In knapp sechs Wochen ist es so weit: Die Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt mit Hauptsitz in Egerkingen schliesst am 31. Dezember wegen der veränderten Kundenbedürfnisse und des immer schwieriger werdenden Bankenumfelds die Geschäftsstellen Härkingen und Neuendorf.

Was in beiden Gemeinden bleibt, sind die Bancomaten. Mit dem Auszug der Raiffeisenbank stellt sich in Neuendorf auch die Frage, wie es um die Zukunft des im Untergeschoss eingemieteten Volg-Ladens bestellt ist. Die Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt will das Gebäude an der Dorfstrasse 70 nämlich in absehbarer Zeit verkaufen, wie Andreas Furrer, Vorsitzender der Bankleitung, auf Anfrage erklärt.

Verkauf erfolgt nur mit Mietvertrag

Ist mit dem angestrebten Verkauf die Gefahr verbunden, dass der Volg-Laden geschlossen werden könnte? «Nein», sagt Furrer, «das ist überhaupt nicht in unserem Interesse». Zudem laufe der Mietvertrag mit der Volg Konsumwaren AG noch bis ins Jahr 2025. Diesen Mietvertrag wolle Raiffeisen einhalten und werde das Gebäude aus diesem Grund nur mit dem Mietvertrag im Anhang verkaufen. «Mit einem entsprechenden Eintrag im Grundbuch», wie Furrer dazu bemerkt.

Wann der Verkauf über die Bühne gehen soll, sei aber noch nicht definiert. «Für uns steht im Moment die bevorstehende Schliessung der Geschäftsstellen in Härkingen und Neuendorf im Vordergrund. Diese wollen wir sauber über die Bühne bringen. Uns eilt es nicht mit dem Verkauf, wir gehen Schritt für Schritt vor», betont Furrer. Dass die Übernahme des Mietvertrages mit Volg bis ins Jahr 2025 Käufer abschrecken könnte, glaubt der Bankvorsitzende nicht. Es sei eher ein Vorteil, einen liquiden Mieter mitbringen zu können, findet Andreas Furrer.

Laden macht gute Umsätze

Der Gemeinderat sei sich der aktuellen Situation des Dorfladens bewusst, erklärt Gemeindeverwalterin Regula Steccanella auf Anfrage. Die Gemeinde werde selbst nicht als Käuferin für das Gebäude auf den Plan treten, um den Fortbestand des Dorfladens langfristig sicherzustellen, meint Steccanella mit Blick auf die angespannte finanzielle Situation der Gemeinde. «Wir müssen zuerst unsere eigenen Finanzen in den Griff bekommen.»

Mit Interesse beobachtet die Volg Konsumwaren AG die jüngste Entwicklung rund um das Gebäude in Neuendorf. In diesem betreibt Volg seit Herbst 2001 einen Laden. Mit dem Geschäftsgang ist das in Winterthur ansässige Detailhandelsunternehmen zufrieden, wie Kommunikationsleiterin Tamara Scheibli erwähnt. Dennoch stehe ein Kauf der Liegenschaft durch Volg nicht zur Diskussion. «Wir kaufen grundsätzlich keine Gebäude, sondern mieten lediglich die Ladenlokale», lässt Scheibli dazu verlauten. An der Weiterführung des Mietvertrages sei man aber grundsätzlich interessiert.

Postagentur im Volg noch kein Thema

Ein Interesse am Fortbestand des Volg-Ladens hat auch die Schweizerische Post, welche in Erwägung zieht, dort dereinst eine Postagentur einzurichten. Dies wäre allerdings erst dann der Fall, wenn die Poststelle in Neuendorf geschlossen würde. Dazu wollte sich die Post nicht näher äussern und verwies auf die im März 2013 kommunizierte Situation in Neuendorf. Damals hatte die Post auf die rückläufigen Geschäfte am Postschalter mit reduzierten Öffnungszeiten reagiert. Derzeit würden keine Gespräche über die Entwicklung der Nutzung der Poststelle sowie die allfällige Umsetzung des Agenturmodells geführt, sagt Markus Flückiger, Leiter Kommunikation Mitte von der Post CH AG.

Volg würde für die Einrichtung einer Postagentur Hand bieten, wie die Pressesprecherin dazu ausführt. «Wir sind grundsätzlich immer bereit, in unseren Läden Verkaufsflächen für die Integration von Postagenturen zur Verfügung zu stellen. Die Entscheidung liegt aber in jedem Fall bei der Post selbst», so Tamara Scheibli.