Kestenholz
«Der Streit der Erben um den ‹Kastanienbaum› bedroht meine Existenz als Wirt»

«Kastanienbaum»-Wirt Hans-Jörg Bobst muss wegen eines Streits zwischen den zwei Parteien, welchen die Liegenschaft mit dem Restaurant in Kestenholz gehört, um seine Existenz bangen. In Zuge dieses Streits wurden 8 der 20 Parkplätze gesperrt.

Erwin von Arb
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Unglaublich aber wahr: «Kastanienbaum»-Wirt Hans-Jörg Bobst vor den in einer Nacht-und Nebelaktion abgesperrten Parkplätzen.

Unglaublich aber wahr: «Kastanienbaum»-Wirt Hans-Jörg Bobst vor den in einer Nacht-und Nebelaktion abgesperrten Parkplätzen.

Erwin von Arbr

Hans-Jörg Bobst versteht die Welt nicht mehr: Seit Anfang dieser Woche stehen dem Wirt vom Restaurant Kastanienbaum nur noch 12 Parkplätze für seine Gäste zur Verfügung, statt wie bis anhin deren 20. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hat jemand die acht an die Scheune grenzenden Autoabstellplätze mit einem Kunststoffband und daran angebrachten Parkverbotsschildern abgesperrt.

Der 49-jährige Wirt ist überzeugt, dass er das Opfer eines Erbstreits ist. Hinter der Aktion vermutet er Mitglieder der Erbgemeinschaft, welcher das Ökonomiegebäude der Liegenschaft gehört. Das Restaurant und das Gebäude des ehemaligen Bauernbetriebs wurden vor über 50 Jahren bei einer Erbteilung von einander getrennt, wie zu erfahren war.

Stein des Anstosses sei wohl, dass der Besitzer des Restaurants versuche, das Gasthaus zu veräussern. «Weil damit offenbar nicht alle einverstanden sind, hat jemand die Parkplätze kurzerhand abgesperrt. Hier handelt es sich um eine Protestaktion, die auf meinem Rücken ausgetragen wird», ärgert sich Bobst, der nun Umsatzeinbussen befürchtet. Anzeichen dafür gebe es bereits jetzt. Er verkaufe über Mittag weniger Menus und auch die Znüni-Halte von Handwerkern seien wegen der Platzverhältnisse weiniger geworden.

«Habe so etwas noch nie erlebt»

Auf die zwölf verbleibenden Parkplätze auf dem grossen Vorplatz des Gasthofs kann die Erbengemeinschaft zum Glück keinen Zugriff nehmen, wie Bobst erwähnt. Seit 1968 ist dessen Nutzung für den Restaurationsbetrieb mit einem Grundbucheintrag sichergestellt. «Ich hoffe, dass das auch so bleibt, sonst ist der Gasthof als solcher völlig wertlos». Schon der Gedanke, dass es so weit kommen könnte, bereitet Bobst Sorge. «Ich wirte nun schon seit 13 Jahren im ‹Kastanienbaum›, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.» Bobst hofft denn auch, dass sich die ganze Aufregung um den allfälligen Verkauf des Gasthauses bald legen wird. Der Besitzer habe ihm versichert, dass er nicht um jeden Preis verkaufen wolle, also mit Bedacht vorgehe.

«Ja es stimmt, ich suche nach einem Käufer für das Restaurant, bestätigt Besitzer Hans-Jörg von Rohr auf Anfrage. Obwohl er sich mit dem Haus, in dem er vor 51 Jahren geboren und auch aufgewachsen sei, sehr verbunden fühle, wolle er sich auf absehbare Zeit vom Gebäude trennen, zumal er seit bald 15 Jahren in Genf lebe. Ein Zeitlimit habe er sich dafür nicht gesetzt. Der Versuch, zu verkaufen, erfolge eher auf passive Weise. «Ich schalte keine Inserate, sondern schaue mich um nach Leuten, die den «Kastanienbaum» in seiner heutigen Form erhalten und weiterführen möchten».

Rund 450 Jahre in Familienbesitz

Die perfekte Lösung wäre für ihn, wenn jemand aus der Familie von Rohr den Gasthof übernehmen würde, sagt Hans-Jörg von Rohr darauf angesprochen. Der «Kastanienbaum» befinde sich seit rund 450 Jahren mit kurzen Unterbrüchen im Besitz der Familie und diese Tradition könnte so eine Fortsetzung finden. Erster Wirt im «Kastanienbaum» war übrigens Urs von Rohr, dem am 8. März 1545 das Tavernenrecht zugesprochen wurde. Ob diese Familiendynastie weiter geführt werden kann, liess Hans-Jörg von Rohr offen. Und weil bislang noch niemand sein Interesse angemeldet habe, sei er halt weiter auf der Suche nach einem Käufer. Denkbar wäre auch ein Verkauf an den aktuellen Wirt Hans-Jörg Bobst.

Folgen für den Wirt mindern

Zum Streit mit der Erbengemeinschaft will sich von Rohr nicht äussern. «Mir tut leid, was dem ‹Kastanienbaum»-Wirt derzeit wiederfährt und möchte mich deshalb vor allem dafür einsetzen, dass sich die Lage wieder beruhigt und die Absperrungen um die acht betroffenen Parkplätze wieder entfernt werden.» Obwohl die Situation recht verfahren sei, gebe es vonseiten der Erbgemeinschaft auch positive Signale. Diese wolle er nicht mit Aussagen zur Sache gefährden.

Mit den zwei Brüdern und drei Schwestern der Erbengemeinschaft, in deren Besitz sich der zum «Kastanienbaum» gehörenden Scheunentrakt befindet, konnte kein Kontakt hergestellt werden, um die Chancen für eine allfällige Lösung auszuloten. Im Dorf sorgen die gesperrten Parkplätze beim «Kastanienbaum» für Kopfschütteln. Und für viele ist klar, wer hinter dieser Aktion steckt, nur aussprechen will das niemand.

Mit Bedauern nimmt Gemeindepräsident Arno Bürgi vom schwelenden Zwist um den «Kastanienbaum» Kenntnis. «Ich kann nur hoffen, dass im Interesse des Dorfes rasch eine Lösung gefunden wird.»

Bobst hält Wechsel für denkbar

Das hofft auch «Kastanienbaum»-Wirt Hans-Jörg Bobst, der um seine Existenz fürchtet, wenn nicht bald wieder Normalität einkehrt. Bis im Herbst könne er sich dank vielen Velo fahrenden Gästen sicher noch gut behaupten. Schwierigkeiten erwartet er aber in der kalten Jahreszeit, in welcher er traditionell viele Bankette habe. «Der kleinere Parkplatz ist dann sicher ein Nachteil, auch wenn es in der Nähe durchaus Ausweichmöglichkeiten gibt.» Auf den St. Nimmerleinstag will Bobst indessen nicht warten. Wenn sich langfristig keine Lösung abzeichne, müsse er sich halt nach einer Alternative umsehen. Ein Kauf des «Kastanienbaumes» übersteige seine Möglichkeiten. Einem allfälligen Wechsel blickt der 49-Järgie gelassen entgegen. Im Gastgewerbe sei so etwas halt immer möglich, sagt Bobst, der ende der 80er Jahre im Motel in Egerkingen bei Rudolf und Johanna Bartholdi als Koch gearbeitet hat. «Wir haben noch heute regelmässig Kontakt. Dann müssen mich die beiden halt an einem anderen Ort besuchen.»