Verabschiedung

Der Stadt-Solothurner Primarschullehrer Hans Vogel ist fast zum Wolfwiler geworden

Hans Vogel geht nach 44 Jahren in Pension

Hans Vogel geht nach 44 Jahren in Pension

Die Primarschule Wolfwil verabschiedet Lehrer Hans Vogel nach 44 Jahren Lehrtätigkeit im Dorf.

Ein echter Stadt-Solothurner ist er geblieben; trotz seines langjährigen Wohn- und Arbeitsortes in Wolfwil. Aufgewachsen in der schönsten Barockstadt der Schweiz und nach dem Absolvieren des Lehrerseminars, zog es Hans Vogel ins Gäu. Dort blieb er bis zuletzt hängen. Doch Vogel hat sich im Dorf auch einen Namen als engagierter Fussballfan der Junioren des FC Wolfwil und Mitglied des Jodlerklubs gemacht. Er ist also beinahe ein Einheimischer geworden. Doch sein Herz gehört dem FC Solothurn.

Nach mehr als 40 Jahren Unterrichtstätigkeit werden Sie im Sommer die Schule Wolfwil verlassen, um sich zur Ruhe zu setzen. Wie sehen Ihre Pläne aus?

Hans Vogel: Man ist gut beraten, keine Pläne aufzustellen. Das lief seit meinem Schuleintritt im fernen 1962 den Anforderungen geschuldet so ab. Familie, Haus und Garten und die Gesundheit werden mehr Platz erhalten. Besonders die Sportvereine FC Solothurn, HC Ambri-Piotta, der FC Wolfwil und besonders seine Junioren werden von mir mehr besucht werden. Der Jodlerklub Wolfwil stand schon immer weit oben und wird es bleiben.

Welche Momente während Ihrer Lehrtätigkeit sind Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Wenn ich die ehemaligen Schülerinnen und Schüler nach einiger Zeit als junge, flotte Leute mit guter Ausbildung antreffe, dann ist für mich der Kreis geschlossen. Das gab und gibt mir Befriedigung. Das Langfristige zählt für mich, nicht das kurze Strohfeuer.

Wie haben Sie den Wandel und die Reformen während all der Jahre empfunden? Gibt es Dinge, nach welchen Sie sich zurücksehnen?

Zum Berufsbild der Lehrperson gehört unabdingbar die Loyalität zum Arbeitgeber, in meinem Fall zum Kanton Solothurn. Lehrpläne, Reformen und Veränderungen sind aber letztlich nur das wert, was die Lehrperson vor Ort davon umsetzt. Dabei gilt, es Augenmass zu halten und die Verankerung im Dorf und die Kenntnis der politischen Gegebenheiten klug zu Gunsten der Dorfschule umzusetzen. Früher brachte der Inspektor mir als Junglehrer immer viel Unterstützung und, falls nötig, Rückendeckung. Es gab weniger Sitzungen vor Ort, aber wir Lehrer waren im Thal und im Gäu durch monatliche Treffen sehr gut vernetzt und bauten damit viel Einfluss, Wissen und wahrgenommene Kompetenz auf.

Was wird Ihnen in Zukunft fehlen?

Eigentlich nur der grosse Fotokopierer! Nein, Spass bei Seite. Es ist ein Lebensabschnitt, der endgültig vorbei ist und in welchen ich beruflich und privat sehr viel investiert habe. Im Rückblick, der erst in ein paar Jahren möglich sein wird, zeigt es sich dann, was das alles wert war. Was mir ganz sicher fehlt, ist der tägliche Umgang mit Kindern, Eltern und den Kollegen.

Könnten Sie heute nochmals wählen, würden Sie sich wieder für diesen Beruf entscheiden?

Das kann ich fast nicht beantworten. Dieser Beruf war für mich Berufung. Die damalige Ausbildung dazu entsprach mir voll und ganz. Nach der Bezirksschule folgten vier sehr praxisbezogene Seminarjahre. Nach dem zweiten Jahr wussten wir: Das ist es, oder das ist es nicht! Ich habe meine Zweifel, ob ich mich für die heute angebotene Ausbildung erwärmen könnte. Ich wäre aber auch heute ein anderer Jugendlicher als 1972.

Bei den Schülerinnen und Schülern in Wolfwil sind Sie sehr beliebt. Was ist in all den Jahren Ihr Rezept dafür gewesen?

Ich richtete meinen Unterricht nie darauf aus, beliebt zu sein. Ich wollte die Kinder in allem weiterbringen. Immer mit der Grundeinstellung «konsequent und gerecht». Daneben braucht es auch Witz und Humor, aber nie zum Selbstzweck, sondern aus der Situation geboren.

Sie waren nicht nur der Klassenlehrer vieler Wolfwiler, sondern Sie haben auch Ihre eigenen drei Kinder im Schulzimmer unterrichtet. Wie war das?

Eine längere Berufstätigkeit bei Wohnsitz im gleichen Dorf führt zwangsläufig zu dieser Situation. Für mich kam das Echo jeweils am Mittagstisch. Das konnte schon mal anspruchsvoll, aber immer sehr lehrreich sein. Meine drei Kinder meisterten das sehr gut, wofür ich ihnen sehr dankbar bin.

Wie haben Ihre Kinder die Doppelrolle als Vater und Klassenlehrer erlebt?

Sie meinten, ich sei so wie sonst. Ein Kompliment für mich.

Und eine abschliessende Frage: Welche Tipps haben Sie an die noch jüngeren Kollegen?

Verbiegt euch nicht und gebt authentisch Schule. Eifert keinem System und keiner Person nach. Besonders Kinder sind sehr gute Beobachter und merken schnell, was echt ist. Jemand im Schulzimmer ist immer der Chef. Für die Belange der Ausbildung sollte das zwingend die Lehrperson sein. Ist das geschafft, dann läuft der Unterricht so, wie man es will und die Kinder helfen dabei tatkräftig.

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