Die ganze Schweiz zeigte im vergangenen Juni mit den Fingern auf Oensingen: «Haben die nichts Besseres zu tun, als Kindern das Fussballspielen zu verbieten?» Es hagelte Häme und Spott, nachdem via Medien und Facebook bekannt geworden war, dass an einem Samstagabend die Polizei beim Spielplatz Schulhaus Oberdorf drei Buben vom gesperrten Platz gewiesen hatte und sie von der Gemeinde ein Arealverbot aufgebrummt bekamen (wir berichteten).

Kopfschütteln auch in der Umgebung des Schulhauses: «Wieso haben die überhaupt einen so hohen Zaun um den Spielplatz gezogen? Der ist doch öffentlich. Wir sind hier nicht in Guantánamo», hiess es. Warum der Zaun seinerzeit hochgezogen und die Öffnungszeiten des Spielplatzes per gerichtlicher Verfügung geregelt wurde, interessierte nicht oder war schon vergessen gegangen.

«Überrascht von der gewaltigen Medienresonanz» reagierte die Gemeinde, hob nicht nur das Arealverbot für die drei Buben auf, sondern liess auch die Schilder abmontieren, auf denen zu lesen war, zu welchen Zeiten es richterlich verboten war, den Spielplatz zu betreten.

Und jetzt? Wird dort nun seither pausenlos Fussball gespielt? Ach wo! Alles - so scheint es - läuft wie früher. Wenn der Platz nicht von der Schule oder von Vereinen besetzt ist, sind nur hie und da einige Kinder und Jugendliche anzutreffen.

Wir nahmen mehrmals einen Augenschein beim Spielplatz und sprachen mit Anwohnern. «Viel Lärm um nichts», kommentierte ein Mann, «mehr will ich dazu nicht sagen.» Auch nicht dazu, warum der Zaun und das richterliche Verbot überhaupt errichtet wurden? «Ach», entgegnete der Mann, «das war ja gar nicht so schlimm.»

Wirklich nicht? In Berichten und Protokollen aus der Zeit vor rund zehn Jahren tönt es ganz anders. Da wurde nämlich der Gemeinde schier die Hölle heissgemacht, es müsse jetzt unbedingt etwas geschehen bei den Spielplätzen. Es seien ganze Wochenenden lang Fussballturniere im Gang, es werde gesoffen und gelärmt bis tief in die Nacht. Und die Leute kämen aus der ganzen Schweiz nach Oensingen, das lasse sich anhand der Nummernschilder der Autos feststellen.

Die Gemeinde reagierte, liess die Öffnungszeiten gerichtlich restriktiv regeln und einen Zaun errichten. Daraufhin besserte sich die Situation, es blieb bei einzelnen Übertretungen des Verbots, die aber offenbar nicht Anlass gaben, Ordnungskräfte anzufordern.

Bis an jenem, eingangs erwähnten Samstagabend im vergangenen Juni. Da wollten drei Buben Fussball spielen. Dass der Zaun schon verschlossen war, stellte für sie kein Hindernis dar.

Aufrufe, den Platz zu verlassen, ignorierten sie - bis eben die Polizei kam. Jetzt stehen Zauntüren stehen länger offen als früher. Ein Schild weist darauf hin, dass das Areal von einem Sicherheitsdienst überwacht wird. Weitere Schilder werden folgen mit Hausregeln für das Gelände. Reklamationen sind bei der Gemeindeverwaltung bis jetzt keine eingegangen.

Die Anzeichen sind gut dafür, dass man aus dem Vorfall gelernt hat. Die Reaktionen seien zu harsch ausgefallen, war vonseiten der Gemeinde zu vernehmen, man habe überreagiert und werde künftig zuerst miteinander reden. Es ist in der Tat schade, dass ein im Grund so kleines Ereignis einen solchen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat. Anderseits hatte dieser Sturm auch seine positive Wirkung, denn es war ein reinigendes Gewitter dabei.