Der Thalhof, das markante fünfstöckige Haus im Zentrum von Welschenrohr, präsentiert sich den Bewohnern und Passanten eingerüstet. Grund dafür ist die Erneuerung des Daches, wofür ein Gerüst um das ganze Gebäude erstellt werden musste. Gleichzeitig erfolgten die Montage einer Solaranlage und die Isolation der Westfassade. Die Investitionen belaufen sich auf insgesamt 235'000 Franken.

Solarstrom fürs ganze Gebäude

«Das Gebäude aus dem Jahre 1957 steht auf einer soliden Pfählung und weist eine sehr gute Bausubstanz auf, ist also auch nach 60 Jahren in einem guten Zustand», stellt Architekt Rainer Germann fest. Das Gerüst erlaubte eine Kontrolle der ganzen Fassade. Das ursprüngliche Dach, bestehend aus einem Walmdach und umrandet von einem Flachdach, bereitete schon seit Jahren Probleme. Das Dachwasser wurde nämlich durch innenliegende Dachrinnen und Ablaufrohre im Mauerwerk abgeleitet. Das neue Walmdach deckt nun all das zu, und das Wasser fliesst über neue Dachrinnen durch sichtbare Rohre ausserhalb der Mauern hinunter.

Das neue mit Ziegeln eingedeckte Dach umfasst eine Fläche von 430 Quadratmeter. Die Photovoltaik-Anlage mit 15 Kilowatt Leistung versorgt das Haus und gibt den zusätzlichen Strom ins Netz ab. Das Gebäude mit den neun Wohnungen wird hauptsächlich von Einzelpersonen und älteren Leuten bewohnt. Mit dem Lift, der zentralen Lage und dem hindernisfreien Zugang ist es dazu bestens geeignet.

Das Gebäude erfuhr mit der Parkplatzanlage auf seiner Südseite eine deutliche Aufwertung. Leer stehen noch die Büroräume im ersten Stock, die wohl zu zwei weiteren Wohnungen umgebaut werden. Sonst sind alle Räume belegt: Das Tearoom von Colette ist in Betrieb, daneben führen Marianne einen Fusspflegesalon und Schüppi seinen Laden.

Ein geschichtsträchtiges Haus

In den Fünfzigerjahren erlebte die Welschenrohrer Uhrenindustrie eine wahre Blütezeit. Die beiden grossen Firmen, die Technos der Gebrüder Gunzinger AG und die Tourist der Adolf Allemann Fils SA, konkurrenzierten sich gegenseitig. Im Dorf herrschte Vollbeschäftigung, und Arbeitskräfte wurden mit Cars herbeigeführt.

In dieser Zeit plante die Führung der Firma Tourist den Bau des Wohn-, Geschäfts- und Verwaltungsgebäudes im Dorfzentrum an der Verzweigung Hauptstrasse/ Balmbergstrasse. Dafür musste das alte Domeni-Haus weichen, das in früheren Jahren als Pfarrhaus gedient hatte. Der Bau wurde realisiert und 1957 bezogen.

Rohrpost war eine Sensation

Im Erdgeschoss des Gebäudes untergebracht waren damals ein Tearoom, eine Drogerie und eine Filiale der Kantonalbank. Im ersten Obergeschoss richtete die Firma Tourist die Büro- und Verwaltungsräume ein. Eine Sensation war damals die Rohrpost als Verbindung zum Fabrikgebäude in zirka 200 Meter Entfernung.

In den drei weiteren Etagen entstanden Wohnungen, zum Teil Dienstwohnungen für die Angestellten. Eine Attraktion war auch der Personenlift, der nebst den Bewohnern auch etwa Schüler zu einer Fahrt anlockte.

Nur fünf Jahre nach der Eröffnung des Thalhofes war die Firma Tourist am Ende. Ein Grund dafür war auch die Lancierung der «Everlight», der Uhr mit Beleuchtung. Fehlerhafte Batterien führten zum Misserfolg der Uhr mit allen Konsequenzen für den Produzenten. Die Firma wurde liquidiert, die vorhandenen Uhren verkauft, die Fabrikgebäude übernahm die Technos, und übrig blieb der Thalhof. Die Gemeinde zeigt Interesse und bewilligte an der Gemeindeversammlung einen Kredit von 695'000 Franken. An der Steigerung in Balsthal 1966 erhielt sie denn auch den Zuschlag.

Einst Sitz der Gemeindeverwaltung

In der Folge hatten sich die Gemeindebehörden ständig mit der Verwaltung des Gebäudes zu befassen. Viele Wechsel in Tearoom, Geschäftslokalen und Wohnungen hielten die Kommission und den Gemeinderat auf Trab. Die Frage nach der Rendite stellte sich bei vielen Bürgern und an vielen Gemeindeversammlungen.

Der Ruf nach einem Verkauf wurde laut. Immerhin hatte die Gemeinde die Gelegenheit, eine Gemeindekanzlei mit Büros und Gemeinderatszimmer einzurichten sowie das Tearoom als Treffpunkt für die Jungen und die Frauen zu erhalten.

Als die Kanzlei 1988 die neuen Räume in der Rosetta bezog, eröffnete im Thalhof das Architekturbüro Schreiber aus Grenchen eine Filiale. Einige Jahre belegte das Uhrenmuseum die Räume. Heute, sechzig Jahre nach dem Bau und fünfzig Jahre nach dem Kauf durch die Gemeinde, schaut das markante Gebäude mit dem neuen Dach einer sicheren Zukunft entgegen.