Zwei langjährige Hägendörfer Primarlehrer haben sich vor den Sommerferien nach 41 beziehungsweise 39 Jahren Schuldienst in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet: Fünft-/Sechstklasslehrer Peter Nyffenegger und Dritt-/Viertklasslehrer Toni Käser. «Wir haben eine so lange Zeit im selben Schulbetrieb gearbeitet», sagt Toni Käser und erklärt damit auch gleich, warum es für ihn Sinn macht, das Zeitungsporträt gemeinsam mit seinem Kollegen zu machen.

Peter Nyffeneggers Berufswunsch Lehrer begann «ziemlich früh». «Ich verfolgte zwar lange den Beruf des Piloten, doch bei der Prüfung zur fliegerischen Vorschule dazu scheiterte ich – in Geografie.» Er habe immer gerne mit Kindern zusammengearbeitet und ihnen gerne etwas beigebracht, erklärt der 60-Jährige seine (Vor-)Freude am Lehrerberuf. «Das war bis am Schluss so.» Nach der obligatorischen Schulzeit besuchte der ursprüngliche Winznauer das Lehrerseminar in Olten und Solothurn und schloss die Ausbildung 1972 ab. «Damals waren Lehrer gesucht. Als in Hägendorf eine Stelle offen war, meldete ich mich. Gemeindepräsident Herbert von Arx und Schulpräsident Paul Frey luden mich zu einem Gespräch ins Bahnhofbüffet ein und buhlten um mich. Das imponierte mir.» Deshalb – «und weil ich Hägendorf eine gute Gemeinde fand» – sagte Nyffenegger zu.

Peter Nyffenegger begann 1972 mit einer dritten Klasse. «Ich wollte eigentlich auf einer höheren Stufe arbeiten, doch diese war ein guter Einstieg.» Sein ursprünglicher Plan hiess «Bezlehrer». «Ich fing auch an mit dem Studium, doch nach zwei Jahren musste ich es krankheitshalber aufgeben und wieder an die Primarschule zurückkehren.» Nach zwei «Wanderjahren» 1975/76 als Verweser unter anderem in Diegten, Gunzgen und Niedererlinsbach verbrachte er sein erstes halbes Jahr in Hägendorf mit Dritt- und Viertklässlern und wechselte danach zur fünften/sechsten Klasse. «Das war meine Stufe – und ist es bis heute. Es machte mir immer Spass. In der fünften/sechsten Klasse kann man mit den Jugendlichen schon etwas machen. Man kann schon richtige Diskussionen führen und es kommt etwas zurück.»

Vom Maschinenzeichner zum Lehrer

Toni Käser (63) wuchs in Obererlinsbach auf und kam erst auf dem zweiten Bildungsweg in die Pädagogik. Der gelernte Maschinenzeichner war ein Jahr lang auf diesem Beruf tätig, bis er sich 1972 dazu entschloss, umzusatteln und per – aufgrund von Lehrermangel ausgeschriebenen – Kurs auf den Lehrerberuf hinzuarbeiten. 1974 meldete sich Käser auf eine Stelle als Dritt-/Viertklasslehrer in Hägendorf. «Das war meine erste grosse Lehrerstelle.» Er habe sich damals auch in Winznau beworben, sei aber nicht genommen worden, fügt Toni Käser an und schmunzelt. Der dort zuständige Schulpräsident hiess Wilfried Nyffenegger und war Peter Nyffeneggers Vater ...

Auch er habe ursprünglich mit älteren Schülern arbeiten wollen, gibt Toni Käser zu, «doch dann gefiel mir die Stufe der Dritt-/Viertklässler. Einfach die Kleinen lagen mir nicht. Die Grösseren können schon lesen und schreiben, haben gewisse Grundkenntnisse. Sie sind kommunikativ und bereits kleine Persönlichkeiten, mit denen man etwas besprechen kann. Dabei sind sie noch nicht in der Pubertät.»

