kulturkommission auch? «Das ist etwas anderes», entgegnet Judith Hafner. «Hier kommt viel mehr zusammen, als nur ein reiner Warenverkauf. Es ist ein regionaler Grossanlass fürs ganze Thal und darüber hinaus, der zwei Mal im Jahr stattfindet.»

Fühlt sich vielleicht der Naturpark Thal angesprochen, dem Wochenmarkt im Thaler Hauptort unter die Arme zu greifen? «Wir haben einmalig Hilfe angeboten bei der Suche nach Marktfahrern», erklärt Michael Bur, Projektleiter Naturprodukte beim Naturpark. «Aber eine aktive Hilfeleistung ist derzeit kein Thema. Der Hinweis auf unserer Website wird selbstverständlich beibehalten.»

Fläche wäre noch vorhanden

Bleibt noch der Gewerbeverein Balsthal-Klus. Judith Hafner ist auch hier Präsidentin. «Wir haben viele eigene Aktivitäten im Jahresprogramm und eigene Märkte wie der Ladehüeter-Märet und der Chlaus-Märet. Daneben unterstützen wir auch Dorfaktivitäten.» Warum nicht auch den Wochenmarkt? Die Präsidentin überlegt eine Weile und antwortet dann: «Wenn wir im Gewerbeverein etwas wollen, dann nehmen wir die Sache halt in die Hand.» Weiter will sie sich dazu nicht äussern.

So geht denn der Ball zurück zu den Marktfahrern. Welche Möglichkeiten sehen sie selbst, um die Situation zu verbessern? Als Antwort kommt ein Achselzucken. Ein Rezept kann niemand aus dem Ärmel ziehen. Vielleicht würde es nützen, wenn die ganze Goldgasse autofrei gemacht würde, und nicht nur der untere Teil, meint schliesslich einer.

Ob er wirklich daran glaubt, bleibt offen. Die reservierte Fläche in der Goldgasse würde noch reichen für drei, vier weitere Marktfahrer. Und am Platz für Kundinnen und Kunden, die dort einkaufen und plaudern können, fehlt es ebenfalls nicht.

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