Wisentprojekt
Der Streit um die Wisente geht in die nächste Runde – Jetzt soll der Bund mitentscheiden

Das Projekt Wisent-Ansiedlung im Thal ist derzeit Futter für Juristen. Jetzt soll der Bund über die Wisent-Ansiedlung im Thal mitentscheiden.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Derzeit soll der Bund entscheiden, ob die Wiederansiedlung von Wisenten im Thal möglich sein soll oder nicht.

Derzeit soll der Bund entscheiden, ob die Wiederansiedlung von Wisenten im Thal möglich sein soll oder nicht.

ZVG

Das Projekt Wisent-Ansiedlung im Thal ist derzeit Futter für Juristen. Denn der Verein Wisent Thal hat von der kantonalen Ämterkonferenz aus den Bereichen Bau, Umwelt und Wirtschaft (KABUW) Post erhalten. Der Vorsitzende der KABUW, Bernardo Albisetti, teilt dem Wisent-Verein mit, dass an einer gemeinsamen Ämter-Sitzung das Ziel postuliert wurde, «ein zweckmässiges Bewilligungsverfahren für das Projekt Wisent-Thal zu definieren».

Artikel 8 des Jagdgesetzes

«Das Departement kann mit Zustimmung betroffener Kantone bewilligen, dass Tiere von Arten, die früher zur einheimischen Artenvielfalt zählten, die heute aber in der Schweiz nicht mehr vorkommen, ausgesetzt werden. Voraussetzung ist der Nachweis dass: a) ein genügend grosser artspezifischer Lebensraum vorhanden ist; b) rechtliche Vorkehrungen zum Schutz der Art getroffen worden sind; c) weder Nachteile für die Erhaltung der Artenvielfalt und die genetische Eigenart noch für die Land- und Forstwirtschaft entstehen.

Dabei habe die KABUW festgestellt, dass für die Erteilung einer Bewilligung für die Projektphasen I (Test-Herde aus 10 bis 25 Tieren, die sich zunächst im späteren Schaugehege, danach in eingezäunten Auswilderungsgehege und schliesslich auch in dessen Umgebung aufhalten können) und Projektphase II (Schaugehege mit 5 bis 10 Wisenten, um Interesse für wild-lebende Wisente erlebbar zu machen) eine grundsätzliche Bewilligung des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK, nötig sei. Dies gemäss Artikel 8 der Verordnung über die Jagd und den Schutz wild lebender Tiere.
Und die KABUW stellt klar: «Bevor der Bund über das Gesuch entscheidet, wird er die Zustimmung der Kantone einholen.»

Der Kanton Solothurn wiederum werde bei der Formulierung seiner Stellungnahme die vom Projekt betroffenen Akteure aus Waldwirtschaft, Jagd und Landwirtschaft, sowie Region Thal und Naturpark Thal berücksichtigen. Danach wird in Aussicht gestellt: «Liegt die grundsätzliche Bewilligung für die Auswilderung durch das UVEK vor, können die mit der Testphase des Projekts zusammenhängenden baurechtlichen Bewilligungen in Aussicht gestellt werden.»

Tragfähigkeit im Jura abklären

Auf dieses Schreiben hin haben der Präsident Stefan Müller-Altermatt und der Aktuar Darius Weber von Wisent Thal beim Sektionschef Wildtiere und Waldbiodiversität, Reinhard Schnidrig des UVEK ein «Gesuch um Aussetzung einheimischer Tiere» gemäss Art. 8 des JSV gestellt. Genauer: «Um die Aussetzung einer Herde Wisente im Gebiet Solmatt, Gemeinde Welschenrohr». Beim Aussetzen gemäss Phase II dieser Herde soll die Tragbarkeit frei lebender Wildtiere im Jura abgeklärt werden. Ihrer Ansicht nach, seien die geforderten Voraussetzungen für eine Bewilligung erfüllt. «Es ist ausgeschlossen, dass in dieser Phase Nachteile für die Erhaltung der Artenvielfalt oder die Land- und Forstwirtschaft entstehen», begründen sie. Die betroffenen Landbesitzer – Benjamin Brunner und die Bürgergemeinde Solothurn – seien mit der Aussetzung einverstanden.

Müller-Altermatt sagt, das Projekt sei heute schon aufgrund der «Bedenkenträger» so weit geändert, dass es sich vorerst nicht um eine Auswilderung, sondern lediglich um eine «Tierhaltung auf eigenem Gelände» handelt. «Unser Projekt garantiert, dass in dieser Phase die vom Artikel 8 geforderten Voraussetzungen erfüllt sind.» Und er setzt hinzu: «Eine Verweigerung des Kantons Solothurn aufgrund dieser Fakten wäre nicht rechtskonform.»

Schaden gegen Nutzen abwägen

Dass der Bund die Zustimmung zur Bewilligung der Herde gibt, davon ist Müller-Altermatt ziemlich überzeugt, denn die im Artikel 8 geforderten Bedingungen seien erfüllt. Doch eines weiss auch Müller-Altermatt: «Es geht um das Abwägen zwischen ökologischem Nutzen und volkswirtschaftlichem Schaden. Und ich hege die grosse Vermutung, dass der Schaden relativ klein sein wird.»

Zudem verweist er auf eine Antwort der Nationalrätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie im 23. Februar 2015. Zwei Jahre zuvor wurde nämlich eine Petition eingereicht, welche verlangt, dass die Prüfung einer Wiederansiedlung von Wisenten in der Schweiz, insbesondere im Nationalpark oder in Naturpärken zu prüfen sei. Die Nationalrätliche Kommission war der Ansicht, dass auch heute noch gewisse Lebensräume in der Schweiz, insbesondere im Jurabogen für Wisente geeignet seien. Sie anerkannte, dass Wisente als touristische Attraktion einen wirtschaftlichen Nutzen mit sich bringen könnten, «allenfalls auch für die Vermarktung von regionalen Naturpärken».

Trotz dieser positiven Haltung leistete die Kommission der Petition aber keine Folge, da es zuerst an den Kantonen liege, solche Projekte zu prüfen und allenfalls zu unterstützen. «Die Kantone hätten den nötigen Spielraum, diese Aufgabe wahrzunehmen», wurde damals festgehalten. Festgehalten sei noch, dass die dafür zuständige Ständeratskommission die Petition ebenfalls nicht Folge leistete, da sie sie als nicht dringlich erachtete.

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