«Zum Verwalter geworden»

Als die Verantwortlichen der Kreisschule vor über 30 Jahren nicht mehr zufrieden mit dem damaligen Übertrittsprozedere waren, holten sie Peter Nyffenegger in die Prüfungszusammenstellungsgruppe. In einer ähnlichen Gruppe wirkte er viele Jahre auch fürs Oltner Gymnasium. Er habe, zusammen mit Kollege Jörg Utz und Vorsteher Arnold Gloor, ein neues Übertrittsreglement kreiert, sagt Nyffenegger, der während seiner Lehrerkarriere in Hägendorf für die Materialverwaltung und das Rechnungswesen zuständig war. «Das war damals revolutionär. Vorher hatte bezüglich Übertritt niemand etwas zu sagen, danach wurde die Entscheidungskompetenz auf verschiedene Seiten verteilt. Danach hatten die Primarlehrkräfte weitgehendst ein Mitspracherecht.»

Die heute geltende Übertrittsvariante im Rahmen der Sek-I-Reform macht Peter Nyffenegger Kopfzerbrechen. «Die Reform wurde zu Entstigmatisierungszwecken eingeführt. Früher besuchten 10 bis 15 Prozent aller Schüler die Oberschule, heute sind 40 Prozent in der Sek B» – seiner Meinung nach «eine Vierfachstigmatisierung. Zudem wurde die einzige Begabtenförderungsstufe, das Untergymnasium, ersatzlos gestrichen – alles zusammen ein Niveauverlust auf der ganzen Linie».

Peter Nyffenegger legte bei seiner Arbeit stets besonderen Wert auf «die normalen Tugenden: Exaktheit, Pünktlichkeit, Höflichkeit und zu Fehlern stehen können. Ich habe immer versucht, den Kindern dies vorzuleben.» Er habe sich als «Lernbegleiter auf dem Weg» gesehen. Auch Toni Käser empfindet die Vorbildfunktion des Lehrers «heute immer noch als einen der entscheidenden Faktoren». Die heutige Rolle des Pädagogen missfällt Käser jedoch: «Die Entwicklung ging vom Klassenlehrer zum Verwalter.» Er und Peter Nyffenegger empfinden das System der Geleiteten Schule als «nicht praktikabel. Früher hatte der Lehrer die Verantwortung für alles und Entscheide kamen aus dem Lehrerteam heraus. Heute entscheiden der Schulleiter und die Sekretärin, welches Formular eine Lehrkraft ausfüllen muss.»

«Einer der schönsten Berufe»

Einen Bereich hat Toni Käser als Lehrer und speziell an der Schule Hägendorf besonders geschätzt: «Die Hägendörfer Lagerkultur war immer der Höhepunkt des Schuljahres. Zu vielen Winterlagern mit Schwerpunkt Skifahren haben auch eine ganze Zeile Klassenlager die Klassengemeinschaft gepflegt und gestärkt.» Käser, der zehn Jahre lang in der Schulkommission sowie in beiden Schulhausbaukomissionen aktiv war und der Primarschule einst für zehn Jahre vorstand, bezeichnet dies als seine Schulphilosophie: «Ich war ein Erlebnispädagoge und versuchte, im Unterricht mit den Schülerinnen und Schülern viel zu erleben und in den Werkstunden auszuprobieren.»

«ch hatte in den letzten 40 Jahren einen der schönsten Berufe, weil er mit Kindern zu tun hatte», betont Toni Käser. Dies gilt auch für Peter Nyffenegger. «Wir hatten viele positiven Erlebnisse mit den Kindern. Das werden wir vermissen.» Während Peter Nyffenegger dem Schulwesen ganz den Rücken kehrt, wird Toni Käser künftig noch in der Bibliothek der Primarschule Hägendorf anzutreffen sein. Er hatte die Bibliothek aufgebaut und wird weiterhin deren elektronischen Teil betreuen.