Wofür Tierschützer seit Jahrzehnten kämpfen, wird nun endlich Realität. Einhergehend mit dem vom Bund vorgezogenen Ausbau der Autobahn zwischen Härkingen und Luterbach auf sechs Fahrspuren sollen nun auch zwei Korridore für Wildtiere gebaut werden. Mit den in Oberbuchsiten und Wangen an der Aare geplanten Übergängen werden die seit den 1950er-Jahren durch die Autobahn abgeschnittenen «Verkehrswege der Wildtiere» wieder geöffnet. «Ja, es gibt ein entsprechendes Vorprojekt», bestätigt Andrea von Däniken, Medienbeauftragte des Astra.

«Das freut uns natürlich, zumal wir schon lange darauf warten, dass es endlich losgeht», sagt der Solothurner Jagdverwalter Marcel Tschan. Vor allem Rothirsche drängten in den vergangenen Jahren vom Oberland via Emmental oder aus den Kantonen Waadt und Neuenburg dem Jura entlang in die Region. 20 bis 30 Tiere werden derzeit wegen der Autobahn von ihrer Wanderung in Richtung Norden abgehalten. Zwar gelingt es hin und wieder einigen Rothirschen, den Wildtierzaun zu überwinden. Die Gefahr für Tier und Mensch ist aber beträchtlich. «Das kann für den Rothirsch ebenso tödlich enden, wie für den Autofahrer», so Tschan.

Überlebenswichtige Mobilität

Dass der Bund den grössern der beiden Korridore in Oberbuchsiten plant, findet Tschan den richtig. Hier würden seit jeher grosse Tierbewegungen beobachtet. «Das ist der ideale Standort». Für Wildtriere sei die Mobilität überlebenswichtig, zumal diese auch den genetischen Austausch zwischen Populationen und damit zur Ausdehnung der Verbreitungsgebiete beitrage. «Das ist wichtig für den Fortbestand einer Art», unterstreicht Tschan.

Die Wildtierkorridore in Oberbuchsiten und in Wangen a. d. Aare sind von überregionaler Bedeutung, wie Andrea von Däniken vom Astra erwähnt. Die in Oberbuchsiten geplante Wildbrücke über die Autobahn A1 soll eine nutzbare Breite von 50 Metern haben und eine Länge von 41 Metern aufweisen. Die Dünnern soll in diesem Bereich zudem punktuell verlegt und renaturiert werden. Für die Baukosten werden 11,5 Mio. Franken veranschlagt. In Wangen a. d. Aare wird der Wildtierkorridor mit dem Bau einer Unterführung reaktiviert. Die nutzbare Breite beträgt 15 Meter, die Länge 41 Meter bei einem Höhenlichtmass von 4 Metern. Es wird Baukosten von 3 Mio. Franken gerechnet.

Um den Wildtieren den Zugang zu den geöffneten Korridoren zu erleichtern, soll im Rahmen des nun folgenden Auführungsprojekts die Planung der notwendigen Zuleitungsstrukturen an die Hand genommen werden. Die dafür vorgesehenen 7 Mio. Franken sind in den Gesamtkosten der Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen enthalten, wie von Däniken dazu ausführt. Nicht berücksichtigt sind allfällige Landerwerbskosten.

Für Hirsch, Wildschwein und Luchs

Schätzungen, wie viele Wildtiere dereinst die Brücke in Oberbuchsiten überqueren werden, gibt es mangels Vernetzung keine. Ausgerichtet ist der Übergang primär auf Rothirsche, Wildscheine und den Luchs. Zu den potenziellen Benutzern werden auch Baummarder, Feldhasen und Rehe gezählt. Genaue Zahlen sollen erhoben werden, wenn der Wildtierkorridor offen ist. Dies dürfte allerdings noch eine Weile dauern. Mit dem Baubeginn wird frühestens 2022 gerechnet. «Allfällige Einsprachen nicht eingerechnet», wie Andrea von Däniken bemerkt. Geduld ist also auch weiterhin gefragt.